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Wolfgang Rombey Und Axel Tillmanns
Sportpark Rheydt - eine sehr kreative Idee

Wolfgang Rombey Und Axel Tillmanns: Sportpark Rheydt - eine sehr kreative Idee
FOTO: Reichartz,Hans-Peter (hpr)
Mönchengladbach. Der Präsident und der Geschäftsführer des Stadtsportbundes sprechen über die Situation des Sports in der Stadt und viele neue Übungsleiter.

Herr Rombey, Herr Tillmanns, 2015 war ein wichtiges Jahr für den Stadtsportbund. Es gab große personelle und strukturelle Veränderungen. Wie fällt Ihre Bilanz aus?

Rombey Zunächst war es unsere Aufgabe, neues, qualifiziertes Personal zu bekommen, weil einige langjährige Mitarbeiter neue Aufgaben übernommen haben. Wir sind jetzt wieder gut aufgestellt. Dominik Khayat kümmert sich um das Programm ,Bewegt älter werden'. Er hat eine halbe Stelle beim Landessportbund, da gibt es gute Synergieeffekte. Er war unter anderem bei Gesprächen mit der Sozialholding dabei, in denen es darum ging, Bewegungsangebote in Altenheimen einzuführen und Vereine dafür zu gewinnen. Herrmann-Josef Stefes, wie Khayat Sportwissenschaftler, kennt als Leistungssportler die Bedürfnisse der Vereine - er hat die Koordinationsstelle Offene Ganztagsschule übernommen und betreut das Programm ,NRW bewegt seine Kinder'. TILLMANNS Wir haben auch in der Ausbildung der Übungsleiter unser Angebot erweitert. Bisher gab es pro Jahr zwischen 40 und 60 neue Übungsleiter, jetzt bilden wir durch Kooperationen mit drei Berufskollegs und der Fachhochschule bis zu 180 Übungsleiter aus. Über das Berufskolleg Liebfrauenschule gewinnen wir Erzieher und Erzieherinnen als Übungsleiter, die sind dann für die Arbeit in den Bewegungskindergärten sehr geeignet. Denn gerade im Kita- und Ogata-Bereich brauchen wir mehr qualifizierte Übungsleiter.

Sie sorgen für neuen Schwung im Sport: Wolfgang Rombey (l.) und Axel Tillmanns. FOTO: Ilgner/Reichartz

Welche Rolle spielt das Flüchtlingsthema für den Gladbacher Sport?

Rombey Integration war für den Sport schon immer ein Thema. Der Sport ist integrativ, und die Werte des Sports wie Toleranz, Solidarität oder Gemeinschaftssinn und Leistungsbereitschaft machen es möglich, Menschen aus allen Kulturen zusammenzubringen. Wir hatten am vergangenen Donnerstag die Veranstaltung ,Verein(t) für Integration'. Zusammen mit der Sparkasse haben wir da Vereine belohnt, die sich um das Thema Flüchtlinge kümmern. Ich hab da noch einmal den Vereinen gedankt für die Art und Weise, wie sie sich eingebracht und geöffnet haben. Das Engagement ist da. Allerdings muss man sich im Klaren darüber sein, dass man solche Angebote nur machen kann, wenn es Möglichkeiten gibt - und das ist ja vor allem mit der Hallenfrage verbunden.

FOTO: Geo 3/ Stadt Mönchengladbach

Viele Kommunen nutzten Sporthallen als Flüchtlingsunterkünfte.

Rombey Was das angeht, bin ich der Stadt dankbar. In anderen Städten wird sofort auf Sporthallen zugegriffen. 400 Sporthallen sind es insgesamt in NRW - bei uns sind es nur drei, die mit Flüchtlingen belegt sind, und eine davon wird kurzfristig wieder frei. Hier wurden andere Lösungen gefunden. Allerdings müssen wir realistisch sein, dass, wenn der Zustrom so weitergeht, sicher wieder auf mehr aus Sporthallen für die Unterbringung zugegriffen werden muss.

Profitiert der Sport auch durch die vielen neuen Menschen, die in die Stadt kommen? Gibt es Zuwächse bei Vereinen?

