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Mönchengladbach
So schön war die Session

Mönchengladbach: So schön war die Session
Für Bernd Gothe soll (77) es die letzte Session als MKV-Boss sein. Sagte er zumindest mal. FOTO: Lingen
Mönchengladbach. Kleine Narren, große Jecke: Für jeden war im Karneval, der in der Nacht zu Ende geht, etwas dabei. In den Sälen war die Stimmung klasse. Von Christian Lingen und Denisa Richters

Es war nicht ganz einfach, die Nachfolge von Prinz Norbert I. (Bude) und Niersia Barbara (Gersmann) anzutreten. Showtalent war schwer zu toppen. Das hatten Prinz Guido II. und Niersia Verena sich aber auch gar nicht vor. Sie begeisterten als Prinzenpaar mit Herz. Ob auf den großen oder den kleinen Bühnen, fanden sie immer die richtigen Worte - und verblüfften gegen Ende der Session immer wieder durch Spontankomik. Ihr Lied "Das Beste ist Karneval" sorgte für Stimmung. Beide nahmen sich auch viel Zeit für die Menschen. So setzten sie sich beim Seniorennachmittag der KG Alles onger ene Hoot Hardterbroich mitten ins Publikum und plauderten bei einem Stück Kuchen und einer Tasse Kaffee. Spaß, gemeinsam feiern, Herzlichkeit - das macht Karneval aus. Dieses Prinzenpaar setzte das vorbildlich um.

Ein so redegewandtes und spontanes Kinderprinzenpaar hat es selten gegeben. Mit lockeren Sprüchen, spontanen Scherzen und viel Natürlichkeit gewannen Prinz Yannick II. und Prinzessin Annika I. die Herzen der Jecken. Nichts war gespielt, sondern kam spürbar von Herzen. Da konnte es auch vorkommen, dass der Prinz eine Sitzung als "geil" bezeichnete. Und waren die beiden mit ihrem Hofstaat unterwegs, ging hinter den Kulissen die Dauerparty erst so richtig los. Dieses Kinderprinzenpaar hat einfach Spaß gemacht:

Proklamationen Mitte November wurden Prinz Guido II. und Niersia Verena proklamiert. Sie sind damit das letzte Prinzenpaar, das vor der Sanierung der Kaiser-Friedrich-Halle dort in das närrische Amt eingeführt wurde. Die Proklamation des Kinderprinzenpaars fand zum ersten Mal im großen Saal von Haus Erholung statt und ist mit der einen oder anderen noch erforderlichen Verbesserung ein richtiger Schritt in die Zukunft.

Für den Big-Boss des Mönchengladbacher Karnevals soll es die letzte Session als Vorsitzender des Mönchengladbacher Karnevalsverbands (MKV) gewesen sein. Nun ja, so hat er es zumindest noch vor ein paar Monaten angekündigt. Ob es so kommt, weiß bei ihm freilich niemand so genau. Aufhören wollte er schließlich schon öfters. Ganz wird er ohnehin nicht gehen, Gothe bleibt Ehrenvorsitzender und will weiterhin den Veilchendienstagszug organisieren. Und: Seine klaren Worte auf den Bühnen wirken wie Donnerhall. Denn gerne nimmt der 77-Jährige deutlich Stellung zu gesellschaftspolitischen Themen (wie die allzu rigide Gestaltungssatzung). In dieser Session wählte er seine Auftritte mit Bedacht aus. Spannend bleibt, wer sein Nachfolger wird. Im Raum steht die Frage: Erfahrung oder Neuaufbruch oder eine gute Mischung aus beidem? Sollte Gothe seine Worte wahr machen und aufhören, sagen wir schon mal sicherheitshalber: Danke!

In seiner zweiten Session als MKV-Vize übernahm Markus Hardenack deutlich mehr Termine, stand auf viel mehr Bühnen als im Vorjahr und tat dem sonst so steifen Ablauf bei Ordensverleihungen durch den MKV gut. Er fand spontane Worte, variierte, verzichtete auf Reden über Sicherheitskonzepte, die Wagenbauhalle und auch auf den Witz über das Kamel - viele Jahre untrennbar mit dem Vize-Amt verbunden. Im Hintergrund half seine Lebensgefährtin Christina Wartenberg immer fleißig mit.

Er war gerade einmal 3050 Gramm schwer, 52 Zentimeter groß und 32 Stunden alt, als die Große Rheydter Prinzengarde Mattis Beek bei ihrem Neujahrsempfang in den Kreis der Garde aufnahm. Der jüngste Rheydter Gardist stammt aus einer Familie, in der Karneval über Generationen Tradition hat. Da war es nur selbstverständlich, dass seine Eltern, Desiree Beek und Dennis Wenker, ihn kurz nach seiner Geburt in der schwarz-weißen Garde anmeldeten.

Unter der Leitung der neuen Jugendbeauftragten Dagmar Gaden gründete der MKV vor der Session einen neuen Jugendausschuss, in dem sich acht Nachwuchskarnevalisten engagieren. Sie führten nicht nur den Mariechenabend, den Ströppkes-Wettkampf und die Prämierung der Malwände durch, sondern organisierten mit dem Partyalarm am Mittwoch vor dem Karnevalswochenende eine ganz neue Veranstaltung für Jugendliche.

