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Schwerpunkt Parken
Start-up plant das Parken der Zukunft

Schwerpunkt Parken: Start-up plant das Parken der Zukunft
Samuel Spaltner (li.) von Scheidt & Bachmann und Tobias Weiper von Evopark im Parkhaus an der Stepgesstraße. Über das Gerät oben rechts werden die Chipkarten, die etwa an der Windschutzscheibe angebracht sind, gelesen. FOTO: Raupold
Mönchengladbach. Dank der Firma Evopark kann man in Kürze im Parkhaus Stepgesstraße ein- und ausfahren, ohne ein Ticket zu ziehen - und am Monatsende bargeldlos bezahlen. In Düsseldorf ist das ein Erfolgsprojekt. Mit im Boot ist Scheidt & Bachmann. Von Jan Schnettler

Manchmal zahlt sich Beharrlichkeit aus. Immer wieder klingelten bei Scheidt & Bachmann die Telefone, und zwar die unterschiedlichsten. "Die Jungs sind durchaus ein paar Mal abgeblitzt, aber irgendwann bekamen sie einen Termin", sagt Samuel Spaltner, Leiter Deutschland, Österreich und Schweiz bei dem Mönchengladbacher Hersteller von Park-, Tank-, Bezahl-, Signalsystemen sowie Freizeitanlagen, und lacht. Denn wenig später war man sich dann handelseinig. "Die Jungs" hatten nämlich eine ziemlich pfiffige Idee im Gepäck.

Es handelte sich um die Gründer von Evopark, einem studentischen Start-up aus Köln. Ihr Grundgedanke: Mit den Einkaufstüten im Arm nach dem Parkticket zu kramen ist unangenehm und lästig. Noch unangenehmer und lästiger ist es eigentlich nur noch, abends im dunklen Parkhaus nach Kleingeld für den Parkautomaten zu suchen. "Wir wollten das Parken einfacher machen, nämlich digital und berührungslos", sagt Mitgründer Tobias Weiper. Und das ist Evopark gelungen - mit einer Chipkarte, die beispielsweise an der Windschutzscheibe angebracht ist und im Parkhaus die ticketlose Ein- und Ausfahrt erlaubt. Die Rechnung kommt am Monatsende per Post und kann per Kreditkarte, Lastschrift oder Paypal beglichen werden.

"An ähnlichen Ideen haben sich schon andere versucht, ohne große Erfolge", sagt Spaltner. Doch die vier BWL-Absolventen, die mit einem theoretischen Uni-Projekt begannen und ihr Unternehmen vor zwei Jahren gründeten, hatten eine zusätzliche Idee. Sie holten den Einzelhandel und die Gastronomie mit ins Boot, die Rabatte gewähren: Während die Parkkarten für Kunden kostenfrei sind, können Händler etwa Gutschrifttickets für die Parkgebühr erwerben und diese an ihre Kunden weitergeben - das bringt ihnen mehr Frequenz. Und die Parkhausbetreiber zahlen eine geringe Gebühr dafür, dass wiederum mehr Kunden in die Parkhäuser kommen. Denn auch das haben die Evopark-Gründer festgestellt: "Parken verursacht einerseits 30 Prozent des innerstädtischen Verkehrs. Andererseits suchen Autofahrer aber lieber am Straßenrand nach Parkplätzen, während in Parkhäusern selbst an starken Tagen meist noch viele Stellplätze frei sind", sagt Weiper.

Konkret funktioniert das mittlerweile preisgekrönte digitale Parken so: Man registriert sich in einer App, kann darin Parkhäuser mit freien Plätzen finden und diese befahren, ohne jemals den Fensterheber zu betätigen. Die Schranken öffnen sich stattdessen dank der auf dem Chip der Karte hinterlegten RFID-Technologie. Das funktioniert, weil das Evopark-System vollständig in die Scheidt-&-Bachmann-Plattform Entervo integriert ist; das Lesegerät wird an in Nähe der Schranken angebaut. "Pro Parkhaus fallen Umrüstungskosten von 10.000 bis 15.000 Euro an", sagt Weiper.

In Düsseldorf ist all das schon überaus erfolgreich ausgetestet worden. Die Landeshauptstadt erkoren Evopark und Scheidt & Bachmann Anfang 2015 zu ihrem Pilotmarkt. Mehr als ein Dutzend Parkhäuser großer Betreiber wie Q-Park sind dort bereits mit dabei, beispielsweise am Carsch-Haus, am Stilwerk, am Hauptbahnhof, in Oberkassel und an der Uni-Klinik. Und im Carsch-Haus, aber auch bei Unternehmen wie Douglas oder Montblanc an der Kö, wird die Parkgebühr erstattet.

Erfolge verzeichnete Evopark daraufhin auch in Koblenz. Und nun sollen binnen sechs Monaten 20 Städte neu dazu kommen - darunter als eine der ersten Gladbach. "Wir starten in den nächsten Tagen mit dem Parkhaus Stepgesstraße 21 des Betreibers B+B", sagt Weiper. Weitere sollen zügig dazukommen, bevor es an den europaweiten Roll- out geht. Aus dem Vier-Mann-Start-up mit Firmensitz in der WG ist deswegen auch bereits ein Unternehmen mit eigenen Räumen, sieben Festangestellten und vier Werksstudenten geworden. Die Umsätze des über Investoren finanzierten Start-ups seien bereits beachtlich, aber: "Momentan schreiben wir noch hohe Verluste. Doch ab Ende 2017 könnte der Punkt kommen, an dem wir Geld verdienen", so Weiper.

Dabei soll nicht zuletzt auch die kostenpflichtige Business-Variante für Firmenkunden und deren Flotten helfen. Und Kooperationen wie mit der Axa-Versicherung, die für ihre Kunden über Evopark individualisierte Parkkarten erstellen ließ, oder mit der Düsseldorfer EG, die für ihre Fans ebenfalls eigens designte "Evotags" anbietet. Und Borussia? "Wir haben da schon angefragt", sagt Weiper. "Aber man gab sich zögerlich. Vielleicht ist Bundesligafußball momentan noch eine Nummer zu groß für uns." Vielleicht zahlt sich ja am Ende auch hier die Beharrlichkeit aus: "Unser erklärtes Ziel ist es jedenfalls, Europas führende digitale Plattform für Parkhäuser zu werden."

Quelle: RP
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