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Mönchengladbach
So wird man zum Eichhörnchen-Experten

Mönchengladbach: So wird man zum Eichhörnchen-Experten
Völlig entkräftet hat dieses Eichhörnchen in Bottrop nach Futter und Wasser gesucht. Sich an einen Menschen zu klammern, ist der letzte Hilferuf der Tiere. FOTO: Polizei Bottrop
Mönchengladbach. Normalerweise sind ausgewachsene Eichhörnchen scheu. Lulu ist es nicht. Normalerweise sind Eichhörnchen vergesslich und können sich noch nicht einmal merken, wo sie ihre Nüsse versteckt haben. Auch in dieser Hinsicht ist Lulu anders als ihre Artgenossen. Das Eichhörnchen aus Mönchengladbach erinnert sich, wer sie groß gezogen hat. Von Gabi Peters

Es ist Vanessa Rokowski. Die 17-Jährige leitet zusammen mit ihrem Vater eine Eichhörnchen-Auffangstation. Bis zu 40 hilflose Tiere werden im Jahr in dem Mönchengladbacher Privathaus mit großem Garten und vielen Gehegen abgegeben. Vanessa Rokowski und ihr Vater arbeiten ehrenamtlich im Tierschutz.

Vor wenigen Tagen sorgte die Nachricht für Aufregeung, dass ein kleines Eichhörnchen in Bottrop eine Passantin verfolgte. Die Frau wusste sich nicht zu helfen und rief die Polizei. Die Beamten wussten, was zu tun war. Denn wenn Eichhörnchen Menschen verfolgen, sind die Tiere bereits in Lebensgefahr. Nun wird das kleine Eichhörnchen von Experten in einer Auffangstation versorgt. 

Eichhörnchen Fritz rührt Facebook FOTO: Privat

Aber wie wird man Eichhörnchenpflegerin? Vanessa Rokowski hat die Liebe zu Tieren von ihrem Vater geerbt. Der päppelt schon seit 30 Jahren Eichhörnchen auf, zeitweise hat er sie sogar gezüchtet. Vanessa Rokowski hat ihrem Vater bei der Eichhörnchen-Pflege oft zugesehen. Bevor sie die Auffangstation eröffnete, eignete sich zunächst ausreichend Wissen über Bücher und Internet an und vertiefte anschließend zusammen mit Tierärzten ihr medizinisches Grundwissen über diese Nagetiere. Vanessa Rokowski hat aber nicht nur Fachkenntnis, sie hat auch ein Gespür für Eichhörnchen. "Meine Tochter merkt sofort, wenn bei den Tieren etwas nicht stimmt", sagt Vanessas Mutter.

Juli 2011: Eichhörnchen stirbt nach Befreiung aus Gullydeckel FOTO: dapd

Die 17-Jährige liebt ihre Arbeit in der Auffangstation und hat bei den Aufzuchten großen Erfolg. "Mit circa zwölf Wochen lasse ich die Eichhörnchen mit einem lachenden und einem weinenden Auge wieder in die Natur zurück", sagt sie. Geblieben ist nur Lulu. Das Tier stammt aus der Zeit, als Vanessa Rokowskis Vater noch züchtete. Auch Lulu sollte ausgewildert werden. Aber das Tier weigerte sich standhaft. Und so wurde es Haustier in der Rokowski-Familie. Vanessa bildet sich ständig fort, bald startet sie eine Ausbildung zur Tierarzthelferin, "was mir natürlich auch in der Notfallversorgung zugute kommt".

Wer ein verletztes oder verwaistes Tier findet, sollte grundsätzlich ein paar Stunden abwarten, ob das Muttertier ihr Junges wieder holt, rät Vanessa Rokowski. Gerade Eichhörnchen würden ihre Jungtiere bei einem Kobelwechsel schnell einmal verlieren. "Sie werden aber in der Regel schnell wieder aufgesammelt", sagt die 17-Jährige. Sollte das Muttertier nicht wieder auftauchen, sollte man das Kleine am besten mit Handschuhen, weil auch die ganz Jungen schon gute Zähnchen haben, vorsichtig hochnehmen und in einen Karton mit einer Wärmflasche setzten. Wasser mit Honig und einer Prise Salz ist für den Anfang eine gute Nahrung für die kleinen Tierchen. "Dann sollte schnellstmöglich eine Auffangstation gesucht werden. Denn die Aufzucht ist nicht einfach, erfordert viel Zeit und Geld und muss mit dem Veterinäramt abgesprochen werden, weil Eichhörnchen unter Naturschutz stehen", sagt Vanessa Rokowski.

Diese wilden Tiere leben in NRW FOTO: Hans-Juergen Bauer (hjba)

Die 17-Jährige weiß: Wenn Eichhörnchen Hilfe brauchen, suchen sie sich welche. Dass die Kleinen versuchen, an Menschen hochzuklettern sei gar nicht so selten. "Nein, diese Tiere haben keine Tollwut oder ähnliches, sie suchen einfach nur nach Schutz. Bis jetzt gab es kaum einen Fall, in dem ein Eichhörnchen eine Infektionskrankheit auf den Menschen übertragen hat", sagt Vanessa Rokowski. Dennoch sollte man zur Vorsicht Fundtiere mit Handschuhen oder in einem Eimer aufsammeln und möglichst schnell in erfahrene Hände weiterleiten. "Niemand braucht Angst zu haben, dass er von einem Eichhörnchen angegriffen wird. Meistens sind die Tiere froh, wenn sie Schutz finden", sagt die 17-Jährige.

Die Mönchengladbacher Eichhörnchen-Station ist unter der Rufnummer 01578 7089253 zu erreichen. Weitere Telefonnummern sind im Internet zu finden. Auch der Naturschutzbund (Nabu) verweist auf die Mönchengladbacher Station.

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