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Lokalsport
Plötzlich im Finale

Tischtennis. Lukas Dieninghoff spielt sich mit einem Anfänger-Schläger vom Ortsentscheid der Minimeisterschaften bis ins Bundesfinale in Bayern. Von Jessica Balleer

Wirklich geplant hatte Lukas Dieninghoff seine erste Teilnahme an einem richtigen Tischtennis-Wettbewerb nicht. Bevor er beim Ortsentscheid der Minimeisterschaften in Hardt aufschlug, war Tischtennis bloß eine Freizeitaktivität zwischen Vater und Sohn, auf dem Tisch im eigenen Garten. In der Halle des TTC Hardt-Venn aber gewann Lukas überraschend die Altersklasse 9/10. Dass das der Anfang einer Reise sein sollte, die die Familie letztlich bis nach Bayern führte, hatte sie nicht geahnt. Doch der Hardter hatte neben einem Anfänger-Schläger und einem unorthodoxen Spiel vor allem eines: große Nervenstärke.

Die Tischtennis-Minimeisterschaften gibt es bereits seit mehr als 33 Jahren. Sie sind eine Breitensportaktion des Deutschen Tischtennis-Bundes für Kinder bis zwölf Jahren, die keinem Verein angehören. Das macht sie zu einem Sprungbrett, das der Hardter Lukas Dieninghoff für eine persönliche Erfolgsstory nutzte. "Wir haben unglaubliche Neuigkeiten", hatte Vater Björn Dieninghoff dem Vorsitzenden des 1. TTC Hardt-Venn, Ulrich Jopen, vor wenigen Wochen per Mail mitgeteilt.

Nachdem Lukas den Kreisentscheid knapp überstand, war auf Bezirksebene mit Platz 5 eigentlich Schluss. Chancen auf das Verbandsfinale hätte es für ihn als "Nachrücker" nur gegeben, wenn jemand ausgefallen wäre. Und so kam es. Ein Spieler aus Ostwestfalen-Lippe sagte ab, und die Familie machte sich auf in das 150 Kilometer entfernte Arnsberg, zum Entscheid der besten 24 "Minis" in vier Gruppen à sechs Teilnehmern. "Zumindest nicht Letzter werden", das hatte sich Lukas vorgenommen. Dieses Ziel war schnell übererfüllt. "Mein Sohn hat ab dem Achtelfinale keinen Satz mehr abgegeben und das Turnier sogar gewonnen", sagt Lukas' Vater. Damit sicherte sich der Hardter am Ende den Titel "Verbandssieger 2016".

Im Bundesfinale in Rosenheim wartete dann die nicht erwartete Zugabe. "Wir sind gefahren, obwohl wir nach wie vor der Auffassung waren, dass Lukas eigentlich gar kein Tischtennis spielen kann", sagt Björn Dieninghoff. "Er spielt die Bälle nur zurück, und die Gegner machen die Fehler."

Diese Spielweise, seine Gegner durch eigene Sicherheit zu Fehlern zu zwingen, kennt Ulrich Jopen. Der Vorsitzende des 1. TTC Hardt-Venn, ist seit über 60 Jahren Abwehrspieler. Er wisse, dass man es vielen Gegnern mit einem guten Abwehrspiel schwer machen kann. "Eberhard Schöler, mein Jugendidol, hat es damit immerhin zum Vizeweltmeister gebracht", sagt Jopen. Er hofft, dass Lukas sein Talent zukünftig im Hardt-Venner Vereinstrikot beweist.

In Rosenheim warteten die 20 Siegern der Verbände. Die Zielvorstellung von Lukas war Platz 15. Direkt im ersten Spiel bewies er Nervenstärke, wehrte Matchbälle ab und drehte das Spiel. Das Mindestziel war bereits erreicht. Und dann, als alle je angepeilten Ziele lange erreicht waren, "ab da war das Glück und die psychische Stärke nicht mehr auf Lukas Seite", sagt Deininghoff. Siebter von mehr als 10.000 Jungen wurde er am Ende. Und das nach einer eher zufälligen Teilnahme am Ortsentscheid in Hardt.

Damit aus dem "Gartenspieler" nun ein echter Vereinsspieler werden kann, darf er sich nun einen neuen Schläger im Sportfachgeschäft aussuchen. "Der Schläger für 12,99 und ohne Grip, der die Gegner reihenweise zur Weißglut trieb wird eingerahmt und nicht wieder bespielt", da sind sich Vater und Sohn einig.

Quelle: RP
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