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Lokalsport
"Rastamann" Bähren ist Gladbachs Top-Fechter

Fechten. Der 22-Jährige vom Rheydter TV holt sich den Titel bei der Stadtmeisterschaft. Caroline Marzodko gewinnt bei den Damen. Von Georg Amend

In seinen Sportklamotten sieht Jonas Bähren aus wie jeder andere Fechter auch. Nimmt er aber den Helm ab, kommen darunter dunkelbraune Rastalocken zum Vorschein, zieht er die Handschuhe aus, springen die vielen Armbänder von Musikfestivals an den Handgelenken ins Auge. "Dafür muss auch noch ein bisschen Zeit sein", sagt der Fechter des Rheydter TV, der in erster Linie Student der Wirtschaftspsychologie und BWL ist und bei Hephata arbeitet. Beim RTV ist der 22-Jährige nicht nur Aktiver, sondern trainiert auch die Jugend - dennoch bleibt ein wenig Zeit für andere Hobbys, wie an den Handgelenken zu sehen ist.

Dass der Sport dabei nicht zu kurz kommt, bewies Bähren bei den Stadtmeisterschaften, die sein Verein vor Kurzem ausrichtete. Im Halbfinale setzte er sich gegen seinen ein Jahr älteren Bruder Tobias mit 15:9 Treffern durch, im spannenden Finale besiegte er Richard Weinhold mit 15:11. "Jonas hat eine starke Entwicklung hinter sich", sagt RTV-Trainer Georg Bießner, der über die Bähren-Brüder weiß, dass sie in Rheydt vom Florett auf den Degen umsteigen mussten, sich beide aber schnell an die neue Waffe gewöhnt haben.

"Hier gab es einfach kein Florett", berichtet Jonas Bähren. "Am Anfang bin ich noch einmal die Woche nach Bonn gefahren und habe da mit dem Florett trainiert. Aber irgendwann musste ich mich für eine Waffe entscheiden." Es wurde der Degen. Die Unterschiede zwischen den Waffen sind groß - nicht nur, was das Gewicht angeht, sondern vor allem die Regeln. Während beim Florett nur der Oberkörper als Trefferzone zählt, ist es beim Degen der gesamte Körper. "Viele meinen, das wäre ja leichter für mich, weil ich mit dem Umstieg auf den Degen ja meinen Gegner überall treffen kann. Aber: Ich muss auch überall verteidigen", sagt Jonas Bähren. Er ergänzt: "Für den Zuschauer ist es leicht: Wenn eine Lampe leuchtet, gibt es einen Punkt. Der Säbel ist die schnellste Waffe, dann kommt das Florett, dann der Degen. Der Abstand zum Gegner ist beim Degen ein anderer als beim Florett. Nach dem Umstieg stand ich viel zu nah am Gegner dran."

Dass es das zu vermeiden gilt, erklärt Bähren inzwischen auch seinen Schülern - sechs- bis achtjährigen Fechtanfängern. "Da muss man schon Nerven für haben - aber die Kinder lieben ihn", sagt Abteilungsleiterin Marianne Kampka, die mit Trainer Holger Handwerg Jonas Bähren bei der Jugendarbeit unterstützt. "Die meisten Kinder kommen mit dem Gedanken: ,Ich will Schwertkampf machen!' Fechten ist aber nicht ein Aufeinander-drauf- Kloppen, sondern hat viel mit Beinarbeit, Technik und Strategie zu tun. Das lernen die Kinder aber schnell, und die meisten bleiben dabei", sagt Jonas Bähren.

So auch Caroline Marzodko, die als Sechsjährige mit dem Sport begann - kein Wunder, denn Vater Wolfgang ist Fechtmeister und war früher in der Säbel-Nationalmannschaft aktiv. Seit zweieinhalb Jahren ist Marzodko beim Rheydter TV, das reichte schon zum Hattrick: In diesem Jahr wurde sie zum dritten Mal in Folge Stadtmeisterin, nachdem sie Nastasja Carpantier im Finale besiegt hatte. Die 21-Jährige kommt eigentlich aus Aachen, hat aber bei der SMS Group eine Ausbildung zur technischen Produkt-Designerin im Maschinenbau begonnen - daher der Wechsel nach Rheydt. Träume von Olympia hegt Marzodko allerdings nicht mehr: "Ich glaube, Profisport muss nicht sein. Dafür ist der Zug wohl auch abgefahren", sagt sie lächelnd.

Die Stadtmeister: Fechtanfänger: Matteo Better; Damen-Degen, A-Jugend: Nastasja Carpantier; Juniorinnen: Clarissa Kupfermann; Aktive: Caroline Marzodko; Herren-Degen, Schüler: Leander Hein; B-Jugend: Felix Oberem; A-Jugend: Maximilian Riemer; Junioren: Max Albrecht; Aktive: Jonas Bähren; Senioren: Hans Ulrich Rosocha.

Quelle: RP
 
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