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Norbert Weyers
"Dann fangen wir wieder ganz unten an"

Norbert Weyers: "Dann fangen wir wieder ganz unten an"
"Tischtennis ist keine Schulsportart. Das führt dazu, dass viele Kinder gar nicht erst mit dem Sport in Berührung kommen", sagt Norbert Weyers (kleines Foto). Da gilt es für die Vereine, zwecks Nachwuchsgewinnung kreativ zu werden. FOTO: picture alliance, api (Archiv)
Mönchengladbach. Der Geschäftsführer von Regionalliga-Absteiger DJK Rheydt spricht über düstere Zukunftsszenarien der Frauen-Mannschaft und generelle Probleme im Tischtennis, ausreichend Nachwuchs für den Sport zu begeistern.

TISCHTENNIS Die DJK Rheydt muss nach einjähriger Zugehörigkeit zur Frauen-Regionalliga wieder absteigen. Jahrzehntelang hatten die Frauen der DJK quasi zum Inventar der zweit- oder dritthöchsten Liga in Deutschland gehört und waren so etwas wie das Aushängeschild im Mönchengladbacher Tischtennis. Und dieses Aushängeschild wird demnächst also nur noch in der fünftklassigen Oberliga vertreten sein. Über den Stand der Planungen bei der DJK, aber auch über die generellen Zukunftsaussichten der hiesigen Vereine sprach RP-Mitarbeiter André Piel mit Norbert Weyers. Der 55-Jährige ist Rheydts Geschäftsführer und zudem im Hauptberuf beim Westdeutschen Tischtennis-Verband (WTTV) für das Ressort Vereinsentwicklung und Breitensport verantwortlich.

Herr Weyers, der Abstieg der DJK Rheydt steht bereits seit Anfang März fest. Wie geht es nun mit dem Kader weiter?

Weyers Eine Spielerin hat uns Ende Februar signalisiert, dass sie den Verein verlassen wird. Seit dem haben wir begonnen, Gespräche zu führen.

Sind diese Gespräche positiv verlaufen?

Weyers Nein, alle in dieser Saison eingesetzten Spielerinnen haben uns inzwischen mitgeteilt, in der kommenden Saison für einen anderen Verein zu spielen.

Eine ganze Mannschaft zu ersetzen, dürfte nicht leicht sein.

Weyers Stimmt, wir haben aktuell keine Spielerin in den eigenen Reihen, die in der Oberliga mithalten kann. Unsere zweite Mannschaft spielt in der untersten Spielklasse. Deshalb schauen wir uns in der Region nach neuen Spielerinnen um. Das ist aber nicht einfach, weil es in der Nähe nicht viele Spielerinnen gibt, die in Frage kommen. Wichtig ist für uns daher eher die Bereitschaft, leistungsmäßig zu trainieren und sich verbessern zu wollen - da ist die Spielstärke zunächst einmal zweitrangig. Einen weiteren Abstieg würden wir auch in Kauf nehmen.

Und wenn das alles am Ende nicht klappt?

Weyers Wenn wir nicht vier neue Spielerinnen finden, werden wir das Team zurückziehen müssen und wieder ganz unten anfangen.

Woran liegt es, dass die DJK so wenig eigenen Nachwuchs hat?

Weyers Die Zeiten, in denen wir mit unserer zweiten Mannschaft in der Oberliga gespielt haben, sind lange vorbei. Neben vielen anderen von uns kaum beeinflussbaren Gründen haben wir sicherlich auch Fehler gemacht. Beispielsweise haben wir so versäumt, für den Nachwuchs ein leistungsorientiertes Training zu etablieren.

Mit dem Problem stehen Sie nicht alleine. Fast alle Gladbacher Vereine haben mehr oder weniger größere Nachwuchssorgen. Was läuft generell falsch?

Weyers Sicherlich hängt vieles mit Frustration und fehlenden Mitarbeitern zusammen. Aber es gibt auch zahlreiche externe Faktoren, die unsere Sportart härter treffen als andere. Tischtennis ist keine Schulsportart. Das führt dazu, dass viele Kinder gar nicht erst mit dem Sport in Berührung kommen. Neben dem demografischen Faktor kommt auch ein verändertes Freizeitverhalten hinzu. Darauf finden die Vereine zu selten eine Antwort.

Was könnten Vereine überhaupt machen, um dem entgegenzusteuern?

Weyers Im Nachwuchsbereich gibt es zahlreiche Aktionen, mit denen Nachwuchs geworben werden kann. Ein Schlüssel liegt in der Zusammenarbeit mit Schulen, sei es die Etablierung von Projekten oder Werbeaktionen wie dem Milch-Cup oder den Mini-Meisterschaften.

Sie beschäftigen sich tagtäglich mit den Zukunftsaussichten der Vereine. Was gibt es für Möglichkeiten?

Weyers Der WTTV unterstützt die Vereine beim Aufbau der Jugendarbeit. Wir helfen bei der Mitgliederwerbung und beim Aufbau von Trainingsstrukturen. Die Vereine dürfen sich aber nicht nur auf den Nachwuchs beschränken. Zu den Zielgruppen gehören auch Senioren und der große Bereich Gesundheitssport. Desweiteren unterstützen wir die Vereine in Fragen der Mitarbeitergewinnung. Wir bieten auch Vereinsberatungen an. Leider hat zuletzt kein Verein aus dem Kreis Mönchengladbach diese Angebote angenommen.

Was muss ein Verein denn einbringen, damit Projekte erfolgreich umgesetzt werden können?

Weyers In erster Linie den Willen, etwas zu verändern und die Bereitschaft, auch einmal Geld in die Hand zu nehmen. Letztlich geben wir Hilfe zur Selbsthilfe.

Gibt es ein Form von finanzieller Unterstützung?

Weyers Nein, unsere Unterstützung ist ideeller Natur. Ich sehe da eher Möglichkeiten bei den Tischtennis-Kreisen, hier zu helfen. Meines Wissens wird dies auch in Mönchengladbach bei aussichtsreichen Projekten gemacht. Und natürlich müssen die Vereine auch ihre Finanzpolitik überdenken. Beitragserhöhungen sind manchmal notwendig, denn Dienstleistungen wollen auch finanziert werden.

Quelle: RP
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