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Lokalsport
Das Rezept für Borussias Heimstärke

Mönchengladbach. "Mut", "Entschlossenheit", "Konsequenz im Abschluss" - für Trainer André Schubert sind das die Gründe, warum es zu Hause so gut läuft. Gleichzeitig benennt er damit die Probleme, die für Borussias Auswärtsschwäche sorgen. Von Jannik Sorgatz

Man könnte einen Borussia-Fan auf der Hindenburgstraße in Mönchengladbach antippen und ihn nach der Heim- und Auswärtsbilanz des VfL fragen, er hätte sie vermutlich sofort parat. So enorm ist die Diskrepanz, dass sie hängenbleibt.

Am 31. Oktober 2015 gab es den bislang letzten "richtigen" Auswärtssieg bei Hertha BSC. Das 2:0 beim SV Darmstadt am letzten Spieltag der vergangenen Saison mit einem Sternchen zu versehen, ist zugleich manipulativ und legitim. Fest steht, dass Borussia am Böllenfalltor all das gezeigt hat, was sie davor und danach auch im eigenen Stadion auszeichnete: 1:0 nach 30 Minuten, 87,3 Prozent Passquote, 72,7 Prozent im Angriffsdrittel, 70 Prozent Ballbesitz, 22 Torschüsse, nur neun des Gegners, 55 Prozent gewonnene Zweikämpfe. Wenn Borussia diese Werte zu Hause erreicht, gibt sie niemals Punkte ab.

"Dominanz", "Mut" und "Entschlossenheit" sind Attribute, die André Schubert benutzt, wenn er über die Heimstärke spricht. Zehn Bundesligasiege in Folge sind die drittlängste Serie der Vereinsgeschichte. Mit einem Sieg gegen den Hamburger SV heute und gegen Eintracht Frankfurt am 28. Oktober könnte Gladbach den Rekord aus der Saison 1983/84 einstellen.

Es gibt ein paar Kriterien, die Borussia scheinbar unschlagbar machen, wenn sie erfüllt werden. Geht sie in Führung, gewinnt sie immer. Nur gelingt ihr das zu Hause doppelt so oft wie auswärts. Zwei von drei Rückständen im eigenen Stadion hat das Schubert-Team im vergangenen Jahr gedreht. Auswärts gab es in sieben von neun Fällen eine Niederlage, wenn der Gegner zuerst traf.

Schubert betont, dass seiner Mannschaft auswärts häufig die "Konsequenz im letzten Drittel" abgehe. Auf fremdem Platz spielt sie sogar mehr Pässe in diese Zone als zu Hause. Dort kommt Borussia aber auf 14,7 Torschüsse im Schnitt, auswärts nur auf 11,4. Etwas deutlicher sieht es bei der Präsenz im Strafraum aus. Zuhause kommen 16 Prozent mehr Abspiele in diese Zone. Dazwischen liegen trotzdem keine Welten.

In diesem Jahr hat Gladbach einige herausragende Heimspiele abgeliefert. Die ersten 45 Minuten beim 4:1 gegen Werder Bremen vor vier Wochen waren beinahe makellos. Beim 3:0 gegen Eintracht Frankfurt im März stimmte zudem die Defensivarbeit über die gesamte Spieldauer. Auf dem (im Fußball manchmal unbarmherzig wertlosen) Papier sind die Voraussetzungen vor dem Spiel gegen den HSV ähnlich. Doch der Tag wird kommen, an dem Borussia zu Hause nicht mehr scheinbar alles gelingt. Andersherum wartet sie auswärts auf einen Tag, an dem es mal so läuft: In der vergangenen Rückrunde hätte es verdiente Siege in Mainz, Wolfsburg und auf Schalke geben müssen, stattdessen gab es drei Niederlagen. Unterm Strich haben die Ergebnisse des vergangenen Jahres die Leistungen weitgehend widergespiegelt. Manchmal - wie beim 5:0 gegen Hertha und beim 0:4 gegen Schalke - war lediglich der Ketchup-Effekt brutal.

"Wir sind mit unserem jungen Team noch nicht so cool und abgezockt, dass wir es auswärts so runterspielen wie zu Hause", sagte Schubert im Interview mit unserer Redaktion. Die Datenanalyse stößt an ihre Grenzen, wenn es um den mentalen Bereich geht. Da ist es vor den eigenen Fans scheinbar egal, wenn der Gegner öfter aufs Tor schießt oder länger den Ball hat. "Nach jeder Auswärts-Niederlage haben wir wieder den Druck, zuhause unbedingt gewinnen zu müssen", sagt Kapitän Lars Stindl. Bislang konnte Borussia diesen Faktor ausblenden.

Quelle: RP
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