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René Krienen
"Jetzt sind wir nicht mehr Underdog, sondern Favorit"

René Krienen: "Jetzt sind wir nicht mehr Underdog, sondern Favorit"
René Krienen ist mit der Vorbereitung auf die neue Saison in der Zweiten Liga zufrieden. Diese sei hervorragend gewesen, sagt Borussias Frauen-Trainer. FOTO: Thomas Grulke (Archiv)
Mönchengladbach. Borussias Trainer spricht über die neue Rolle des Absteigers aus der Frauenfußball-Bundesliga und die ersten Ziele für die neue Saison.

Herr Krienen, mit einem 9:0-Sieg gegen den SC Siegelbach in der ersten Runde des DFB-Pokals haben Sie die Vorbereitung auf das erste Saisonspiel erfolgreich abgeschlossen. Wie froh sind Sie, trotz des Abstiegs, dass es nun wieder los geht?

Krienen Wir freuen uns jetzt gegen den SV Henstedt zu starten und sind heiß darauf, die ersten drei Punkte zu holen. Die Vorbereitungsergebnisse haben uns bestätigt, gerade gegen Bundesligamannschaften haben wir Siege und Unentschieden eingefahren. Da hat vieles schon sehr gut funktioniert. Dieses eine Jahr in der Bundesliga hat den Mädels gut getan, sie haben viel dazugelernt, und wir sind guter Dinge.

Wie zufrieden waren Sie denn mit der siebenwöchigen Vorbereitung?

Krienen Erst einmal war es uns sehr wichtig, dass wir den Kern der Mannschaft zusammengehalten haben. In der Startformation vom letzten Wochenende standen zehn Spielerinnen, die auch in der letzten Saison bei uns gespielt haben. Die Vorbereitung war hervorragend, die Mädels haben sehr gut mitgezogen und gearbeitet. Wir haben ein paar Sachen vertieft, gerade im Offensivspiel, was uns in der letzten Saison ja nicht so lag.

Der große Umbruch ist Ihnen also erspart geblieben. Hätten Sie damit gerechnet, dass so viele Stammkräfte Ihnen erhalten bleiben?

Krienen Wir haben den Spielerinnen, die mit uns aufgestiegen sind, in der letzten Saison vertraut, auch als es nicht so gut lief, und das hat sich natürlich ausgezahlt. Wir sind ein familiärer Verein und mussten keine große Überzeugungsarbeit leisten. Die Mädels fühlen sich wohl bei uns und sehen das alles auch sehr realistisch. Ich bin froh, dass wir so ein junges und ehrgeiziges Team zusammenhalten konnten.

Gab es für Sie in der Vorbereitung denn eine Spielerin, die Sie überrascht hat?

Krienen Noch kann man nicht sagen, dass jemand völlig überrascht hat. Das Team harmoniert einfach super, da möchte ich keinen herausstellen. Und nur so können wir erfolgreich sein, weil wir jetzt auch keine Spielerin haben, wo man jetzt sagt: Die ist ein Christiano Ronaldo oder ein Lionel Messi. Das würde auch gar nicht zu unserer Philosophie passen. Wir wollen die Aufgabe mit unseren Eigengewächsen angehen. Es sind auch einige Jugendspielerinnen hochgekommen, die in dieser Saison auch ihre Chance bekommen werden. Wir sind als Team stark, und das zeichnet uns aus.

Die Borussia-Philosophie ist also auch in der Frauenabteilung vertreten. Wird man auch bei einem eventuellen Aufstieg weiter an der Philosophie festhalten?

Krienen Ja, wir haben eine starke Jugendarbeit und haben in Pia Beyer, Hannah Lenzen, Paula Petri und Kelsey Geraedts vier Jugendspielerinnen, die bei uns im Kader sind. An unserer Philosophie wird sich auch in den nächsten Jahren nichts ändern. Wir wollen unsere eigenen Talente fördern und die eine oder andere Spielerin aus der Region verpflichten. Aber wir werden nicht groß einkaufen. Das Gesicht der Mannschaft bleibt gleich, und das würde auch bei einem Aufstieg so bleiben.

