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Lokalsport
Neue Hierarchie in Borussias Schatten

Frauenfussball. Sportlich ist der 1. FC im Frauen- und Mädchenfußball am FSC vorbeigezogen, großen Zulauf haben aber derzeit beide. Von Thomas Grulke

Es gab einmal eine Zeit, da gehörten beim 1. FC Mönchengladbach auch Wolfgang Wassenberg und sein FSC zu den Aufbauplänen einer Frauen- und Mädchen-Abteilung. "Ich bin im Jahr 2008 gefragt worden, ob ich mir eine Fusion vorstellen könne, habe aber abgelehnt. Ich habe mich 1996 in Mennrath nicht umsonst mit meinen Mannschaften selbstständig gemacht, um nicht mehr das fünfte Rad am Wagen in einem Verein zu sein", sagt der FSC-Boss.

Gladbachs einziger Frauen- und Mädchenfußball-Klub blieb in Rheindahlen, und Ralf Vander begann stattdessen, bei den Westendern eine eigene Abteilung aufzubauen. Acht Jahre später sind die Gewichte in der Stadt anders verteilt. Borussia ist als Neu-Erstligist weit enteilt - und dahinter hat der 1. FC den FSC überholt.

Während Vanders Team den erstmaligen Niederrheinliga-Aufstieg schaffte, stieg Wassenbergs Mannschaft in die Landesliga ab. Aus sportlicher Sicht war jener Abstieg enttäuschend, weil im Kader genug Qualität für den Klassenverbleib vorhanden war. Doch für den Klubchef ist eine andere Erkenntnis dieses Jahres noch bedeutsamer: Der FSC hat mit 130 Spielerinnen in zwei Frauen- und sechs Mädchenmannschaften derzeit so viele Aktive wie nie zuvor.

"Wir haben jetzt auch erstmals eine U 9, fangen also noch ein wenig früher an, die eigenen Talente auszubilden. Anders geht es auch nicht, das ist in unserem Verein das A und O", sagt Wassenberg. In Sachen Quantität steht der FSC dem Lokalrivalen in der Innenstadt somit in nichts nach. In den Tabellen der einzelnen Spielklassen liegt indes der FC mittlerweile vorne.

Vor zwei Wochen hat Vanders Abteilung die erfolgreichste Spielzeit seiner Geschichte abgeschlossen. Neben den Ersten Frauen sind auch die Zweitvertretung (in die Bezirksliga) und die U 17 (in die B-Juniorinnen-Regionalliga) aufgestiegen, insgesamt sechs Meisterschaften stehen 2015/16 zu Buche.

"Vor sechs Jahren sind wir in den Spielbetrieb gestartet, und natürlich war es von Anfang an unser Ziel, uns in diese Richtung zu entwickeln. Doch so schnell so weit zu kommen, das war sicherlich so nicht planbar", sagt Vander. Damit hat die komplette Abteilung nun bereits eine Stufe erreicht, von der aus große Sprünge nicht mehr möglich sind.

"Wir können uns der vollen Unterstützung des gesamten Vereins sicher sein, aber wir haben nicht die finanziellen Möglichkeiten Borussias und auch keine eigene Sportanlage. Beim Platzbedarf ist die Obergrenze angesichts von 130 Spielerinnen schon längst erreicht, so dass wir gar nicht alle interessierten Mädchen aufnehmen können", sagt Vander. Die künftigen Ziele seien vor allem, mit der Zweiten Mannschaft noch eine Liga höher zu klettern, um den Abstand zur Ersten nicht zu groß werden zu lassen, und möglichst viele Talente im Verein zu behalten.

Dass nicht jede Topspielerin zu halten sein wird, ist Vander bewusst. Auf der anderen Seite war es dem FC im Frauen-Bereich möglich, im Sommer 2015 einige Borussia-Spielerinnen zu sich zu lotsen, die letztlich maßgeblich am Durchmarsch in die Niederrheinliga beteiligt waren. "Wir haben mit Borussia keine Zusammenarbeit, aber ein offenes Verhältnis. So hat sich für uns diese Möglichkeit ergeben", sagt Vander.

Beim FSC gibt es hingegen nur ganz selten externe Verstärkungen, der Kader setzt sich seit eh und je aus den eigenen Talenten zusammen. "Wir haben nicht die Möglichkeiten, die Borussia und der FC haben, zudem ist unsere Randlage sicherlich kein Vorteil. Und es zieht sich wie ein roter Faden durch unsere Klubgeschichte, dass uns irgendwann die Toptalente verlassen. So ist es auch immer ein Ansporn, mit unseren Voraussetzungen wettbewerbsfähig zu bleiben", sagt Wassenberg.

Sein Klub, der sechs Nationalspielerinnen, darunter die Weltmeisterin Lira Bajramaj, hervorgebracht hat, musste mit dem Abstieg in die Landesliga einen sportlichen Rückschlag hinnehmen. Bislang ist jedoch stets schnell der Wiederaufstieg gelungen. Und auch die Rekordzahl von 130 Aktiven lässt darauf schließen, dass der FSC nach Borussia und dem 1. FC eine stabile dritte Kraft im Mönchengladbacher Frauen- und Mädchenfußball bleibt.

Quelle: RP
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