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Jahresempfang
Kriegsdienstverweigerer als Ehrengast bei den Reservisten

Mönchengladbach. Ein Kriegsdienstverweigerer als Ehrengast beim Reservistenverband der Bundeswehr? Der traditionelle Jahresempfang der Reserve im Hotel Heidehaus an der Viersener Straße und der neue Mönchengladbacher Polizeipräsident haben diese überraschende Kombination möglich gemacht: Mathis Wiesselmann hatte zu Zeiten der Wehrpflicht als junger Mann die Ausnahme von der Regel gewählt und Zivildienst bei der Arbeiterwohlfahrt geleistet - anders als sein Vorgänger Hans-Hermann Tirre, der als Oberstleutnant der Reserve zum Empfang seine Luftwaffen-Uniform angezogen hatte.

"Wir kämpfen auch dafür, dass Du gegen uns sein kannst", zitierte der Ehrenvorsitzende der Kreisgruppe Niederrhein, Oberst d.R. Helmut Michelis, ein aktuelles Bundeswehr-Werbeplakat. Die damalige Möglichkeit der Kriegsdienstverweigerung aus Gewissensgründen habe eine meinungsoffene Demokratie von finsteren Diktaturen unterschieden und lebens- und schützenswert gemacht. "Dafür setzen wir uns in der Gesamtheit ein, Sie bei der Polizei, wir im Reservistenverband. Und wir haben heute Abend erst recht Gesprächsstoff, wenn unser Ehrengast unsere Uniform niemals tragen wollte, aber heute der Vorgesetzte von etlichen Hundert bewaffneten Beamten ist, umgerechnet ein früheres Heimatschutz-Bataillon."

Der Reservistenempfang, der traditionell vom Vorsitzenden der Offiziervereinigung, Oberstleutnant d.R. Wolfgang Hüskes, geleitet wird, stellt jedes Jahr einen anderen Prominenten in den Mittelpunkt - mit erstaunlicher Dienstgradbreite. So war im vergangenen Jahr in Oberbürgermeister Hans Wilhelm Reiners ein Hauptgefreiter der Reserve der Luftwaffe der Ehrengast, in den Vorjahren auch Ein-, Zwei- oder gar Drei-Sterne-Generale wie Generalleutnant a.D. Götz Gliemeroth.

Der Empfang sorgt alljährlich am Rande für ein Wiedersehen alter Bekannter, diesmal mit dem früheren Beigeordneten und Ordnungsdezernenten Peter Holzenleuchter, dem Ex-Beauftragten des Technischen Hilfswerks, Edgar Peters, dem Gründer des Deutschen Hilfsdienstes, Manfred A. Schumann, dem Terrorismus-Experten Rolf Tophoven und dem einstigen Feuerwehr-Chef von Krefeld, Herbert Mohaupt, der heute als Pensionär in Erfurt lebt.

Angesichts der aktuellen Sicherheitslage musste sich Mathis Wiesselmann, in dessen Präsidium die Sicherheitspolitischen Foren des Reservistenverbandes stattfinden, vielen Fragen stellen. In diesen schwierigen Zeiten sei die Polizei ein die Gesellschaft stabilisierender Faktor, auf den sich die Bürger verlassen könnten, betonte der Polizeipräsident, und setzte hinzu: "Wir verfolgen Straftaten, aber keine Volksgruppen." Er empfahl, den Notruf 110 nicht erst dann zu wählen, wenn bereits etwas geschehen ist, sondern bereits bei einem konkreten Verdacht.

HELMUT MICHELIS

Quelle: RP
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