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Mönchengladbach
SPD-Basis sieht die Groko skeptisch

Mönchengladbach: SPD-Basis sieht die Groko skeptisch
FOTO: Koppelmann, Stefan
Mönchengladbach. Die SPD-Mönchengladbach lud ihre Mitglieder ins Gymnasium an der Gartenstraße ein. Thema waren die Koalitionsverhandlungen. Das Gros der Anwesenden äußerte sich kritisch über eine große Koalition.

VON ANGELA WILMS-ADRIANS

Felix Heinrichs zeigte sich entspannt und unaufgeregt. "Ich halte mich zurück. Wer mich fragt, bekommt eine Antwort. Doch ich habe bewusst nicht gepostet, wie ich abgestimmt habe. Da will ich keinen an die Hand nehmen. Jeder soll selbst entscheiden, und dabei sollte es egal sein, aus wie vielen Gründen heraus er oder sie seine Stimme gibt", sagte der junge Sozialdemokrat mit Blick auf das Mitgliedervotum zur großen Koalition von CDU und SPD. Zum dritten Mal seit November bot die SPD-Mönchengladbach ein Forum für Information und Diskussion. Im Gymnasium an der Gartenstraße sprach Heinrichs über Investitionen in Bildung, Kommunen und Wohnen. Er wolle das Thema neutral moderieren, so der Jungpolitiker im Vorfeld der nicht öffentlichen Gruppenarbeit. Mehr als zehn Prozent der Mitglieder haben seiner Einschätzung nach die beiden ersten Veranstaltungen genutzt, um nicht den üblichen "Sermon" zu erleben, sondern bewusst eigene Argumente einzubringen. Schon allein diese Tatsache ist in Heinrichs Augen ein großer Gewinn. "Das ist auch ein Stück politischer Bildung, die in allen Parteien verloren gegangen ist", zeigte er sich überzeugt. Seiner Meinung deckt die SPD-Mönchengladbach die gesamte Bandbreite zwischen Ja und Nein zur Groko ab. Da keine Probeabstimmung stattfand, ist rein rechnerisch noch alles offen. Doch persönliche Statements vor Beginn der Veranstaltung tendierten gegen eine große Koalition.

Herbert Heldmann FOTO: Angela Wilms-Adrians

"Im Grunde habe ich mich schon entschieden, aber vielleicht könnte mich die Diskussion doch noch zu einem anderen Entschluss führen", sagte Herbert Heldmann. Der 73-Jährige ist seit 1989 SPD-Mitglied. Vor Beginn der Veranstaltung tendierte er zum Nein, da seiner Meinung nach ein großer Stillstand herrscht, für den er unter Merkel keine Veränderung sieht. Das Treffen im Gymnasium lobte er als gutes Beispiel für offene Demokratie. "Hier bekommt man nicht nur das zu sehen und zu hören, was von oben diktiert wird", befand Heldmann.

Gisela Nießen zeigte sich überzeugt, sich nicht mehr umstimmen zu lassen im Nein zur Groko. "Beim letzten Treffen war der Großteil gegen eine große Koalition. Ich bin gespannt, ob sich da prozentual etwas verschoben hat", sagte die 67-Jährige, seit zweieinhalb Jahren SPD-Mitglied. Die Rentnerin macht sich Sorgen um die Renten für die ihr nachfolgende Generation. Was dazu im Koalitionsvertrag vereinbart wurde, ist ihr zu wenig. Ebenso ist sie der Meinung, dass die Steuergesetze grundsätzlich überarbeitet werden müssten. Ihr wäre es lieber, wenn die SPD in die Opposition ginge, um mit gut überlegten Vorhaben "wie Phoenix aus der Asche zu steigen". "Das klingt sicher utopisch, aber wir leben ja auch von Utopie", sagte sie mit einem Lächeln.

Silvana Adams Silvana Adams FOTO: anw (3), dpa

Der 26-jährige Jan Alexander Schmitz ist Anfang des Jahres in die SPD eingetreten, um ein Nein zu bekunden. Ihm scheint es kaum vermittelbar, dass bei einer großen Koalition die AfD die größte Oppositionspartei bilden würde. Auch er will, dass die SPD sich erst einmal erneuert und mit neuem Grundsatzprogramm neue Kraft schöpft.

"Die ausgehandelten Punkte sagen mir nicht zu", stellte Silvana Adams fest. Sie fühlte sich bereits gut informiert und war gekommen, um sich mit anderen auszutauschen. Die 28-Jährige ist der Überzeugung, die SPD könnte in der gegenwärtigen Situation ihre Position besser aus der Opposition vertreten. Ihr liegen die sozialen Themen besonders am Herzen.

Quelle: RP
 
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