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Mönchengladbach
Sozial-Holding macht Löhne öffentlich

Mönchengladbach: Sozial-Holding macht Löhne öffentlich
Barbara Steins, Bewohnerin Katharina Brabender und Birgit Neunzig (v. l.) vor dem Plakat FOTO: Sozial-Holding
Mönchengladbach. Wie viel verdient eine Pflegefachkraft? In den sieben städtischen Altenheimen kann das nun jeder nachlesen. Von Inge Schnettler

Eines Tages habe ihn der Sohn einer Bewohnerin des Eickener Altenheims angesprochen. "Er hat sich nicht beschwert, aber er wollte wissen, wofür er Monat für Monat so viel Geld an die Sozial-Holding zahle", sagt Helmut Wallrafen-Dreisow. Der Bitte nach Transparenz kam der Geschäftsführer der Holding umgehend nach: "Ein großer Teil der monatlichen Zahlungen fließt in das Tarifgehalt unserer Mitarbeiter. Warum soll ich das nicht öffentlich machen?" Gesagt, getan. Sieben Mitarbeiter aus den Bereichen Pflege und Verwaltung erklärten sich bereit, die Aktion zu unterstützen. Sie wurden fotografiert, neben jedes Konterfei wurden die Bezüge notiert - fertig. Die Plakate mit den freundlich lächelnden Angestellten hängen jetzt in allen sieben Altenheimen der Sozial-Holding.

Barbara Steins ist Pflegefachkraft im Altenheim Lürrip. Sie ist eine der sieben. Sie hatte keine Probleme damit, ihr Gehalt zu offenbaren. "Ich mache das ja auch stellvertretende für meine Kollegen." Brutto erhält sie 2456 Euro, die Pflege- und Schichtzulage beträgt 86 Euro, für Einsätze an Sonn- und Feiertagen erhält sie 65 Euro, für die Altersvorsorge 197 Euro. Unterm Strich stehen im Monat 2607 Euro brutto. Birgit Neunzig arbeitet Teilzeit in der Verwaltung. Ihr Bruttogehalt beträgt 2785 Euro, die Altersvorsorge von 216 Euro wird dem Bruttogehalt nicht hinzuzugerechnet. "Wir zahlen gut", sagt Wallrafen-Dreisow.

Neben der Transparenz, die die Sozial-Holding mit dieser Aktion schafft, ist es Helmut Wallrafen-Dreisow wichtig darzustellen, dass seine Leute nach dem kommunalen Tariflohn gerecht bezahlt werden. "Die Angehörigen sind sehr dankbar für die Pflege ihrer Familienmitglieder", sagt er. "Sie sollen aber auch sehen und wissen, dass die Pflegekräfte für ihre Arbeit anständig bezahlt werden." Wobei er nicht verheimlicht, dass die Löhne in diesem "Frauenberuf" insgesamt nicht zufriedenstellend sind. "Die Ausbildung zur Pflegekraft dauert genau so lange wie beispielsweise die zum Mechatroniker." Letzterer werde allerdings von vorneherein besser bezahlt, weil dieser Beruf hauptsächlich von Männern ausgeübt wird.

Katharina Brabender lebt seit 2011 im Rheindahlener Altenheim. Wie es ihr da geht? "Jut", sagt sie kurz und bündig. Ihrer Meinung nach jammern manche Bewohner zu viel. "Soll einer sagen, wir hätten es schlecht, dem haue ich auf die Tump", sagt die 75-Jährige. Tump? "Das ist die Nase - auf holländisch", erklärt sie. Den Umzug von ihrer letzten Wohnung ins Altenheim hat sie weitgehend mit ihrem Rollator gemacht. "Ich hatte keine Lust zu warten, bis jemand Zeit hat, mir zu helfen." Manchmal sei sie hinter den riesigen Bergen und Haufen aus Tüten und Kartons, die sie auf ihrer Gehhilfe gestapelt hatte, gar nicht mehr zu sehen gewesen, berichtet die Einrichtungsleiterin Maria Richartz.

Katharina Brabender findet die Plakataktion "jut". Barbara Steins hat unterschiedliche Reaktionen gehört. "Ich bin auch gefragt worden, warum ich meinen Verdienst so öffentlich mache", sagt sie. Aber sie steht dazu. "Es gibt außer uns niemanden, der so transparent arbeitet", sagt Wallrafen-Dreisow. "Alle reden immer nur darüber - sollen sie doch einfach mal handeln."

Quelle: RP
 
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