Tillmanns Es gibt tatsächlich Vereine, die profitiert haben, wenn auch vorerst nicht im Sinne von direktem Mitgliederzuwachs. So hat ein Kampfsport-Klub jetzt einen ehemaligen syrischen Nationalkämpfer in seinen Reihen, also einen Mann, der viel Know-how mitbringt. So haben wir es auch in der Vergangenheit schon erlebt. Das ist für den Sport ein Mehrwert. Grundsätzlich müssen wir aber das Thema Integration im Sport neu denken. Deswegen war uns die Veranstaltung am Donnerstag auch so wichtig. Wir haben da einen Arbeitskreis Integration und Sport gegründet, um die Thematik strategisch angehen zu können: Es gibt im alltäglichen Sportleben die eine oder andere interkulturelle Hürde, die man sich bewusstmachen muss. In dem Arbeitskreis sind nicht nur Sportvereine dabei, sondern auch Menschen aus den ausländischen Kulturvereinen und dem Integrationsrat. ROMBEY Wir haben diesbezüglich auch einen Kooperationsvertrag mit dem LSB vereinbart. Wir werden ein Integrationskonzept entwickeln und spezielle Module für die Ausbildung und Fortbildung von Übungsleitern anbieten. Wir müssen einfach bedenken, dass unsere Gesellschaft bunter wird. TILLMANNS Übungsleiter sind immer auch Vorbilder, und wenn es Übungsleiter mit Migrationshintergrund gibt, hilft das jungen Sportlern, bei denen es genauso ist. Sie schauen zu diesen Menschen auf.

Wie wichtig ist da ein Fußballprofi wie Mo Dahoud, dessen Eltern früher aus Syrien geflüchtet sind, als Vorbild?

Rombey Sehr wichtig natürlich. Das Massenphänomen Fußball hat großen integrativen Wert und schafft Vorbilder. In dem Kontext muss man auch an Ibrahima Traoré denken. Er hat sich nach den Attentaten in seiner Heimatstadt sehr gut geäußert und gezeigt, welche Kraft der Sport hat.

Jenseits des Profisports braucht der Sport aber auch Geld, um seine Möglichkeiten ausleben zu können. Welche Möglichkeiten hat der Stadtsportbund, seine Angebote zu vermarkten?

Rombey Daran arbeiten wir. Die Fußballstadtmeisterschaft, die ja bald ansteht und ein großes Fest des Amateurfußballs ist, wird künftig durch Namenssponsoren präsentiert. Für dieses Jahr haben wir das Kompetenznetzwerk Insider Mönchengladbach gewonnen. Das ist ein Zusammenschluss von Handwerkern und Dienstleistern aus der Stadt. Auch die NEW steigt als Sponsor ein. So bleibt auch etwas übrig für unsere alltägliche Arbeit. Aber es gibt in der Richtung auch andere Aktionen. Mit der Volksbank haben wir ein Crowdfunding eingerichtet, um benachteiligten Kindern und Flüchtlingskindern in den Osterferien ein Sportcamp anzubieten.

Haben auch andere Stadtmeisterschaften Vermarktungspotenzial?

Rombey Ganz sicher. Golf oder Tennis haben ja ein gewisse Nähe zur Wirtschaft, da besteht sicher die Chance, wenn auch auf einem anderen Level als beim Fußball, Vermarktungsmodelle zu finden. Wir wollen natürlich den Vereinen nicht in die Quere kommen, aber das Image des Sports mit seinen Werten ist auf vielen Ebenen interessant für Unternehmen.

Wie gefällt Ihnen die Idee vom Sportpark Rheydt? Sie passt ja perfekt zum SSB-Ansatz, im alten Polizeipräsidium an der Theodor-Heuss-Straße ein Haus des Sports einzurichten.

Rombey Wir sind über das Projekt vom Sportamt informiert worden. Ich muss sagen: Es ist eine sehr kreative Idee. Wenn es solche Töpfe gibt, muss man versuchen, diese Gelder abzuschöpfen. Mit der Idee, auch einen Bewegungsparcours dort zu platzieren, und das genau auf der Grenze zwischen Gladbach und Rheydt, in der Nähe der Hochschule und dem Kreativzentrum Monforts-Quartier macht man da ein sehr gutes Angebot. Es könnte eine neue Mitte und etwas Verbindendes sein.

