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Lokalsport
Skateboard - ein Boomsport in Gladbach

Skateboard. Seit 2016 gibt es die Rollbrettunion. Der Klub hat 168 Mitglieder, Tendenz steigend. In den Rollmarkt, wo die RBU ihr Domizil hart, kommen täglich 80 bis 100 Jugendliche. Heute startet die erste Skateboard-Stadtmeisterschaft. Doch es gibt ein Problem. Von Karsten Kellermann

Es war in den 90ern, als Mönchengladbach in der internationalen Skatboard-Szene einen sehr guten Namen hatte. Der "Dome" an der Lürriper Straße war eine der größten Hallen im Lande und jedes Jahr, wenn sich die Elite zur Weltmeisterschaft in Münster einfand, kamen die Könner zum Üben nach Gladbach. Top-Skateboarder wie der US-Amerikaner Danny Way, der 2005 mit seinem Brett über die Chinesische Mauer sprang, reisten dann an.

Damals begann auch die Skateboarder-Zeit von David Suhari (41). Er erinnert sich gern an jene Hoch-Zeit seines Sports in MG vor 20 Jahren zurück - und gehört nun zu denen, die gerade für eine Renaissance sorgen: Suhari ist Vorsitzender der im Dezember 2016 gegründeten Rollbrett Union (RBU). Die ist aktuell sozusagen der Musterschüler des hiesigen Stadtsportbundes (SSB).

"Skateboarden ist bei uns sehr angesagt", sagt Axel Tillmanns, Geschäftsführer des SSB. Kein anderer Verein wächst derzeit so schnell wie die RBU. Seit der Gründung ist der Mitgliederbestand von 40 auf 168 angewachsen, "Tendenz steigend", wie Suhari versichert. In den Rollmarkt an der Hauptstraße in Rheydt, wo die Skateboarder seit Mitte des Jahres ihr Domizil haben, kommen "pro Tag 80 bis 100 Kids, es ist unglaublich, gerade jetzt in den Ferien", sagt Suhari.

"Ride here, ride now" ist das Motto des Vereins. Heißt: "Wir wollen gemeinsam etwas ins Rollen bringen." Tatsächlich sind die RBU-Menschen sehr aktiv. "Ohne die Helfer, die täglich zu uns kommen, wäre vieles nicht möglich", sagt Suhari. Der Vorteil ist, dass Skateboard-Fahren "ganz einfach ist: Ich hole mir ein Brett und fahre drauflos. Wenn ich dann einen Trick geschafft habe, ist es ein großartiges Gefühl, wenn nicht, fliege ich auf die Nase, stehe wieder auf und versuche es erneut." Skateboarden ist mehr als eine Sportart, es ist ein Lebensgefühl. "Es ist eine Mischung aus Sport und Jugendkultur, wir erreichen hier die Kids, die wir sonst nicht erreichen", sagt Tillmanns. Im Rollmarkt gibt es daher nicht nur artistische Einlagen auf den Ramps, sondern auch Workshops mit Sozialarbeitern, zudem kooperiert der Verein mit mehreren Schulen.

Der Rollmarkt ist eine der wenigen Indoor-Skateboard-Hallen in Deutschland - und ein organisierter Skateboard-Verein wie die RBU ist ebenfalls eine Ausnahme. "Es gibt nur sechs oder sieben solcher Vereine in Deutschland, meist sind die Skateboarder unorganisiert", sagt Tillmanns. Die Skateboarder nutzten das Big-Air-Festival im Hockeypark im vergangenen Jahr für den ersten großen öffentlichen Auftritt - "dass es so weitergehen würde, hätten wir uns nicht träumen lassen", gesteht Suhari. Sein Verein hat sich in der Szene schnell einen guten Namen gemacht, auch Skateboard-Legende Titus Dittmann "kennt uns". Viele gute Fahrer haben sich der RBU angeschlossen - wie der deutsche Starfahrer Christoph Radtke. Sechs RBU-Fahrer könnten 2020, wenn das Skateboarden in Tokio sein Olympia-Debüt feiert, zum deutschen Team gehören.

In der Stadt wird dem Klub nun ein Ritterschlag zuteil: Erstmals gibt es eine Skateboard-Stadtmeisterschaft. Heute (10 bis 18 Uhr), morgen (10 bis 16 Uhr) und Sonntag (10 bis 18 Uhr) werden die Titel im Rollmarkt ausgefahren.

Allerdings besteht die Gefahr, dass der Skateboard-Boom endet, bevor er so richtig begonnen hat. "Die Welle kommt ja erst, wenn wir 2020 in Tokio und vielleicht danach auch in Paris und Los Angeles olympisch sind", sagt Suhari. Doch der Mietvertrag für den Rollmarkt läuft bald aus. Längst wird das Thema in der Politik diskutiert. Die Stadtverwaltung ist bemüht, eine Lösung zu finden. "Die Sozialplanung, das Jugendamt und das Schulamt sind mit dem Verein im Gespräch. Wir sind darauf bedacht, dass das Angebot, das derzeit in Rheydt gemacht wird, weitergeht - in den aktuellen Räumlichkeiten oder an anderer Stelle", sagt Harald Weuthen, Leiter des Schul- und Sportamtes. Gladbachs "Skateboard-Revival" (Suhari) soll weitergehen.

www.rollbrettunion.de

Quelle: RP
 
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