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Lokalsport
Ein Unterschied bei ähnlichen Sportarten

Lokalsport: Ein Unterschied bei ähnlichen Sportarten
Hockey-Olympiasieger Michael Hilgers hatte einige Thesen für Fußballkreis-Vorsitzenden René Donné parat. RP-Sportredakteur Karsten Kellermann (von links) moderierte. FOTO: Thomas Grulke
Fussball/Hockey. Kann der Fußball vom Hockey lernen? Ex-Olympiasieger Michael Hilgers und Kreisvorsitzender Donné diskutierten. Von Thomas Grulke

Michael Hilgers übernahm ganz eindeutig die Rolle des Einzelkämpfers. Der Hockey-Olympiasieger von 1992 gegen die Vereinigung der Fußball-Schiedsrichter des Kreises Mönchengladbach/Viersen. Deren Vorsitzender René Donné hatte für die regelmäßige Schulungsveranstaltung ausnahmsweise einen etwas anderen Ansatz gewählt. Die Schiedsrichter waren zu Gast im Hockeypark, wo sie jene Thesen zu hören bekamen, die Hilgers schon im großen Samstags-Interview mit der Rheinischen Post aufgestellt hatte. Ob es um das Abschaffen der Abseitsregel oder um Regeländerungen hin zum Videobeweis, zur Netto-Spielzeit oder zum Interchanging, dem "fliegenden Wechsel" der Spieler während der Partie, ging, Hilgers bekräftigte in der Talkrunde mit RP-Sportredakteur Karsten Kellermann nochmals, dass seiner Ansicht nach solche Veränderungen die Fairness und die Attraktivität im Fußball steigern würden.

"Es sind natürlich provokante Thesen, die Michael Hilgers aufstellt, doch das brauchen wir für eine rege Diskussion", sagte Donné. "Wir dürfen nicht so verbohrt sein und müssen auch mal schauen, was Andere vielleicht besser machen. Und die Sportart Hockey bietet sich da an, weil sie gewisse Gemeinsamkeiten mit dem Fußball hat, was die Anzahl der Spieler und taktische Systeme angeht." Im ehemaligen Hockey-Nationalspieler hatte er dazu einen höchst kompetenten Referenten gefunden. Hilgers hat als Aktiver miterlebt, wie in seinem Sport die Abseitsregel abgeschafft und immer wieder das Regelwerk geändert wurde, um Hockey für die Zuschauer attraktiver zu machen. "Da waren auch Regeln dabei, die großer Unsinn waren und schnell wieder abgeschafft wurden. Doch insgesamt ist Hockey durch die Veränderungen unglaublich dynamisch geworden", sagte Hilgers.

Ein Großteil der Schiedsrichter im VIP-Zelt des Hockeyparks war jedoch skeptisch, ob sich diese Regeländerungen auf den Fußball übertragen lassen. Hilgers' Idee, das Abseits und damit auch die Assistenten an der Linie abzuschaffen und stattdessen zwei gleichberechtigte Schiedsrichter auf dem Platz zu haben, konterte ein junger Unparteiischer: "Ich stelle es mir da sehr schwer vor, mit meinem Kollegen einen einheitliche Linie zu finden, wie die Partie geleitet werden soll." Auch dem Videobeweis, den es in vielen anderen Sportarten bereits gibt, stehen die Schiedsrichter noch skeptisch gegenüber. "Wenn auf der Videoleinwand im Stadion mehrmals zu sehen ist, dass ich falsch gelegen habe, leidet meine Autorität enorm", lautete ein Einwand.

Hilgers konnte viele Bedenken zwar nachvollziehen, in einem Punkt wurde er indes deutlich: "Für mich ist die Tatsachenentscheidung eine Legitimation zur Willkür. Ich vertrete hier die Sichtweise des Sportlers, und als Sportler möchte ich meine Leistung fair bewertet haben. Zudem lügt man sich in die Tasche, wenn man sagt, dass sich im Fußball alles ausgleiche. Eine verpasste WM aufgrund einer Fehlentscheidung gleicht sich niemals aus." Es sei sehr interessant gewesen zu erfahren, welche Fragestellungen der Schiedsrichter sich durch die Thesen ergeben haben, resümierte Hilgers. "Doch letztlich gibt es einen großen Unterschied: Im Hockey müssen wir immer schauen, was wir verändern können, um unseren Sport attraktiver zu machen. Der Fußball aber hat alles, was er braucht: Er hat Geld, er hat Zuschauer, es läuft alles bestens. Er muss nichts ändern."

Quelle: RP
 
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