Das Angebot würde sich überschneiden mit dem Return Sportpark, nicht nur namentlich. Kommen Vereinssport und kommerzielle Sportangebote, die sich lange ja schwer taten miteinander, zusammen?

Tillmanns Wir arbeiten mit dem Return über unser Bildungswerk ja schon zusammen, wir machen unsere Kurse in dem Schwimmbad des Return. Da gibt es keine Berührungsängste, und beide Seiten profitieren davon.

Wie ist es generell um die Sportstättenlandschaft in der Stadt bestellt? Es gibt inzwischen viele Kunstrasenplätze, zudem an vielen Stellen kleine, öffentliche Bolzplätze. Ist die Entwicklung positiv?

Tillmanns Mit dem Fokus auf die Außenanlagen ja, die Entwicklung ist toll. Bei den Turnhallen sehe ich es nicht so. Es muss dringend an vielen Stellen etwas getan werden. Insofern hoffe ich, dass die Sportverwaltung auch da kreative Wege findet. Es ist noch Luft nach oben - aber ich muss gestehen, dass es in anderen Städten weit schwieriger ist. Das ist Meckern auf hohem Niveau.

Was steht an Projekten für das neue Jahr an? Wird es da vor allem darum gehen, die Verein zukunftsfit zu machen?

Tillmanns Es wird in Zukunft nicht mehr so leicht sein für die Vereine, Mitglieder zu gewinnen und genügend Sportler für die Mannschaften zu bekommen. Das wird gerade bei kleineren Vereinen nur gehen, wenn sie darüber nachdenken, Dinge zusammenzulegen. Da ist es nicht schlecht, wenn wir als Stadtsportbund das vorleben. Wir müssen Synergieeffekte nutzen und haben damit bereits angefangen. Zum Beispiel mit unserer Kooperation mit der Hochschule. Aber die Vereine müssen auch wissen, dass es für manche Angebote auch nicht immer einer Sporthalle sein muss. Ein Yoga- oder Pilates-Angebot kann man auch in anderen Rahmenbedingungen anbieten. Darum werden wir den Vereinen weiter empfehlen, sich zu öffnen. ROMBEY Im neuen Jahr wird es auch ein neues Bestandserhebungs-Verfahren geben, das es den Vereinen leichter machen wird. Das Verfahren wird vereinheitlicht, das spart Zeit und Ärger, den es bisher oft gab. Die Datenerhebungen von LSB und Stadtsportbund wurden zusammengelegt, auch die Bedürfnisse der Stadt wurden eingebettet.

Was würde eine Datenerhebung inhaltlich ergeben? Sind die Vereine fit für die Zukunft?

Rombey Zunächst einmal muss man sagen: Jeder Verein hat seine Berechtigung. Aber Vereine sollten kein Closed-Shop sein, das ist leider oft so. Der Sport muss offen sein und sich entwickeln. Das müssen die Vereine spiegeln. TILLMANNS Was wir aber schon herauslesen können aus den Kontakten zu den Vereinen, ist die klare Tendenz, sich zu öffnen. Es wird an vielen Stellen über Kooperationen mit Schulen, Kindergärten, Altersheimen oder vielleicht auch Unternehmen nachgedacht. Dazu trägt auch die Flüchtlingskrise bei. Die Vereine stellen sich die Frage: Wer ist denn mein Mitglied in zehn Jahren? Und kann das auch der Flüchtling sein, der gerade vor meiner Tür steht? Wo liegen da die Chancen? Was kann er vielleicht als Ehrenamtler beitragen? So können auch neue Ideen in die Vereinslandschaft reinkommen. Das Ganze ist hochspannend. Unsere Vereine schlagen sich da sehr gut. ROMBEY Wir versuchen ihnen ein Vorbild zu sein, gerade, was das Querdenken angeht. Der Mönchengladbacher Karnevalsverein hat uns angesprochen, mit einer Fußgruppe beim Veilchendienstagszug dabei zu sein. Wir werden darüber mit unseren Vereinen sprechen. Das wäre eine gute Gelegenheit der Stadt zu zeigen, welche Vielfalt der Sport in unserer Stadt hat.

KARSTEN KELLERMANN FÜHRTE DAS INTERVIEW MIT WOLFGANG ROMBEY UND AXEL TILLMANNS

Quelle: RP
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