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Mönchengladbach
Stadt will Waldgräber und Kolumbarien

Mönchengladbach: Stadt will Waldgräber und Kolumbarien
Eine Gräberreihe auf dem städtischen Hauptfriedhof - immer weniger Menschen lassen sich auf den städtischen Friedhöfen beerdigen. FOTO: Detlef Ilgner
Mönchengladbach. Nur noch gut die Hälfte der verstorbenen Gladbacher wird auf einem städtischen Friedhof bestattet. Darum soll es in der Stadt künftig weniger Friedhofsfläche, dafür aber neue Angebote geben. So legt es ein Rahmenkonzept von Mags fest. Von Ralf Jüngermann

Die letzte Friedhofsbedarfsplanung hat die Stadt 1977 gemacht. Schon seit 15 Jahren drücken sich Politiker jedweder Couleur um die unangenehme Aufgabe, ein neues Konzept für die städtischen Friedhöfe zu beschließen. Das ist dringend nötig, weil längst deutlich weniger Menschen auf den städtischen Friedhöfen beerdigt werden und sich sowohl die Ansprüche an Beerdigungen als auch die Konkurrenz markant verändert haben. Zwei Drittel der Bestattungen sind Urnenbestattungen. Das erklärt den großen Erfolg von Grabeskirchen, wie sie Privatunternehmen und Kirchen betreiben. Immer mehr Menschen haben die wohl berechtigte Sorge, dass niemand über 25 oder 30 Jahre ihre Gräber pflegen wird. Auch die hohen Kosten treiben viele um.

Der Stadtbetrieb Mags hat die Aufgabe der Friedhofsverwaltung von der Stadt übernommen. Die städtische Tochter hat jetzt ein erstes Rahmenkonzept vorgelegt und vom Verwaltungsrat beschließen lassen. Zwei Ziele will es erreichen: das Angebot auf den städtischen Friedhöfen erweitern und überflüssige Fläche abbauen. Letzteres ist der Grund, warum das Thema prekär ist. Friedhöfe zu schließen ist ähnlich undankbar wie die Aufgabe einer Schule. Klar ist aber auch, dass die Stadt erheblich zu viel Friedhofsfläche hat. Die ist dann zum Teil auch noch parkähnlich angelegt, was schön, aber auch im Unterhalt sehr teuer ist. Die Schließung von ganzen Friedhöfen sieht das Konzept nicht vor. Auf dem Hauptfriedhof nördlich der Bahnlinie und dem Hardter Friedhof jenseits der Unterführung hat Mags aber Flächen identifiziert, die über kurz oder lang aufgegeben werden können. Über kurz bedeutet: Dort wird es ab sofort keine weiteren Bestatttungen geben. Und über lang bedeutet: Wenn dort irgendwann nur noch wenige Tote liegen, werden diese - mit Zustimmung der Angehörigen - umgebettet.

"Ein Friedhofskonzept setzt man nicht in Monaten um. Das dauert etliche Jahre", sagt Hans Jürgen Schnaß, Vorstandsvorsitzender von Mags. Und man habe zunächst ja auch nur einen ersten Rahmenplan gemacht, der nun weiterentwickelt und bei der Frage von Flächenreduzierung am Ende von den politischen Gremien beschlossen werden soll. "Dafür haben wir uns mit denen zusammengesetzt, die täglich mit dem Thema zu tun haben: Bestatter, Steinmetze und Friedhofsgärtner", berichtet Schnaß. Das Ergebnis: Die städtischen Friedhöfe wollen mehr Service anbieten und ihre Palette erweitern. "Unser Angebot muss attraktiver werden, um gegenüber Grabeskirchen, konfessionellen Friedhöfen und Beerdigungsarten in den Niederlanden zu bestehen", so Schnaß. Baum- und Waldgrabstätten für Urnen sowie Rasengräber gehören ebenso zum Konzept wie Urnenkammern und Kolumbarien in bestehenden Gebäuden wie Totenhallen. Auch flexiblere Nutzungsrechte, zum Beispiel die Entkoppelung der Ruhefristen von Sarg und Urne, flexiblere Gestaltungsvorschriften, Rasengräber und Patenschaftsgräber gehören zum Vorschlag. Den versteht Schnaß nicht als abgeschlossenen Plan. "Friedhofsplanung ist Konzeptplanung. Wir werden das Konzept permanent weiter entwickeln. All das mit der Behutsamkeit, die dieses Thema erfordert", so der Mags-Chef. Die ersten kurzfristigen Ziele werden ab sofort umgesetzt.

Quelle: RP
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