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Mönchengladbach
Sommer zwischen Hoffen und Bangen

Mönchengladbach: Sommer zwischen Hoffen und Bangen
Derzeit stehen die Getreidefelder in der Region voll. Die Landwirte befürchten nun Unwetter oder Hagelschauer kurz vor der Ernte. Der Regen im Frühsommer hat vor allem Spargel- und Erdbeerbauern das Leben schwergemacht. FOTO: Busch
Mönchengladbach. Von nasskühl bis Tropenhitze: Der Sommer 2016 ist alles - außer beständig. Einigen verhagelt es so kräftig das Geschäft: Erbeerbauern haben Einbußen von 25 Prozent, die Gastronomen trauern der Fußball-EM hinterher. Und im Freibad? Von Ludwig Krause

Jeden Morgen schaut Rolf Heithausen auf die Wetterkarte. "Seit 1997 bin ich dabei. In den vergangenen Jahren bin ich ein kleiner Hobby-Meteorologe geworden", sagt der Bäderleiter der NEW. Dabei interessiert ihn weniger, ob es heute schön sonnig wird. "Ich schaue vor allem auf die Entwicklung in den kommenden Tagen." Denn, das zeigt die Erfahrung: Das Freibad wird erst richtig voll, wenn es einige Tage am Stück heiß ist. Der Trend der vergangenen Tage bestätigt das. Montag noch kamen 1200 Besucher ins Volksbad, am Dienstag waren es schon 4100, am Mittwoch wurden bis zu 6000 erwartet. Vom Rekordtag am 19. August 2012, als sich 10.850 Besucher auf den Wiesen und im Becken drängten, ist das zwar noch weit entfernt. Aber immerhin geht es aufwärts. "Die Leute lechzen nach Sonne", sagt Heithausen.

Auch im Schlossbad Niederrhein in Wickrath schossen die Zahlen um mehr als das Doppelte in die Höhe, von 1100 am Montag auf bis zu 3000 am Mittwoch. Damit scheint die Freibad-Saison richtig zu beginnen - und das, wo der Juli langsam schon auf die Zielgerade einbiegt. Der wechselhafte Sommer hat bisher weitestgehend dafür gesorgt, dass die Hartgesottenen in Ruhe ihre Bahnen ziehen konnten. Das mag für sie zwar angenehm sein, aus ökonomischer Sicht aber ist das eine Katastrophe. Allein im Volksbad hinkt man jetzt im Vergleich zum Vorjahr schon um 27.400 Besucher hinterher. Die Saison abhaken möchte Heithausen trotzdem noch nicht. "Wenn wir jetzt zwei oder drei Wochen eine stabile Wetterperiode bekommen, können wir unsere Durchschnittszahlen noch erreichen", sagt der Bäderleiter. Das wären etwa 70.000 Besucher im Volksbad und 100.000 in Wickrath.

Die Hoffnung auf eine Durchschnittssaison haben die Erbeerbauern in Mönchengladbach und Umgebung schon begraben. "Ein Viertel der Erdbeeren konnte nicht geerntet werden, weil sie faul waren", sagt Wolfgang Wappenschmidt, Vorsitzender der Kreisbauernschaft. Der Regen des Frühjahrs und Frühsommers war einfach zu viel, nach einer Menge Arbeit stand am Ende deutlich weniger Ertrag als sonst. "Auch die Ernte bei Gerste und Spargel war unterdurchschnittlich", sagt Wappenschmidt. Beim Stangengemüse konnte das zwar durch die Erweiterung der Anbauflächen ausgeglichen werden. "Dafür war die Arbeit auf dem Feld regelmäßig eine Schlammschlacht." Insgesamt rechnet die Kreisbauernschaft mit einem eher unterdurchschnittlichen Jahr. Die bangen Blicke gehen jetzt nach vorne: Das Getreide steht kurz vor der Ernte reif auf den Feldern. "Wenn es jetzt noch zu Unwettern oder Hagelschauern kommt, wäre das besonders ärgerlich", sagt Wappenschmidt.

Normalerweise hat die Arbeit auf dem Acker mit der in den Cafés und Restaurants eher wenig gemeinsam. Die Stimmung ist in diesem Jahr aber durchaus vergleichbar. "Bis Anfang dieser Woche haben wir praktisch keinen Sommer gehabt", sagt Andreas Graf, Dehoga-Vorsitzender in Mönchengladbach. Dabei hätte mit der Europameisterschaft alles so schön werden können. "Dann hat es aber pünktlich zu jedem Deutschlandspiel geschüttet." Und selbst die Hitze der vergangenen Tage ist nicht unbedingt gewinnbringend für die Außengastronomie. "Bei den Temperaturen möchte man ja eher in den Keller als auf die Terrassen. Wenn, dann kommen die Gäste später am Abend. Aber zwischen 22 Uhr und Ladenschluss kann man den Umsatz nicht einfach so wettmachen", sagt Graf.

So kommt es, dass die Gastronomen in diesem Jahr nicht nur etwas mit den Landwirten, sondern auch mit Bäderleiter Heithausen gemein haben. Denn auch Andreas Graf will die Saison noch nicht abschreiben. "Wir ziehen im September die Bilanz. Mit ein bisschen Glück schaffen wir bis dahin noch die Trendwende."

Quelle: RP
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