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Tim Sandkaulen Und Timm Weingartz
"Bei den Herren geht es einfach viel mehr ab"

Tim Sandkaulen Und Timm Weingartz: "Bei den Herren geht es einfach viel mehr ab"
Tennis-Talent: Tim Sandkaulen (17) kam im vergangenen Sommer beim GHTC zu seinen ersten Einsätzen in der Ersten Bundesliga. FOTO: Henrik Schmidt
Mönchengladbach. Der Tennisspieler (17) und der Hockeyspieler (18) sprechen über den Sprung in den Bundesliga-Kader beim GHTC und ihre Zukunftspläne.

Sie sind beide Jahrgang 1997, spielen seit 2012 für den Gladbacher HTC und stehen seit 2014 im Herren-Kader. Was bedeutet es Ihnen, in einem Traditionsverein nun Bundesliga zu spielen?

Weingartz Als ich 2012 zum Gladbacher HTC zurückgekommen bin und schon mit der Ersten Mannschaft trainieren durfte, stand noch ein ganz anderes Team auf dem Platz. Und auch als viele Leistungsträger gegangen sind und es nicht mehr so lief, war es noch eine Ehre für mich, in dieser Mannschaft aufzulaufen. Leider sind wir dann bitter abgestiegen. Anfangs war ich auch mit der Ersten Liga total überfordert, zumal ich kurz vorher noch verletzt war. Als 16-Jähriger bei den ganz Großen mitzuspielen, ist schon nicht ganz ohne, denn technisch ist man vielleicht schon gut ausgebildet, doch die Körperlichkeit ist in der Bundesliga eine ganz andere. Es war schon ein immenser Sprung, plötzlich Olympiasieger oder Welthockeyspieler vor sich stehen zu haben. Es macht aber auch tierisch Spaß, egal ob in der Ersten oder in der Zweiten Bundesliga. Da geht es viel mehr ab. SANDKAULEN Genau so ist es bei mir auch. In New York habe ich mein letztes Junioren-Turnier gespielt. Da merkt man schon, dass es jetzt alles ein bisschen ernster wird. Ich glaube gar nicht, dass im Herren-Bereich alle spielerisch so viel besser sind, aber sie sind eben alle schon viel stärker und größer. Da muss man direkt jede Chance nutzen. Doch vielleicht ist es auch ganz gut, wenn man zu Beginn auch mal hinfällt. Da merkt man, dass man noch nichts erreicht hat. Bei den Junioren war alles gut und schön, doch jetzt geht es bei mir wieder bei null los.

Im Tennis ist die Klub-Saison immer recht kurz, im Fokus stehen überwiegend die internationalen Turniere. Wie fällt diesbezüglich Ihr Fazit aus?

Sandkaulen Meine spielerischen Leistungen im Einzel waren eher durchwachsen, dafür habe ich im Doppel viele Erfolge gefeiert. Und durch meine Teilnahme an den Junioren-Wettbewerben der Grand-Slam-Turniere habe ich unheimlich viele Eindrücke gesammelt, die mir keiner mehr nehmen kann. Ich war 2015 zudem mehr unterwegs als zuhause. Das hat mich sicherlich persönlich auch noch mal weitergebracht. Ich bin wirklich froh über meine Entscheidung, zunächst die Junioren-Turniere zu spielen und dann in den Erwachsenen-Bereich zu wechseln. Es war ein cooles Jahr.

Herr Weingartz, Ihr internationales Jahr als Junioren-Auswahlspieler verlief nicht so glücklich.

Weingartz Nein, obwohl dieses Jahr für mich eigentlich gut losgegangen ist. Wir hatten erfolgreiche Testspiele mit der U18 an Ostern, doch kurz danach habe ich mir einen Muskelfaserriss zugezogen, der mich ordentlich aus der Bahn geworfen hat. Die Vorbereitungslehrgänge auf die U18-EM im Juni in Santander konnte ich alle nicht mitmachen. Wir haben alles versucht, mich fit zu machen, doch der Heilungsprozess hat sich leider hingezogen. So war es schon bitter, zusehen zu müssen, zumal die Jungs mit einem 7:1 im Finale gegen die Niederlande Europameister geworden sind.

Ist die Nationalmannschaft auf lange Sicht das logische Ziel eines Junioren-Auswahlspielers?

