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Mönchengladbach
So wird man Genussbotschafter

Mönchengladbach: So wird man Genussbotschafter
Bei der Initiative lernen Pädagoginnen, Kindern gesundes Kochen zu vermitteln: Diana Gellendin, Merle Gruden, Margit Wamers und Raphaela Krebbers. FOTO: Isa
Mönchengladbach. Die Familienbildungsstätte unterstützt die Initiative "Ich kann kochen". Kinder sollen für ausgewogene Ernährung begeistert werden. Von Angela Wilms-Adrians

Fühlen, Schnuppern, Rascheln und Kosten sind erlaubt bei der Kräuterverkostung in der Lehrküche der Familienbildungsstätte (FBS) Mönchengladbach. Fünfzehn Lehrerinnen, Erzieherinnen und Sozialpädagoginnen haben sich zur Verkostung um die Ökotrophologin Merle Gruden versammelt. Sie kennen die bereitstehenden Kräuter, doch sie wollen nicht nur vorhandenes Wissen auffrischen. Sie sind gekommen, um über die Initiative "Ich kann kochen" zu lernen, wie Kinder für Kochen und ausgewogene Ernährung begeistert werden können.

So fühlen sich die Erwachsenen für einen Moment in die Vorstellungskraft von Kindern ein und suchen nach Namen, um das Äußere von Schnittlauch und Basilikum auf den Punkt zu bringen. Da heißt Rosmarin plötzlich Stachelkraut. Interessiert lauschen die Pädagoginnen Grudens Tipps und Tricks, um die kindliche Neugierde für eine gesunde Lebensführung zu entfachen. Schließlich testen sie Rezepte beim Kochen von saisonalen und regionalen Produkten aus.

Gruden ist unterwegs für die gemeinnützige Sarah-Wiener-Stiftung, die mit der Aktion "Ich kann kochen" die größte bundesweite Initiative für praktische Ernährungsbildung von Kindertagesstätten- und Grundschulkindern initiiert hat.

Die Initiative richtet sich an Lehrer, Erzieher und Sozialpädagogen. In eintägigen Fortbildungen bekommen sie das Rüstzeug, um Kinder von klein auf für das Kochen mit frischen Lebensmitteln zu begeistern und deren Wissen für eine ausgewogene Ernährung zu fördern. So werden sie zu Genussbotschaftern und Multiplikatoren.

Erklärtes Ziel der Initiative ist, bis vorerst ins Jahr 2020 rund 50.000 Pädagogen fortzubilden und über sie mehr als eine Million Kinder zu erreichen. Unterstützt wird die Aktion von der Krankenkasse Barmer. Die FBS agiert als lokaler Partner.

Geschäftsführerin Angelika Oberländer zeigt sich begeistert. "Das ist ein Thema, bei dem auch wir unterwegs sind. Wir bieten vieles zur Vermittlung von Alltagskompetenzen an", sagt sie.

Das Wissen über Lebensmittel sei in vielen Familien verlorengegangen. "Da ist es gut, wenn gezeigt wird, dass Kochen auch einfach und für Kinder attraktiv sein kann." Oft sei zu hören, dass die Zeit zum Kochen fehle. "Man kann aber auch bei alltäglichen Dingen Zeit miteinander verbringen. Schließlich hat das Essen eine ganz andere Akzeptanz, wenn Kinder selbst kochen", sagt Oberländer.

Angesichts der Frauen-Runde in der FBS kann der Eindruck entstehen, dass Kochen unter pädagogischen Gesichtspunkten weiblich besetzt ist. Doch auch Männer sind willkommen, wie Ökotrophologin Gruden betont. Vivian Bürschgens, Schulsozialarbeiterin an der Gemeinschaftsgrundschule Eicken, und Meike Lützkendorf, Lehrerin an der LVR-Förderschule Mönchengladbach, schütteln in der Gruppe Sahne zu Butter und reichern sie mit frischen Kräutern an. Sie machen sich Gedanken über die beim Kochen nebenbei gelernten Kompetenzen und tragen ihren Teil bei zu Gemüseschnecken mit Spitzkohl, Kartoffel-Möhrenstampf und anderem mehr.

"Mit der Ernährungsbildung werden gleich mehrere Bereiche angesprochen", sagt Bürschgens. Es gehe auch darum, wo und wie etwas wachse. "Viele Kinder kennen doch nur noch verpackte Fertiggerichte aus dem Supermarkt und wissen nicht, dass die Milch von der Kuh kommt."

Meike Lützkendorf findet gut, dass es einen Einstieg in die Theorie gibt und praktisch gearbeitet wird. "Für mich war es wichtig, zu hören, wie viel Wiederholung es oft braucht, bis ein Kind ein Lebensmittel als sicher ansieht und probiert."

Quelle: RP
 
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