| 00.00 Uhr

Interview Rolf Göttel
"Werde auf keinen Fall eine graue Eminenz sein"

Interview Rolf Göttel: "Werde auf keinen Fall eine graue Eminenz sein"
In der vergangenen Woche wurde Rolf Göttel für seine Verdienste um die Schiedsrichterei von der Stadt Mönchengladbach geehrt. FOTO: Dieter Wiechmann
Mönchengladbach. Der Schiedsrichter-Obmann erklärt, warum er nach sechs Jahren sein Amt aufgibt und warum er René Donné für den geeigneten Nachfolger hält. Von Karsten Kellermann

fussball Rolf Göttel hat sich entschieden: Er wird Schluss machen mit der Schiedsrichterei, zumindest, was das offizielle Amt angeht. Am Montag, wenn sich die Schiedsrichter zum Kreistag treffen, wird Göttel das Amt des Obmanns, das er vor sechs Jahren übernommen hat, abgeben. Im Gespräch mit der Rheinischen Post erklärt Göttel, warum er aufhört, schaut zurück auf seine Amtszeit und sagt, warum er keine graue Eminenz der pfeifenden Zunft sein will und nichts vom Videobeweis hält.

Den Job als Fußballfachwart beim Stadtsportbund machen Sie weiter?

Göttel Ja.

So blieben Sie dem Gladbacher Fußball also auch aktiv erhalten. Und ansonsten schaut der Privatmann Rolf Göttel auf den hiesigen Fußballplätzen, ob die Schiedsrichter auch ohne ihn einen guten Job machen?

Göttel Wer mich kennt, weiß: Ich werde ganz sicher hier und da mal was sagen. Und natürlich wird der Kontakt nicht ganz abreißen. Aber wichtig ist: Sie sollen allein arbeiten, ohne, dass ihnen der alte Obmann etwas einflüstert. Ich will auf keinen Fall eine graue Eminenz werden. Natürlich stehe ich zur Verfügung, wenn Fragen sind, aber nicht offiziell. Die Jungs sollen alleine fertig werden - und das werden sie auch.

Warum hören Sie auf?

Göttel Ich habe das Amt noch mal sechs Jahre ausgeübt. Vor sechs Jahren habe ich der Schiedsrichtervereinigung geholfen, weil sie damals in gewisser Hinsicht führungslos war. Es war mir ein Anliegen, obwohl ich schon auf dem Altenteil war, habe ich gesagt: Ich helfe noch mal drei Jahre. Daraus wurde dann sechs, weil es mir viel Spaß gemacht hat. Aber jetzt ist die Zeit da, aufzuhören. Wir haben so viele gute junge Leute, wir sind gut aufgestellt.

Vor sechs Jahren war viel Unruhe bei den Schiedsrichtern. Ist Ruhe eingekehrt?

Göttel Ich war überrascht, wie schnell wieder Ruhe reingekommen ist. In Gesprächen haben wir viele Leute, die mit der Situation unzufrieden waren, überzeugt, dass es nicht der richtige Weg sein würde, alles über den Haufen zu schmeißen. Es war für meine Arbeit natürlich sehr hilfreich, dass wir die Probleme relativ schnell in den Griff gekriegt haben.

Sie haben gesagt, die Schiedsrichter im Kreis Mönchengladbach/Viersen seien gut aufgestellt. Nennen Sie Gründe.

Göttel Wir haben Schiedsrichter in den oberen Klassen. Neben unserem Aushängeschild Mark Borsch sind wir auch in den hohen Amateurligen eine starke Präsenz. Andere Kreise sagen oft, wir sind ein Spitzenkreis. Das höre ich nicht gern. Ich höre es lieber, wenn man sagt, dass wir ein Vorzeigekreis sind. Denn das sind wir. Wir haben nicht nur Leute in der Spitze, sondern sind auch in der Breite gut aufgestellt.

Das ist ein hoher Anspruch für Ihren Nachfolger. Wer macht den Job?

Göttel René Donné soll es werden. Er ist lange im Schiedsrichterausschuss dabei, er kennt alle und alles. Er wird das hinkriegen, da bin ich mir sehr sicher.

Passt auch das Team dahinter?

