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Lokalsport
Die Vergangenheit holt RSV-Trainer René Schnitzler wieder ein

Fussball. Am Dienstag beginnt für den Trainer des Rheydter SV in Bochum der Prozess, den ihm seine Spielsucht eingebrockt hat. Er sei inzwischen "ein trockener Zocker", sagt Schnitzler. Von Kurt Theuerzeit

Die Spielleidenschaft hatte René Schnitzler schon von Kindesbeinen an gepackt. Er bewies früh, dass er mit seinen Beinen, seinen Füßen und einer angeborenen Leichtigkeit den Fußball nicht nur behandeln gut konnte, ihn zeichnete auch eine außergewöhnliche Treffsicherheit aus.

Doch die Spielleidenschaft bezog sich irgendwann nicht mehr nur auf den Fußball, sondern zog ihn auch in den Spielbereich hinein, in dem nicht der Ball, sondern das Geld über Glück oder Unglück entscheidet.

"Da war ich 18 Jahre alt, als ich merkte, dass ich durch das Zocken angezogen wurde. Mich lockte niemals das Geld, der Gewinn oder der Verlust, sondern es war einfach der Nervenkitzel, der aus meiner Spielleidenschaft eine Suchte machte", sagte René Schnitzler, nachdem er gerade seine langjährige Sperre verbüßt hatte und einen sportlichen Neubeginn beim Bezirksligisten Rheydter SV begonnen hatte.

Dabei sah seine Zukunft 2004 sportlich recht rosig aus. Immerhin spielte er in Borussias Zweitvertretung, machte als Torjäger auf sich aufmerksam und stieg mit den Gladbachern in die Regionalliga auf. 2007 schien es mit seiner Karriere noch weiter bergauf zu gehen. Er erhielt einen Vertrag beim Zweitligisten St. Pauli. Allerdings erwies sich Hamburg bald als der wohl ungeeignetste Ort, um seine Spielsucht in den Griff zu bekommen.

33 Einsätze verbuchte er in der Zweiten Liga, aber wesentlich mehr im Rotlichtmilieu, in Spielsalons. Geld spielte bei einem Monatseinkommen von 15 000 bis 20 000 Euro kaum eine Rolle. Allerdings waren die "Gewinne" nicht einmal überschaubar. Da war das Angebot eines Holländers vielleicht eine willkommene Gelegenheit, die Kasse aufzubessern. Insgesamt erhielt er vom sogenannten Wettpaten 100 000 Euro und sollte dafür fünf Spiele mit Beteiligung des FC St. Pauli beeinflussen. "Ich bin aber nur bei fünf Spielen zweimal mit insgesamt 105 Minuten zum Einsatz gekommen. Auch vom Sportgericht wurde keine Manipulation meinerseits festgestellt. Bestraft wurde ich mit zwei Jahren und neun Monaten wegen Unsportlichkeit", sagte Schnitzler.

Das ist nun schon acht Jahre her. René Schnitzler hat damals mit seiner Aussage dazu beigetragen, dass man der Wettmafia überhaupt auf die Spur kommen konnte. Inzwischen versucht er mit dem Fußball sein Leben neu zu ordnen. Beim Rheydter SV ist er nicht nur Spieler, sondern trainiert das Bezirksliga-Team, kümmert sich um die Reserve und die Jugend. "Ich möchte den Traditionsklub durch meine Arbeit wieder nach vorne bringen", sagt er.

Allerdings holen ihn nun die Sünden der Vergangenheit noch einmal ein. Am nächsten Dienstag wird der Prozess gegen ihn vor dem Landgericht Bochum eröffnet. Vorgeworfen wird ihm Beihilfe zum gewerbsmäßigen Betrug, Unterstützung einer kriminellen Vereinigung und Steuerhinterziehung. Der holländische Wettpate Paul Rooij befindet sich nach seiner Auslieferung inzwischen in der JVA Bochum. Bisher bestreitet er die Anstiftung zum Betrug. Schnitzlers Aussage wird wahrscheinlich eine große Bedeutung zukommen. Er hofft, dass er seinen neuen Lebensweg bald sorglos weiterführen kann: "Ich bin inzwischen ein trockener Zocker und hoffe, dass mein Verfahren gerecht ausgeht."

Quelle: RP
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