Weingartz In den U16-Kader des DHB kommt man schon als 14-Jähriger rein. Und als 14-Jähriger ist man noch unglaublich weit von der Herren-Nationalmannschaft entfernt. Entsprechend macht man sich in dem Alter noch keine konkreten Gedanken dazu. Es geht vielmehr Schritt für Schritt eine Altersklasse weiter. Zudem ist es harte Arbeit. Man muss bedenken, dass Hockeyspieler nicht von ihrem Sport leben können, auch wenn sie Weltklasse-Niveau erreichen. Die Allerbesten können vielleicht die Zeit während ihrer Laufbahn finanziell überbrücken, doch danach wird es schwierig. Deswegen muss man gewappnet sein und sich parallel um einen guten Abschluss bemühen. Ich muss Schritt für Schritt entscheiden, wie viel Aufwand es mir wert ist, um die nötige Leistung auf den Platz zu bringen. Das Talent hat bei der U16 schon jeder, doch für den A-Kader entscheidet dann die Arbeit, die man investiert, ob es Richtung Weltklasse oder doch nur Regionalliga geht.

Die großen Ziele eines Tennisspielers sind dagegen die Etablierung auf der ATP-Tour und die Grand-Slam-Turniere.

Sandkaulen Klar denke ich auch schon daran, aber wie in jeder Sportart ist es auch bei mir ein weiter Weg. Mein Fokus liegt jetzt erst einmal auf dem Abi. Vielleicht gehe ich danach aufs College, denn in Amerika wird der Sport noch wesentlich stärker gefördert als hier in Deutschland. Viele Spieler machen das mittlerweile. Und man muss sehen, dass das Durchschnittsalter unter den Top 100 der Welt etwa 27 beträgt. Wenn ich mit 22 mein Studium fertig habe, kann ich immer noch den Fokus auf die Tennis-Karriere legen. Das College ist wirklich eine gute Alternative. Aber ich mache es auch ein wenig davon abhängig, wie es sportlich im kommenden Jahr läuft, wie ich da spiele, ob ich mich dafür bereit fühle oder nicht. Das ist schließlich eine weitreichende Entscheidung.

Wie viel Zeit investieren Sie pro Woche in den Traum vom Profi-Tennis?

Sandkaulen An einem normalen Trainingstag sind es zwei Tennis- und eine Fitnesseinheit von insgesamt sechs Stunden, dazu kommt die Physiotherapie. Zudem haben wir noch vom Bundestrainer festgelegte Lernzeiten. Tage ohne Tennis sind zwar selten, aber die gibt es auch. Zur Regeneration sind ein, zwei freie Tage auch mal wichtig, um ab und an etwas anderes zu sehen als den Tennisball.

Wie sieht das beim Mannschaftssportler aus, der zudem Auswahlspieler ist?

Weingartz Die Eigenverantwortlichkeit spielt schon sehr früh eine große Rolle. Im Verein trainieren wir dreimal die Woche. Dann gibt es ein bis zwei Spiele am Wochenende und montags eine regenerative Laufeinheit. Dazu kommen noch sieben bis zehn Einheiten, die man als Auswahlspieler in der Woche zusätzlich absolvieren sollte. Das war aber für mich während der Schule relativ schwierig zu schaffen. Ich bin meistens auf sieben sportliche Aktivitäten gekommen, viermal Hockey, zweimal Lauf- und einmal Krafttraining. Doch es erfordert sehr viel Disziplin, da man diese Einheiten ohne die Mannschaftskollegen absolviert und viel alleine machen muss.

Sehen Sie sich im Nachteil, da Sie von Grund auf keine Chance auf ein gutes Einkommen mit Ihrem Sport haben und Sie sich parallel auch um die berufliche Laufbahn kümmern müssen?

Weingartz Wenn ich es mit den Summen im Fußball vergleiche, ist es schon komisch. Zwar ist der Aufwand eines Fußballers nochmals größer, doch eine größere Einkommensschere kann es ja gar nicht geben. Aber ehrlich gesagt fühle ich mich da überhaupt nicht benachteiligt, sondern ich finde es eigentlich ganz gut so. In meiner Familie wurde schon immer Hockey gespielt. Und ich habe schon als Kind verstanden, dass die Leute in diesem Sport nicht abgehoben sind. Zudem stehen Hockeyspieler nicht so in der Öffentlichkeit. Wenn ich bedenke, was die Fußballer oder auch die Tennisstars alles über sich ergehen lassen müssen: Jede Kleinigkeit steht da gleich in der Presse. Da sind wir Hockeyspieler im Vorteil. Durch die geringere Aufmerksamkeit ist zwar auch nicht das Geld da, aber damit hat man sich abzufinden. Mir macht meine Sportart Spaß, das ist die Hauptsache. Beim Hockey braucht niemand großartig mit Geld oder dem dicken Auto zu prahlen, da geht es vielmehr darum, wie gut man die Kugel trifft. Und deswegen finde ich das vollkommen in Ordnung.

Quelle: RP
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