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René Krienen/Mike Schmalenberg
"Wir haben einen Schritt nach vorne gemacht"

René Krienen/Mike Schmalenberg: "Wir haben einen Schritt nach vorne gemacht"
Mike Schmalenberg (links) und René Krienen sind das Trainergespann von Borussias Frauen. Sie setzen auch in der neuen Saison auf einen jungen, hungrigen Kader mit Entwicklungspotenzial. FOTO: Grulke (Archiv)
Mönchengladbach. Borussias Trainergespann spricht über das Jahr in der Frauen-Bundesliga, die Gründe für den Abstieg und die gesammelten Erfahrungen.

Borussias Premierenjahr in der Frauen-Bundesliga ist Geschichte. Die nackten Zahlen weisen Ihr Team als Tabellenletzten aus. Aber wie war das Jahr in wenigen Worten?

Schmalenberg Es war ein emotionales, sehr lehrreiches, aufregendes, aber unter dem Strich trotz des Misserfolgs auch ein sehr schönes Jahr. KRIENEN Wir sind einfach stolz auf die Mannschaft, was sie geleistet hat. Als junges Team den Durchmarsch von der dritten in die erste Liga zu schaffen, ist keine Selbstverständlichkeit. Fast keine Spielerin hatte vorher in der Bundesliga gespielt, es gab sehr viele Premieren. Natürlich war die Qualität bei den anderen Mannschaften etwas besser, doch am Ende haben wir auch gezeigt, dass wir das Bundesliga-Niveau erreicht haben.

Aufsteiger haben in der Frauen-Bundesliga schon traditionell einen schweren Stand. Gibt es trotzdem etwas, das Sie unterschätzt haben oder von dem Sie im Nachhinein enttäuscht sind?

Krienen Enttäuschend war es, so nah dran zu sein an den Siegen und dann gar keinen Punkt zu holen. Da denke ich vor allem an die drei Spiele in der Hinrunde in Jena, Leverkusen und Duisburg, in denen wir nicht schlechter waren und die wir alle mit einem Tor Unterschied verloren haben. SCHMALENBERG Wir haben Zeit gebraucht, um die Liga anzunehmen. Aber der Wille war immer da, das Bestmögliche herauszuholen. Und in der Rückrunde hat bei uns allen ein Lerneffekt eingesetzt, wir hatten uns ein wenig an das Tempo gewöhnt. Man muss ja auch bedenken, dass die Bundesliga die stärkste Frauen-Liga ist, in der wir uns mit einigen der besten Spielerinnen der Welt messen durften.

Sind sechs Punkte im Endklassement der gerechte Lohn für die Saisonleistung gewesen?

Krienen Nein. Alleine in den eben genannten drei Spielen hätten wir auf jeden Fall ebenso sechs Punkte verdient gehabt, hinzu kommt noch der eine oder andere Überraschungspunkt gegen stärkere Teams. Ob wir damit den Klassenverbleib geschafft hätten, ist jetzt müßig zu diskutieren, aber wir hatten auf jeden Fall mehr verdient.

War letztlich die Null-Punkte-Hinrunde schon entscheidend?

Schmalenberg Wir sind natürlich hinterhergelaufen. Wenn wir früher gepunktet hätten, hätten wir auch eine andere Drucksituation auf die Konkurrenten aufbauen können. So waren wir leider lange Zeit abgeschlagen. Die Basis war in der Hinserie nicht gelegt, um voll angreifen zu können. Wir sind aber trotzdem nicht mit dem Gedanken in die Rückrunde gegangen, dass wir schon abgestiegen sind. Doch als wir unseren ersten Sieg gegen Sand geholt hatten, kam auch ein wenig die Verletztenmisere hinzu. So haben wir es leider nicht ein wenig spannender gestalten können.

Eine ganze Reihe Ihrer Spielerinnen war bereits in der Regional- oder gar Niederrheinliga für Borussia aktiv, zudem haben wie vor der Saison angekündigt eigene Talente ihre ersten Bewährungschancen erhalten. Würden Sie im Nachhinein bei der Kaderplanung etwas anders machen oder ist das der Weg, den Borussia gehen muss?

Krienen Das ist unsere Philosophie. Natürlich hat es die eine oder andere externe Verstärkung gegeben, doch unser Gesicht soll immer erkennbar sein. Wir wollen nicht groß einkaufen, sondern die eigenen Talente fördern. Sonst bräuchten wir keine so gute Jugendarbeit mit beispielsweise der U 17 in der B-Juniorinnen-Bundesliga zu machen. Mit diesem Weg haben wir es letztlich auch bis in die Bundesliga geschafft.

Was kann das Team aus diesem Jahr mitnehmen für die kommende Saison in der Zweiten Liga?

Krienen Die Handlungsschnelligkeit, die Athletik, die mentale Stärke und geistige Frische. Das wird uns in der Zweiten Liga enorm helfen, führt auf der anderen Seite aber nicht zu einer Selbstverständlichkeit, dass wir den anderen Mannschaften überlegen sein werden. SCHMALENBERG Es wird auch wichtig sein, dass die Spielerinnen auch offen und ehrlich mit sich umgehen und nochmals reflektieren, was diese Saison passiert ist. Das werden wir im Trainer- und Funktionsteam genauso machen. KRIENEN Man muss auch den Altersschnitt bedenken. Wir hatten nur ganz wenige routinierte Spielerinnen auf dem Platz, ansonsten lag der Schnitt bei 20, 21 Jahren. Und in dem Alter kann man vielleicht noch gar nicht einschätzen, wie wertvoll die Erfahrungen der vergangenen Saison einmal sein werden. SCHMALENBERG Unsere jungen Spielerinnen durften Fehler machen. Und aus Niederlagen lernt man sowieso mehr als aus Siegen. Grundsätzlich denken wir, dass wir die Situation realistisch einschätzen, wenn wir sagen, dass wir auch in der Bundesligasaison fußballerisch wieder einen Schritt nach vorne gemacht haben.

Wird es einen größeren Umbruch im Kader geben?

Krienen Klar ist, dass wir uns auf der Torhüterposition komplett neu aufstellen werden, da uns Jasmin Hamann und Christina Bellinghoven verlassen haben. Dafür werden Alissa Tolksdorf aus Essen und eine Torhüterin aus den Niederlanden zu uns stoßen. Zudem wird uns Romina Frommont Richtung 1. FC Köln verlassen. Und dann gibt es noch einige Gespräche, deren Ausgang noch offen ist. Wir werden unseren Stamm halten. Und darüber hinaus bin ich mir sicher, dass wir wieder einige hungrige, entwicklungsfähige Spielerinnen hinzubekommen werden.

Positiv ist, dass die Zweiten Frauen, die am Sonntag um 11 Uhr den MSV Duisburg II zum letzten Saisonspiel empfangen, den Verbleib in der Regionalliga geschafft haben.

Krienen Und das war immens wichtig. Auch die Zweite Mannschaft hat mit einem jungen Kader enorm wertvolle Erfahrungen gesammelt. Das Team hat sich trotz des großen Verletzungspechs und eines kleinen Kaders erfolgreich gewehrt und sich das zweite Regionalligajahr redlich verdient. Für uns ist das extrem wichtig, damit wir eine Basis für jene U 17-Spielerinnen haben, die vielleicht noch nicht direkt den Sprung in die erste Frauenmannschaft schaffen.

THOMAS GRULKE FÜHRTE DAS GESPRÄCH

Quelle: RP
 
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