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Mönchengladbach
Stark durch Kooperationen

Mönchengladbach. 1998 entstand die NVV durch die Fusion dreier Unternehmen. Nur zwölf Jahre später gehört sie bereits zu den größten Energieversorgern des Landes. Speziell im Bereich Wasserwirtschaft liegt Potential für weitere Partnerschaften und Beteiligungen. Von Jan Schnettler

Ob die Menschen in Tüddern um die Existenz von Hemmerden und Genholt wissen, ist fraglich – und umgekehrt dürfte es kaum anders sein. Selbst wenn man die Städte und Gemeinden nennt, zu denen diese Ortschaften zählen – Selfkant, Grevenbroich und Brüggen – ist nicht ausgeschlossen, dass sie am anderen Ende des Gebiets, das die Niederrheinische Versorgung und Verkehr AG (NVV) mittlerweile abdeckt, nach kaum mehr als böhmischen Dörfern klingen.

Denn dieses Gebiet ist seit der Gründung des Unternehmens im Jahr 1998 so sehr gewachsen, dass sich der Konzern binnen kurzer Zeit zum siebtgrößten Strom- und sechstgrößten Gasversorger in Nordrhein-Westfalen mauserte. Möglich machte dies nicht zuletzt eine Reihe von Kooperationen und Fusionen.

Wachstum rund ums Kerngebiet

"Wir wachsen in der Region, um unser Kerngebiet Mönchengladbach herum", sagt NVV-Vorstandsvorsitzender Friedhelm Kirchhartz. Beteiligungen in Gebieten, die nicht an den Niederrhein grenzen, seien nicht geplant, da nicht sinnvoll: "Die Kunst liegt schließlich darin, innerhalb eines organischen Gesamtgeflechts Synergien zu nutzen." Dabei sollten die Alleinstellungsmerkmale der Tochter- und Beteiligungsgesellschaften und deren gewachsene Vor-Ort-Beziehungen gewahrt werden.

Die NVV selbst ging vor zwölf Jahren aus einer Fusion der RWE Regionalversorgung Mönchengladbach, der Niederrheinische Licht- und Kraftwerke und der Stadtwerke Mönchengladbach hervor. Aktionäre sind zu je 50 Prozent die RWE Rheinland Westfalen Netz AG und die Stadt (34,17 Prozent der Anteile hält die Entwicklungsgesellschaft, 15,83 Prozent die Stadt). 2002 begann die Expansion über die Grenzen Gladbachs hinaus: Die NVV übernahm den 50-Prozent-Anteil der Stadt Erkelenz an der Westdeutsche Licht- und Kraftwerke AG, die ein Jahr später wiederum mit den Kreiswerken Heinsberg zur West fusionierte. Heute hält die NVV 50 Prozent an der West.

Ebenfalls seit 2002 orientiert sich die NVV nach Osten – über eine Beteiligung an den Wirtschaftsbetrieben Grevenbroich. 2003 wurde eine Laborgesellschaft mit den Stadtwerken Neuss gegründet. Bis 2006 erwarb der Konzern 50 Prozent der Anteile an den Niederrheinwerken Viersen, mit der im selben Jahr die gemeinsame Tochter Niederrheinwasser gegründet wurde. Daran hält die NVV 73 Prozent der Anteile. Über die Niederrheinwerke ist die NVV auch an der Erdgasversorgung Schwalmtal (EVS) beteiligt. Zum 1. Januar dieses Jahres erhöhte die NVV ihre Beteiligung an der Gas- und Wasserwerk Grevenbroich GmbH (GWG) von 50 auf 60 Prozent. Im Gegenzug ermöglichte sie es der GWG, ihren Kunden künftig auch Strom anzubieten.

"Speziell im Bereich der Wasserwirtschaft sehe ich noch Potential für weitere Kooperationen", sagt Kirchhartz. Vor einigen Jahren habe einmal ein Großprojekt "Wasserversorgung Rhein-Maas" im Raum gestanden; daraus wurde jedoch nichts. "Mittel- bis langfristig ist dieses Thema aber zumindest in der Region Krefeld, Gladbach und den Kreisen Neuss und Viersen wasserwirtschaftlich sinnvoll und sollte gemeinsam gelöst werden", sagt Kirchhartz.

Eine Erweiterung der wasserwirtschaftlichen Kooperation im Kreis Neuss mit den Kreiswerken Grevenbroich und Stadtwerken Neuss rangiere dabei auf der Wunschliste der NVV ganz oben: "Aber das sind schwierige, langwierige Prozesse." Andererseits sei der Markt sehr dynamisch geworden: "In fünf Jahren kann sowohl im Wasser- als auch im Energiebereich schon alles ganz anders aussehen." Der Druck von außen auf Kooperationen durch Wettbewerb und Regulierung werde weiter zunehmen.

Auch jenseits des Wasser-Bereichs zeigt sich die NVV aktiv. So ist das Unternehmen etwa als Beteiligungspartner am geplanten RWE-Steinkohlekraftwerk in Hamm beteiligt, ferner virtuell am neuen Block des Braunkohlekraftwerks Grevenbroich-Neurath. Absicht ist dabei, einen Teil des Strombezugs von den Börsenschwankungen abzukoppeln. Die vorrangigen Ziele der NVV benennt Kirchhartz jedoch wie folgt: Sicherung des Stammversorgungsgebietes durch Abschluss von neuen Verträgen mit den Kommunen, bei denen die Konzessionen für Strom und Gas auslaufen, Ausbau der Position der Niederrheinwerke, weitere Kooperationen bei der Wasserproduktion am Niederrhein sowie im Westen (Heinsberg, Aachen, Düren) bei der Energieversorgung mit den benachbarten Unternehmen in den Bereichen Netze, Beschaffung und Vertrieb.

Die Serie "Neue Energie" ist eine Kooperation von NVV und Rheinischer Post.

Quelle: RP
 
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