Wo wir beim Thema Aufstieg sind - was haben Sie denn als Saisonziel ausgegeben?

Krienen Unser Ziel ist ganz klar, unter die ersten Sechs zu kommen und uns für die zweite Liga im nächsten Jahr zu qualifizieren. Wir wollen eine gute Rolle spielen und dann schauen, wie in der Winterpause die Lage ist, um eventuell dann andere Ziele anzupeilen.

Vom direkten Wiederaufstieg möchte also erst einmal niemand sprechen?

Krienen Jeder möchte in der Zweiten Liga bleiben, das wird kein Zuckerschlecken. Wir tun gut daran, erst einmal in der Liga anzukommen. Und wenn es dann später mehr wird, dann wehren wir uns natürlich nicht dagegen. Wenn im Winter dann doch mehr möglich ist, dann werden wir das auch kommunizieren. Ich denke, dass der BV Cloppenburg der große Favorit ist, und danach kommen viele Mannschaften, die auf einem Level sind. Da wird dann oft auch die Tagesform entscheiden.

Sie haben es gerade schon angedeutet. Sie werden in vielen Spielen als Favorit ins Spiel gehen. Was wird sich im Vergleich zum letzten Jahr an Ihrer Spielweise ändern?

Krienen Letztes Jahr in der Bundesliga mussten wir konträre Arbeit leisten. Der Fokus lag da ausschließlich auf der Defensive und auf Kontern. Jetzt müssen wir das Spiel machen, deshalb lag auch der Fokus in der Vorbereitung auf unserem Offensivspiel und der Kreativität im vorderen Bereich.

Auch die Mannschaften werden in diesem Jahr neu für Sie sein...

Krienen Ja, wir müssen jetzt in den Norden reisen, weil wir in die Nordstaffel eingeteilt worden sind. Viele Mannschaften sind neu für uns, das ist nochmal eine neue Herausforderung. Jetzt sind wir nicht mehr der Underdog, sondern der Favorit und müssen offensiv was tun. Dieser Herausforderung stellen wir uns aber.

Die wenigen Abgänge haben Sie mit Neuverpflichtungen kompensiert. Auf der Torhüter-Position gab es aber einen Umbruch. Wie gut haben sich die Neuverpflichtungen schon eingefunden?

Krienen Unsere beiden neuen Torhüterinnen Fabienne Hendriks und Alissa Tolksdorf sind angekommen. Beide haben sich sehr gut eingefunden. Verena Schoepp vom 1. FC Mönchengladbach ist auch neu dabei. In der einen oder anderen Situation fehlt ihr noch das Spieltempo, das holt sie aber mit ihrem Fleiß auf und ist zu einer Alternative auf der Sechser-Position geworden. Paula Petri und Kelsey Geraedts waren schon letzte Saison im Kader und haben auch schon Spiele gemacht. Hannah Lenzen und Pia Beyer sind auch schon nah dran am Kader. Unser vierter externer Zugang Isabel Schenk hat sich leider in der Vorbereitung das Kreuzband gerissen und wird deshalb länger ausfallen.

Wer wird denn am ersten Spieltag die Nummer Eins im Tor sein?

Krienen Im Moment sind beide eng beieinander. Wir haben uns zuerst einmal auf Alissa verständigt, aber wir werden sehr genau hinschauen und den Konkurrenzkampf hoch halten. Sollten wir sehen, dass Fabienne dann doch stärker ist, kann es auch zu einem Wechsel kommen. Es ist ein enges Duell, und wir setzen uns im Herbst oder Winter nochmal mit dem Torwarttrainer zusammen. Es ist also noch nichts in Stein gemeißelt.

LISA TELLERS FÜHRTE DAS GESPRÄCH.

Quelle: RP
 
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