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Lokalsport
Wie eine Fußball-Schiedsrichterin Vorurteilen entgegentritt

Fussball. Melanie Schönfeld-Wolf ist seit 20 Jahren Unparteiische. Beim Werben um Nachwuchs spiele Information eine große Rolle, sagt sie. Von Lisa Tellers

"Oft sagen die Leute, wenn sie hören, dass ich Schiedsrichterin bin: Das tust du dir an? Ich sage ihnen dann immer, dass ich schon seit 20 Jahren Fußballspiele leite und noch nie einen schlimmen Vorfall hatte. Klar, hat man auch mal Konfliktsituationen dabei, aber das ist meistens die Ausnahme. Ich habe schon viele schöne Erlebnisse gehabt", sagt Schiedsrichterin Melanie Schönfeld-Wolf. Trotzdem weiß auch sie: Der Nachwuchs in der Schiedsrichtervereinigung Mönchengladbach/Viersen stockt in den letzten Jahren ein wenig.

Ständige Ausschreitungen, respektlose Spieler, ein kompliziertes Regelwerk und dann auch noch Einzelkämpfer auf dem Platz sein. Es sind Vorurteile wie diese, die die meisten davon abhalten, sich als Schiedsrichter zu bewerben. "Man sollte den Leuten bewusst machen, dass Ausschreitungen nicht die Regel sind. Auch die ganzen Regularien hat man schnell verinnerlicht, viele haben ja schon eine gewisse Vorkenntnis. Und ein Einzelkämpfer ist man als Schiedsrichter auch nicht. Wir sind eine Gemeinschaft und fahren als Team zu einem Fußballspiel", sagt Schönfeld-Wolf.

Damit sollten die gängigsten Vorurteile erst einmal ausgeräumt sein. Und trotzdem ist es jedes Jahr schwer, auf den Schiedsrichter-Lehrgängen neue Kollegen zu finden. Die Voraussetzungen, um als Schiedsrichter durchzustarten, sind dabei denkbar einfach. Mindestens 14 Jahre sollte man alt sein, eine gewisse Fitness mitbringen und natürlich Interesse am Fußball haben.

Melanie Schönfeld-Wolf hat es bis in die 2. Frauen-Bundesliga geschafft als Schiedsrichterin. Denn auch im Schiedsrichterwesen kann es schnell nach oben gehen. Die Aufstiegschancen sind gut, so etwas wie eine Talentschmiede gibt es ebenfalls. Jeder Kreis hat einen Förderkader, der seine Talente regelmäßig nach Duisburg zu Lehrgängen schickt. Die sollen, wenn es gut läuft, auch irgendwann mal Bundesliga pfeifen. Dann kann man dann auch mal schnell 3.000 Euro pro Bundesligaspiel verdienen.

In der Kreisklasse ist es natürlich nur ein kleines Taschengeld, was man sich dazu verdienen kann, aber es sind ja auch nicht die einzigen Vorteile als Schiedsrichter. "Ich glaube, dass man eine unglaubliche Persönlichkeitsentwicklung hinlegt. Man lernt ein selbstbewusstes Auftreten, mit Menschen umzugehen, sich ein Durchsetzungsvermögen anzueignen und Situationen einzuschätzen. Das wird später auch im Berufsleben gefordert. Gerade die Jugendlichen können so ihre eigene Persönlichkeit stärken", sagt Schönfeld-Wolf.

Bei Spielen auf DFB-Ebene kann man die Spiele kostenlos im Stadion verfolgen und so auch die Borussia live unterstützen. So etwas wie Schiedsrichter-Freundschaften gibt es auch: "Wir sind eine große Gemeinschaft. Es gibt auch keine Geschlechtertrennung bei uns. Außerhalb der Spielfelder finden viele Aktivitäten statt. In der Freizeit unternimmt man oft was zusammen, da entwickeln sich richtige Freundschaften", sagt Schönfeld-Wolf.

Dazu gehört auch, dass man die neuen Kollegen in den ersten Spielen begleitet, damit sie die nötige Sicherheit entwickeln. "Nach den ersten Spielen zweifelt man noch etwas und fragt sich: Warum mache ich das überhaupt? Aber spätestens nach den ersten drei Spielen hat man die nötige Sicherheit, und es macht richtig Spaß", findet sie.

Lehrgang Die Schiedsrichtervereinigung des Fußballkreises Mönchengladbach/Viersen startet am Montag, 19. September, um 19 Uhr einen neuen Anwärterlehrgang zum Schiedsrichter. An sechs Veranstaltungstagen, die im Clubheim von Fortuna Mönchengladbach stattfinden, wird das notwendige Wissen vermittelt. Vorkenntnisse sind nicht notwendig, das Mindestalter liegt bei 14 Jahren. Der kostenfreie Lehrgang schließt am 4. Oktober mit einer Prüfung in Form eines Regeltests ab. Anmeldungen an sven.heinrichs@schiedsrichter-mg.de

Quelle: RP
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