Der Mann, dessen Stimme jeder aus dem Borussia-Park kennt, weil er dort die Abfahrtszeiten der Züge ansagt, erhielt von der Großen Gladbacher Karnevalsgesellschaft den Orden Pro meritis in carnevalis diebus. Als Gardist der Großen Rheydter Prinzengarde, ehemaliges Beiratsmitglied des MKV und Prinz der Session 2001 gehört er im Mönchengladbacher Karneval zu den prominenten Gesichtern. HORST IMDAHL Der Geschäftsführer der Städtischen Kliniken ist kein Karnevalist. Jedenfalls kein aktiver. Er gehört keiner Gesellschaft an. Doch er ist Odenkirchener, hat sich um den Stadtteil verdient gemacht und gehört unter anderem dem Vorstand des Tierparks und dem Kirchenvorstand von St. Laurentius an. Deshalb ernannte ihn die KG Ruet-Wiss Okerke zum Burggrafen von Odenkirchen.

Der Vorsitzende der Prinzengarde der Stadt Mönchengladbach erhielt von der KG Blau-Weiß Eisenbahner den Orden "Die Morr'scher Jungs". Ausgezeichnet wurden seine Verdienste um das Brauchtum, seine Regentschaft als Prinz 2017 und sein Wirken als Oberbürgermeister. PULVERMEISTER Diese Truppe gehört jedes Jahr zu den Höhepunkten des Gladbacher Karnevals. Es ist ein Reigen Gladbacher Prominente aus Wirtschaft, Medizin, Gesellschaft und Politik, die sich mit viel Spaß und Training in einer einstündigen Show beim Generalappell der Prinzengarde der Stadt Mönchengladbach bekloppt machen. Höhepunkt des Höhepunkts diesmal: Maria-Hilf-Chefarzt Prof. Christoph Müller-Leisse und Bolten-Chef Michael Hollmann als Butler James und Miss Sophie aus "Dinner for One".

Die Kindershowtanzgarde der Großen Rheydter Prinzengarde trat in dieser Session in schwarz-weiß-grünen Kostümen auf. Die Farben sind untrennbar mit Borussia verbunden. Deshalb und weil am Ende des Tanzes das "Döp, Döp, Döp" des Torjubels erklingt, wurden die Rheer Knöppkes als Programmpunkt zur Borussen-Sitzung eingeladen und erlebten dort ihren größten Auftritt seit vielen Jahren. RATSKELLER Das Prinzenpaar residierte während der Session in seiner Hofburg - und wählte den Rheydter Ratskeller. Das Einrichtungshaus Schaffrath half dabei, die Hofburg wohnlich zu gestalten. Zusammen mit Vertretern der Gesellschaften feierte man dort große Partys.

Karneval muss nicht immer groß, laut und exzessiv sein, um Spaß zu machen. Oft sind es die kleinen Dinge, die mehr Freude bereiten. Seien es kleine Sitzungen wie die in Hardterbroich, Pesch, bei den Eisenbahnern oder die Sitzung im DRK-Heim. Den Menschen eine Auszeit vom Alltag zu bereiten, das schaffen die kleinen, herzlichen Veranstaltungen des Mönchengladbacher Karnevals. Nicht ganz klein, aber wunderbar familiär ist jedes Jahr die Sitzung der KG Schwarz-Gold Rheydt.

In Holt, bei den Wenkbülle, beim Generalappell der Prinzengarde der Stadt Mönchengladbach in der KFH (Generalappellmeister wurde übrigens Ex-Prinz Peter Homann), bei Borussia und in Neuwerk fand auch in dieser Session wieder Event-Karneval vom Feinsten statt. Auf den Bühnen standen Stars wie Brings, die Höhner, die Räuber, die Kölner Rheinveilchen und Kasalla. Auch das ist Karneval: Anonymes Feiern bei Großveranstaltungen, von denen man noch lange spricht.

Fast jede Gesellschaft verleiht die Auszeichnungen. Doch ein Orden war in dieser Session besonders begehrt. Er ist der schwerste der Session und wurde nur in einer kleinen limitierten Auflage hergestellt: der Orden der KG Rheybach. Er zeigt ein Tor mit dem Wappen der Gesellschaft. Öffnet man das Tor, kommen Seepeschnäuz Peter Ullrich und Willi Beines zum Vorschein, zwei Männer, die wie keine anderen für den Karneval standen.

Die Showtanzgarde der KG Alles onger ene Hoot Hardterbroich hat in dieser Session ihren vorläufigen Höhepunkt erreicht. Zwar war sie schon mehrfach Stadtmeister, doch so sehr wie in dieser Session konnte die Truppe noch nie überzeugen. Das lag auch an der Erfahrung von Manoli Recio, die für eine Session in der Showtanzgarde aushalf. In hübschen Kostümen vertanzte Surprise & Fantasy die Geschichte eines Gefängnisausbruchs.

Quelle: RP
 
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