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Lokalsport
Training für eine wahre Schlammschlacht

Extremsport. Marcel Kauven startet am 6. Mai beim "Mud Masters". Auf der Marathondistanz muss er dabei 127 Hindernisse überwältigen. Von Georg Amend

Es gibt Sportarten, die extrem textilfreundlich sind. Schach, zum Beispiel. Und es gibt Sportarten, die genau das nicht sind. Hindernislaufen, zum Beispiel. Unter stacheldrahtbewehrten Zäunen durch Matsch zu robben, ist der Garderobe nur bedingt zuträglich. "Weil ich den Hintern beim Kriechen nicht tief genug hatte, bin ich im Stacheldraht hängengeblieben und habe mir die Hose aufgerissen", sagt Marcel Kauven lächelnd. Und der Mönchengladbacher Extremsportler weiß auch: "Das ist mit das größte Hindernis: die Sachen nachher zu waschen. Ich muss die dreimal von Hand waschen, bevor ich sie überhaupt in die Waschmaschine geben kann. Die überlebt das sonst nicht."

Aktuell trainiert Kauven für das "Mud Masters" (auf deutsch etwa: "Matsch-Meisterschaft"), das am 6. Mai in Weeze stattfindet und als "größter Hindernislauf der Welt" angepriesen wird. Bis zu 15.000 Teilnehmer werden erwartet, an Distanzen stehen sechs, zwölf, 18 oder 42 Kilometer zur Auswahl. Der Gladbacher hat für die Marathondistanz gemeldet und muss dabei 127 Hindernisse überwinden. Dafür übt er unter anderem auf dem Trimm-dich-Pfad im Hardter Wald - zusätzlich zum üblichen Pensum aus Laufen, Fitnesstraining und Mountainbiken. Bis zu acht Runden absolviert der 27-Jährige auf dem Pfad, das sind rund 10,8 Kilometer, auf denen er eben nicht nur läuft, sondern auch springt, kriecht, klettert oder Kraftübungen macht.

Denn das "Mud Masters" wird einige Herausforderungen neben der reinen Distanz bereithalten. "Da gibt es zum Beispiel ein Tau, das frei hängt und etwa dreieinhalb Meter lang ist", sagt Kauven. "Im Abstand von einem Meter sind Knoten, an denen man sich hochhangeln kann. Dafür braucht man aber die richtige Technik." Die benötigt man auch an einem Stahlseil, das über mehrere Meter gespannt ist und relativ schnell nicht nur an den Händen unangenehm wird, sondern auch im Leistenbereich, weil man sich mit den Füßen ebenfalls daran hakt. Weitere Herausforderungen sind beispielsweise Baumstämme, die es über eine gewisse Distanz zu schleppen gilt ("Da fühlt man sich wie Jesus am Kreuz", sagt Kauven), sechs Meter hohe Bunker, die es mit einem 20-Kilogramm-Sack auf den Schultern zu erklimmen gilt, oder Wände, die sich gegen einen neigen und durch den Überhang kaum allein zu bewältigen sind. "Es gibt aber auch coole Hindernisse", weiß Kauven. "Zum Beispiel eine Wasserrutsche, bei der man noch abhebt, bevor man ins Wasser klatscht."

Überhaupt ist Wasser bei einem "Mud Masters" natürlich ein wichtiges Element. "Bei all den Hindernissen brennen irgendwann die Arme und Beine. Nach fünf Minuten über eine Mauer klettern ist etwas anderes als nach fünf Stunden. Da sind Wasserhindernisse zwischendrin mal ganz gut. Das erfrischt einen dann richtig", sagt Kauven, der den Wettkampf als "Spielplatz für Erwachsene" beschreibt.

Vor drei Jahren hat der Gladbacher, der im Januar in Venlo seinen Bachelor für internationales Marketing abgeschlossen hat und nun jobsuchend ist, am "Braveheart-Battle" in Münnerstadt teilgenommen - das war für ihn das erste große Highlight in diesem Extremsport. "Ich war mit meinem Onkel Jürgen da. Wir sind mit dem Wohnwagen hingefahren, was eigentlich ganz cool war. Aber dann hat es morgens angefangen zu schneien. Dann sitzt du in dem warmen Wohnmobil und denkst dir: Muss das sein, dass wir da jetzt raus gehen?". Es musste sein und beide belohnten sich, da sie nach 6:32 Stunden den kompletten Hindernislauf durchgestanden hatten. "Wir sind als Zehnte durchs Ziel. Das war als Hobbysportler schon mega-geil", sagt Kauven.

Die Zeit ist ihm im Übrigen ziemlich egal, zumal dann, wenn es darum geht, anderen bei Hindernissen zu helfen. "Jeder macht das für sich alleine, aber das Coole ist, dass ein Gemeinschaftsgefühl da ist und alle sich gegenseitig anfeuern und pushen", berichtet der 27-Jährige. Und für dieses Gefühl trainiert er zehn Stunden in der Woche, ernährt sich speziell ("Manchmal muss ich mir auch etwas reinzwängen, weil Gewichtszunahme bei mir ein Problem ist.") und wäscht seine Sportsachen dann auch von Hand. Textilfreundlich ist seine Sportart nicht.

Quelle: RP
 
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