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Spätes Bekenntnis zu seiner Liebe Borussia

Mönchengladbach. Peter Telek war ein Vierteljahrhundert Spielerberater, -vermittler und Organisator für Bundesliga-Vereine. Der gebürtige Slowake ist seit seiner Flucht 1984 aus der Tschechoslowakei Mönchengladbacher. Heute darf der 69-jährige Ruheständler sagen, wer sein Lieblingsverein ist. Von O. E. Schütz

Das Lob kam von keinem Geringeren als Stefan Effenberg: "Das hast du gut gemacht." Peter Telek hatte etwas getan, das gar nicht seine Aufgabe war: den Schiedsrichter gegeben. Er hatte Mitte der 90er Jahre ein Winter-Trainingslager an der Algarve für Fortuna Düsseldorf organisiert, dabei ein Testspiel gegen Borussia Mönchengladbach vereinbart. Dann blieb der Schiri aus. Und Telek sprang ein. Und machte seine Sache gut, nicht nur für Effenberg. Das Spiel endete übrigens 2:2.

Warum er, inzwischen 69 Jahre alt, dies erzählt? "Um aufzuzeigen, wie sich die Zeiten und Umstände im Profifußball verändert haben. Heute gibt es hoch spezialisierte Firmen mit Zehn-Mann-Teams, die, unter anderem, ein Trainingslager organisieren und die Vereine betreuen. Damals, in den 90er Jahren, haben Leute wie ich dies als Ein-Mann-Betrieb gemacht - und es hat immer perfekt funktioniert, einschließlich eines solchen Schiedsrichter-Einsatzes. Und ich hatte viel zu tun, 2001 zum Beispiel im Winter zehn Mannschaften in Portugal. Und dann rief plötzlich Heribert Bruchhagen an und fragte, ob ich seine Bielefelder auf die Schnelle auch noch unterbringen könnte, inklusive drei Freundschaftsspielen. Sie hätten zu Hause 40 Zentimeter Schnee. Das hat auch noch geklappt."

Peter Telek, in Bratislava, heute nach der Teilung der ehemaligen Tschechoslowakei die Hauptstadt der Slowakei, geboren und aufgewachsen, hat keinen Schiedsrichter-Lehrgang besucht, keine Management-Ausbildung bekommen. Er war als Junge ein Vollblut-Straßenfußballer ("Nach den Schulstunden gab es nichts anderes für mich"), hat sechs Jahre bei Inter Bratislava in der Jugend und bei den Senioren in der Ersten Liga der Tschechoslowakei gespielt, hat Journalismus studiert und dann als diplomierter (Sport)-Journalist in seinem Heimatland gearbeitet, Schwerpunkte Fußball und Eishockey. Und er hat dabei schon ein bisschen in das hineingeschnuppert, was nach der Flucht 1984 in die Bundesrepublik sein Beruf werden sollte: Spielerberater, Organisator und auch schon mal Kontakter zu Sponsoren für Profivereine, in erster Linie im Fußball, dazu ein wenig im Eishockey.

Der heute 69-Jährige, seit 2011 offiziell Ruheständler, war einer der allerersten Männer in Fußball-Deutschland, die 1995 die brandneue Lizenz als FIFA- Spielerberater oder Spieleragent nach dem Reglement des Weltfußballverbandes FIFA erwarben - zusammen mit einem weiteren Mönchengladbacher, dem 2011 verstorbenen Norbert Pflippen. Peter Telek hatte nicht die prominenten Klienten wie Pflippen mit seinen Stars wie Berti Vogts, Lothar Matthäus, Oliver Kahn oder Matthias Sammer. Unter Teleks Kunden war Uli Borowka einer der prominentesten - "und 1987 der erste deutsche Abwehrspieler, der für mehr als eine Million D-Mark Ablöse innerhalb der Bundesliga wechselte", sagt Peter Telek. 1,6 Millionen Mark waren es, die Borussia Mönchengladbach damals von Werder Bremen für Borowka bekam, der dann an der Weser zum Nationalspieler wurde. "Heute würde ein solcher Abwehrspieler mindestens 30 Millionen Euro kosten, da sieht man, wie sich alles geändert hat."

"Geld sollte nicht das Wichtigste sein. Wir halten es für mindestens genauso wichtig, den Spielern bei der Auswahl des richtigen Vereins und des richtigen Trainers zu richtigen Zeit zur Seite zu stehen", hat Telek die Leitlinie seiner 1985 gegründeten Agentur "Tel-Sport International" beschrieben, die Klienten aus halb Europa und bis aus Südamerika und Afrika hatte. Heute sagt er: "Ich bin immer noch stolz darauf, dass ich ein Jahr den jungen Jörg Schmadtke, damals Torhüter bei Fortuna Düsseldorf, heute Sportdirektor beim 1. FC Köln, betreut habe, der nicht so einfach war. Ich habe immer versucht, eine freundschaftliche und vertrauensvolle Basis zu meinen Spielern zu haben. Das hat geklappt. Denn keiner ist vorzeitig gegangen." Namen, die Fußballfreunden am Niederrhein noch etwas sagen, auch wenn es nicht die Stars wie bei Norbert Pflippen waren. Telek betreute zum Beispiel die Borussen Uwe Kamps, Schorsch Dreßen, Kjetil Rekdal und Johnny Mölby, oder Frank Ordenewitz (Bremen, Köln, Hamburg) und den russischen Nationalspieler Igor Dobrowolski. Und natürlich die halbe Nationalmannschaft der Slowakei, unter anderem Igor Demo und Lubo Moravcik.

Wäre es nach dem Wunsch des Vaters, eines Rechtsanwalts in Bratislava gegangen, Peter Telek wäre Arzt geworden. "Ich habe auch noch drei Semester Medizin studiert, dann aber gemerkt, dass dies nicht der richtige Beruf für mich war - schon deshalb, weil ich kein Blut sehen kann", erzählt er. Also blieb er beim Sport-Journalismus, nachdem seine Fußballer-Karriere mit 23 Jahren abrupt beendet wurde: Bei einem Spiel mit Bratislava in Krakau zerstörte der Tritt eines Gegners sein Knie. "Die Ärzte wollten operieren, aber ich hatte Angst davor. Richtig Fußball spielen wollte ich nicht mehr. Aber zum Glück komme ich bis heute mit meinem nicht operierten Knie für das normale Leben sehr gut klar, habe keine Schmerzen."

Seit fünf Jahren ist er Ruheständler. "Doch gefühlsmäßig habe ich kaum mehr Zeit als früher. Damals war meine Woche mit Terminen durchgeplant. Heute habe ich meine Agentur nicht mehr. Doch ich sehe mir noch viele Spiele an, reise dazu auch oft. Und wenn einer meiner alten Freunde mich um Rat oder Hilfe bittet, sage ich nicht nein." Der eine oder andere Nebenverdienst also? "Auch wenn man dies nicht glauben mag: Ich nehme kein Geld mehr für meinen Einsatz, tue es als Hobby und alter Freundschaft."

Jetzt, als Mann ohne Agentur, antwortet er dann auch offen auf die Frage, die er früher immer zurückwies: Wer ist sein Lieblingsverein? "Früher musste ich bei meinem Beruf immer neutral sein, nun kann ich es sagen: Mein Lieblingsverein ist Borussia. Und ich bin stolz auf das, was die Vereinsführung aus diesem einst halb provinziellen Verein gemacht hat. Hut ab!"

Quelle: RP
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