Göttel Es sind ja fast alles Leute, die schon lange im Ausschuss sind: Mark Borsch, Marco Lechtenberg, Sven Heinrichs. Die Position, die frei wird, soll Markus Wollenweber übernehmen, das ist zumindest der Vorschlag des Ausschusses, über den am Montag zu beraten ist. Wenn das so kommt, können wir sehr, sehr zufrieden sein.

Mark Borsch wird im Sommer wieder als Assistent bei der EM in Frankreich dabei sein?

Göttel Ja.

Wie wichtig ist das für den Fußball-Kreis?

Göttel Mark leistet sehr viel für den Kreis. Er ist ja ständig unterwegs und repräsentiert damit auch unseren Kreis. Er ist auch Vorbild für den Nachwuchs. Durch seine Arbeit im Ausschuss ist er nah dran an unseren Schiedsrichtern. Er hat natürlich immer wieder etwas Interessantes zu erzählen von seinen Reisen und seinen Einsätzen.

Mark Borsch ist die Spitze, der Rest pfeift in den Amateurligen. In diesen ist es nicht mehr leicht für die Schiedsrichter, weil es immer wieder Übergriffe gibt. Ist die Luft rauer geworden?

Göttel Ich muss sagen, dass es in unserem Kreis vergleichsweise ruhig und gesittet zugeht, im Vergleich zu anderen Kreisen im Verband, wie zum Beispiel in Duisburg, Wuppertal oder Essen. Da geht es deutlich roher zu. Aber grundsätzlich ist es richtig, dass die Luft rauer geworden ist für unsere Schiedsrichter. Was die Vereinsverantwortlichen ihren Spieler beibringen müssen, ist, dass sie Disziplin und Respekt haben müssen ...

... weil es, um den alten Slogan zu bemühen, ohne den 23. Mann nicht geht ...

Göttel Das müsste eigentlich jeder wissen. Dass es mancher nicht weiß, darüber darf man gar nicht nachdenken.

Wenn Sie selbst darüber nachdenken, dass es künftig vorbei ist mit dem aktiven Einsatz für das Schiedsrichterwesen, in dem Sie fast Ihr gesamtes Leben tätig sind. Mit 15 haben Sie die Prüfung zum Schiedsrichter abgelegt.

Göttel Die Entscheidung, aufzuhören, ist ja langfristig in mir gereift. Ich habe schon vor drei Jahren darüber nachgedacht, aber da habe ich dann noch einmal weitergemacht, einfach, weil ich Spaß an der Arbeit hatte. Die Arbeit mit dem Nachwuchs hat mir natürlich auch etwas gebracht, auch wenn viele Neuerungen nicht ganz meine Sache sind. Spaß macht mir die Arbeit noch immer, aber mit über 70 ist es einfach mal Zeit, den Platz freizumachen für die jüngeren Generationen. Ich bin ja froh, dass wir die Leute haben - ehrenamtlicher Nachwuchs ist ja heutzutage keine Selbstverständlichkeit.

Apropos Neuerungen: Was halten Sie vom Videobeweis?

Göttel Ich bin kein Freund davon. Ich komme vom alten Schlag und sage: Tatsachentscheidung. Sie sollte uns erhalten bleiben. Vor allem deshalb: Mit dem Videobeweis entfernen sich der Profi- und der Amateurbereich weiter voneinander. Denn bei den Amateuren wird es schwerlich so sein, dass überall Kameras installiert sind, um den Videobeweis möglich zu machen. Es bleibt aber das gleiche Spiel, ob man nun bei Borussia ist oder beim 1. FC Mönchengladbach.

Ist das wirklich so? Oder hat beides nicht mehr so viel miteinander zu tun?

Göttel Viele sagen ja, dass Profi- und Amateurfußball nicht mehr dasselbe sind. Es gibt natürlich Unterschiede. Aber: Die Regeln sind die gleichen - und ist es nicht schön, am Tag nach dem Spiel heiße Diskussionen zu führen über die eine oder andere Entscheidung. Außerdem bin ich mir sicher, dass auch der Videobeweis nicht die letzte Wahrheit sein wird.

Quelle: RP
Diskussion
Ihre Meinung zum Thema ist gefragt

Schreiben Sie jetzt Ihre Meinung zu:

Interview Rolf Göttel: "Werde auf keinen Fall eine graue Eminenz sein"


Beachten Sie dabei bitte unsere Regeln für Leserkommentare.