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Mönchengladbach
Die Parade mit Eseln und Schnuller-Drachen

Impressionen vom Stadtschützenfest
Impressionen vom Stadtschützenfest FOTO: Ilgner Detlef
Mönchengladbach. Was für ein Stadtschützenfest! Der Gladbacher Papst segnet aus seinem Krankenzimmer. Echte Esel und ein fast echter Siegfried in kurzen Hosen sind dabei. Ein zweijähriger Drachen rührt die Zuschauer. Lürrip hat einen Lauf. Und das Europa-Königspaar ist beeindruckt. Von Ralf Jüngermann und Angela Rietdorf

Dieser Drachen war ob seines Charmes unbesiegbar. Daria Kremer (2) war im Drachenkostüm die Jüngste bei der Parade des Stadtschützenfestes - und doch die Größte. Spätestens als sie mit rosa Schnuller fröhlich winkte, schmolzen auch die letzten Zuschauer in der Gladbacher Innenstadt hin. Und Bürgermeister Michael Schroeren, der mit wallendem blonden Haar und römisch-kurzen Hosen als Siegfried das Rheingold nach Gladbach bringen sollte, mochte sich mit diesem Drachen lieber nicht anlegen. Daria stammt aus der Gladbacher Schützenfamilie schlechthin. Papa Michael war vor drei Jahren selbst Bezirkskönig. Und mit Merle, Tom und Oliver ritten drei der fünf Geschwister von Daria gestern sichtlich stolz auf Ponys bei der großen Parade mit.

Dieses Stadtschützenfest hatte eine Reihe emotionaler Höhepunkte. Bei der Serenade zum Auftakt zeigte sich der erkrankte Schützenpräses Johannes van der Vorst seinen Brauchtumsfreunden vom Krankenzimmer des Maria Hilf aus. Ganz in weiß segnete er die Schützen. Und wer jemals daran gezweifelt haben sollte, ob Gladbach eigentlich einen eigenen Papst hat, weiß es nun mit letzter Gewissheit. Auch die Verleihung des Goldenen Sterns zum St. Sebastianus-Ehrenkreuz für den schwerkranken Heinz-Josef Esser beim Ball der Majestäten ging der Schützen-Familie ans Herz.

Stadtschützenfest Mönchengladbach

Den weitesten Weg zum Stadtschützenfest hatten Berta und Josef Lohninger. Das amtierende Europa-Königspaar kam aus dem Salzkammergut nach Mönchengladbach. "So groß werden die Schützenfeste bei uns nicht gefeiert", sagte Josef Lohninger. Und mit so viel Gaudi wohl auch nicht. Bezirksbundesmeister Horst Thoren ließ - angesichts der Esel auf dem Sonnenhausplatz - zwei echte Esel auffahren und mitparadieren. "Die heißen Cassiopeia und Cibetto - oder wenigstens so ähnlich", ließ Thoren die Zuschauer wissen. Oberbürgermeister Hans Wilhelm Reiners durfte sich - mit durchwachsenem Erfolg - als Esel-Dompteur versuchen. Esel bei der Parade sind was ganz Neues. Ein reitendes Prinzenpaar in Schützenuniform allerdings auch. Barbara Gersmann und Norbert Bude sind beide passionierte Reiter und machten eine gute Figur bei der Parade. Morgens hatten viele Brauchtumsfreunde noch sorgenvoll aus dem Fenster geschaut. Doch das Donnergrollen und der heftige Regen waren wohl nur die Kulisse für Siegfrieds Heldentaten. Als der offizielle Teil des Stadtschützenfestes begann, war der Himmel wie von Geisterhand helden-blau. Das langte zwar nicht mehr, um so viele Schützenfreunde wie sonst in die Stadt zu locken. Aber 30.000 an den beiden Tagen waren nach Angaben der Polizei doch unterwegs.

Fast ein bisschen unheimlich war am Samstag auch die Prognose des Bezirksbundesmeisters gewesen. "Der Holzvogel zeigt Ermüdungserscheinungen", stellte Horst Thoren nach dem 107. Schuss fest mit Kennerblick fest. Und tatsächlich fiel er nach dem nächsten Schuss, den die Lürriper Majestät Marc Gülzow abgegeben hatte. Der konnte kaum fassen, dass er den Vogel abgeschossen hat. Der Jubel seiner Lürriper Schützenbrüder war verständlich. Schließlich haben sie einen echten Lauf. Auch der letzte Bezirkskönig Christoph Korsten ist Mitglied der Pfarrbruderschaft St. Petrus und Paulus. Grund zur Freude hatten aber auch die Hardterbroicher, denn deren Präsident Rolf Lutterberg ist der Schwiegervater des Bezirkskönigs. Der neue Bezirkskönig ist Mitglied gleich zweier Bruderschaften: in Lürrip und Hardterbroich. Der 36-Jährige ist Busfahrer und trainiert die B-Jugend in Lürrip. Und auch bei den Ministern gibt es eine Besonderheit: Heinz Ritters von der St. Hubertus Bruderschaft Wickrathhahn ist SPD-Ratsherr. Ebenfalls Minister ist Tilman Sehlen vom Bürgerschützenverein St. Hermann-Josef Speick.

Das war der Vogelschuss beim Stadtschützenfest FOTO: Mario Winkler
Quelle: RP
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