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Analyse
TVK blickt in eine schwierige Zukunft

Analyse: TVK blickt in eine schwierige Zukunft
Teile des Kompetenzteams des TVK (von li.): Volker Vieten (Organisation), Ulf Moog (Finanzen), Peter Nilgen (Geschäftsführer), Klaus Weyerbrock (sportliche Entwicklung), Walter Hintzen (Abteilungsleiter) und Jan Wolf (Marketing). FOTO: Amend
Handball. Seit November ist klar, dass der TV Korschenbroich ein neues Führungsgremium braucht. Das hat sich nun vorgestellt. Es besteht aus neun Ehrenamtlern, die eine langjährige Verbindung zum Klub eint. Für die sportlichen Ziele fehlen aber konkrete Pläne. Von Georg Amend

Der TV Korschenbroich hat sein neues Kompetenzteam vor rund 30 Personen vorgestellt. Das neunköpfige Gremium hat die Planungen für die Saison 2018/19 übernommen, weil neben Trainer Ronny Rogawska (zum Drittliga-Konkurrenten HSG Krefeld) auch der Sportliche Leiter Kai Faltin ausscheidet. Geschäftsführer Peter Irmen bleibt als Berater, die GmbH weicht einer Unternehmergesellschaft (UG).

Personen Das Team bilden Peter Nilgen (Geschäftsführer), Christoph Zerbe (Stellvertreter), Jan Wolf (Marketing & Sponsoren), Ulf Moog (Finanzen & Controlling), Klaus Weyerbrock, Carsten Hirschfelder (beide sportliche Entwicklung), Volker Vieten (Organisation & Spielbetrieb), Walter Hintzen (Handballabteilungsvorstand), Egon Schmitz (Abteilungsvorstandsmitglied). Beratend dabei sind Volker Baltes (Marketing & generelle Ausrichtung) und Peter Irmen (Sponsoren).

FOTO: Georg Amend

Einordnung Bei der Vorstellung einte alle Teammitglieder, dass sie auf eine jahrelange Verbundenheit zum TVK verwiesen: Der 65-jährige Nilgen "seit dem elften Lebensjahr", Wolf (38) und Moog (50) seit 20 Jahren oder Weyerbrock (58) seit 40 Jahren. Das ist rührig, ob das aber auch die dringend nötige Qualifikation bedeutet, muss sich zeigen. Statt eines (bezahlten) Sportlichen Leiters sind nun mehrere Ehrenmitglieder am Werk - das spart Geld, kostet aber Zeit für Absprachen und Entscheidungsfindungen.

Gesamtheitliche Ziele Der TVK sieht sich als "Bestandteil des kulturellen und sozialen Lebens der Stadt und der Region", er will dort präsenter werden und hat dazu den Slogan "Hand.Ball.Herz goes Heimat" gefunden. Die Zuschauerzahlen sollen stabilisiert und ausgebaut, Sponsoren und Förderer wieder näher an den Verein gebracht werden.

FOTO: Georg Amend

Einordnung Hier gibt es konkrete Pläne: Präsenz erhöhen bei City-Lauf, Herbstfest oder Wirtschaftsterminen; Sponsorentreffen und Newsletter etablieren; je eine "Zuschauer-Aktion" in Hin- und Rückrunde. Trotz nur zwei Saison-Heimsiegen kamen stets rund 300 Fans in die Waldsporthalle. Die Resonanz hat zwar deutlich abgenommen, die Akzeptanz aber ist noch da. Doch wie wirkt sich ein Abstieg aus?

Sportliche Ziele Das Team will dem leistungsorientierten Handball in Korschenbroich eine stabile wirtschaftliche Zukunft geben, durch Jugendarbeit den überregionalen Handball vorantreiben, in der Dritten Liga den Klassenerhalt erreichen oder - bei einem Abstieg - in der Nordrheinliga unter die ersten Fünf in der neuen Saison kommen und da die Grundlage für eine Rückkehr in die Dritte Liga legen.

Einordnung Konkrete Maßnahmen wurden nicht genannt. Ob man für die Relegation der Drittletzten der vier Drittliga-Staffeln melden wolle, müsse man in den nächsten Wochen sehen, hieß es. Die Frist zur Meldung für die Relegation läuft aber am 31. März ab. "Bis dahin sind ja noch zwei Spiele, die wir uns angucken können", sagte Weyerbrock. Doch welche Erkenntnisse sind gegen den Tabellenzweiten Bayer Dormagen und gegen Schalksmühle, gegen das es die höchste Saisonpleite (18:31) gab, zu erwarten? Voraussichtlich wird der TVK auch danach Tabellenletzter sein. Meldet man bis 31. März nicht für die Relegation - auf dem dafür nötigen 15. Platz steht derzeit mit vier Punkten Vorsprung Lemgo II, gegen das der TVK am 14. April spielt -, braucht man auch nicht für die Dritte Liga zu melden, für die die Frist am 15. April abläuft. Denn den direkten Klassenerhalt wird der TVK bei acht Punkten Rückstand sicher nicht mehr erreichen. Das neue Team könnte der aktuellen Mannschaft ein Signal senden: "Wir glauben an euch und melden für die Relegation" - es verzichtet aber ohne große Not darauf. Erreicht die Mannschaft den drittletzten Platz nicht, ist die Meldung eh hinfällig, erreicht sie ihn doch, müssten die Kosten für die Spiele, für die es zunächst in den Osten der Republik geht, von der GmbH getragen werden und nicht von der neuen UG. Warum dann nicht melden?

Kader/Budget Elf Spieler hätten für die neue Saison Verträge unterschrieben, sagte Weyerbrock, allen sei klar, dass es um eine Saison in der Dritten oder Vierten Liga geht. Das Budget werde in jedem Fall geringer, ergänzte der 58-Jährige. Zudem ist die Reserve (Verbandsliga) ein Problemkind: Dafür sei zwar für die neue Saison ein Trainer-Nachfolger für Rogawska gefunden, der in den nächsten Wochen vorgestellt werden soll, allerdings verließen fünf bis sechs Spieler das Team.

Einordnung In der aktuellen Saison hatte die GmbH etwas mehr als 150.000 Euro zur Verfügung. Das reichte gerade, um einen sehr jungen Kader zu holen und auszustatten, der allerdings zu selten das Potenzial für die Liga zeigte. Nach Informationen unserer Redaktion wird das Budget für die Erste Mannschaft in der neuen Saison unter 100.000 Euro liegen, das deckt nur die Personal- und Fahrtkosten, aber nicht die Ausrüstung. Schwierig. Die Reserve hat in der Verbandsliga bereits eine schwere Saison, sie wird es in der kommenden noch schwerer haben. Und ob die Jugendlichen, die derzeit unter anderem im "Projekt 2020" ausgebildet werden, dann in die Landesliga gehen wollen, sofern sie es nicht in die Erste Mannschaft schaffen, ist fraglich. Auch hier droht eine schwierige Zukunft.

Quelle: RP
 
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