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Lokalsport
Zwillinge zwischen Golfplatz und Ruderboot

Rudern/Golf. Die Weigt-Geschwister (19) betreiben Leistungssport, nur in völlig unterschiedlichen Sportarten: Stefanie rudert, Oliver spielt Golf. Von Thomas Grulke

Zuletzt hat wieder Stefanie für das sportliche Ausrufezeichen in der Familie Weigt gesorgt. Die 19-Jährige gewann bei den Deutschen Ruder-Meisterschaften am Fühlinger See in Köln die Bronzemedaille im Leichtgewicht-Doppelvierer. "Ich hatte mir schon einen Podestplatz erhofft. Auch wenn es im Doppelzweier mit dem vierten Platz etwas enttäuschend gelaufen ist, war das in meinem ersten U 23-Jahr ein guter Schritt in die richtige Richtung", sagt Stefanie Weigt. Einer der ersten Gratulanten war ihr Zwillingsbruder Oliver, der ebenfalls Leistungssportler ist, wenngleich er eine völlig andere Sportart betreibt: Während sie rudert, spielt er Golf.

"Das sind schon zwei sehr zeitintensive Sportarten, bei denen wir uns in der Familie schon immer aufteilen mussten. Meine Frau ist mit Stefanie zum Rudern gefahren, und ich habe Oliver beim Golf begleitet", sagt Vater Uwe Weigt. Der jüngste Erfolg seiner Tochter erfüllt ihn mit Stolz, schließlich rudert Stefanie erst seit drei Jahren. "Sie war schon immer eine Sportskanone und brauchte viel Bewegung", sagt Weigt.

Zunächst spielte sie jedoch Handball beim TVK, dann Fußball bei Borussia, fuhr sogar zu einem Probetraining beim Frauen-Bundesligisten Turbine Potsdam. Allerdings war das Talent auch sehr verletzungsanfällig, so dass sie sich irgendwann entnervt vom Fußball abwandte. Über eine Schul-Aktion wurde sie schließlich 2012 zufällig auf den Ruderclub Germania Düsseldorf aufmerksam. "Es hat bei einem Probetraining direkt ganz gut geklappt, ich habe mich dann auch schnell gesteigert. Und als die ersten Siege kamen, habe ich natürlich an diesem Sport festgehalten", sagt Stefanie Weigt.

Die Medaille bei den Deutschen Meisterschaften ist nun das Resultat ihres großen Trainingseifers und einer rasanten Entwicklung, die die Mönchengladbacherin schon von Düsseldorf über den Ruderclub Essen zum Ruderclub Köln führte - und nun nach Hamburg führt. Nach dem Abitur zieht die 19-Jährige zum Studium in die Hansestadt um. Dort wird sie zudem im Bundeskader trainieren. "Hamburg ist für mich die richtige Adresse, da kann ich mich ganz aufs Rudern konzentrieren", sagt Stefanie Weigt, deren nächster Höhepunkt die U 23-Weltmeisterschaft 2016 in Rotterdam werden soll. An Olympia denkt die Ruderin noch nicht. "Natürlich ist das ein Ziel, aber das liegt noch in weiter Ferne. Es gehört auch Glück dazu, im Leichtgewicht einen der wenigen Startplätze zu ergattern", sagt sie.

Die Gladbacherin ist bereit, viel dafür zu investieren. Und das bezieht sich nicht nur auf den zeitlichen Umfang. Denn für das Training im Bundeskader muss sie auch eigenes Material mitbringen. "Es ist klar, dass Stefanie nie vom Rudern wird leben können. Dafür ist der Sport aber sehr anerkannt, da können Erfolge in der Vita schon weiterhelfen. Im Golf gibt es für Oliver dagegen andere Voraussetzungen. Da geht es darum, Geld durch Preisgelder und Sponsorenverträge zu verdienen", sagt Uwe Weigt.

Seit Anfang des Jahres versucht sein Sohn, als Profi-Golfer Fuß zu fassen. Im Januar startete er gleich bei einem Turnier in Ägypten, ansonsten fehlen dem 19-Jährigen aber die finanziellen Mittel, um schon auf große Tour zu gehen. "Oliver liefert gute Ergebnisse, aber es braucht noch etwas Zeit, um alles abzurufen, was er kann. Er muss noch Erfahrungen sammeln, bis der Knoten platzt", sagt Weigt. Dass es aber auch schnell gehen kann, zeigt Oliver Weigts Ergebnis bei der Qualifikation zu den berühmten British Open, bei der dem Golf-Talent nur zwei Schläge fehlten, um das finale Qualifikationsturnier in England zu spielen.

Seine Zwillingsschwester konnte indes nie etwas mit Golf anfangen. "Ich brauche etwas zum Auspowern. Aber wir spornen uns gegenseitig an und gönnen uns die Erfolge", sagt Stefanie Weigt. Häufig treffe man sich aufgrund ihrer zeitaufwendigen Aktivitäten nicht im Hause Weigt. Doch wenn es dazu kommt, gibt es genug Gesprächsstoff - trotz der so unterschiedlichen Sportarten. "In Sachen mentaler Stärke, Ernährung oder Krafttraining gibt es ja schon einige Ähnlichkeiten. Insofern ist der Sport immer Thema bei uns", sagt Stefanie Weigt. Auch wenn sie rudert und er Golf spielt - die Weigt-Zwillinge haben durchaus ihre sportlichen Gemeinsamkeiten. Nur eben eher im Detail.

Quelle: RP
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