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Statt "Abi light" gab es zwei Gütesiegel

Impressionen aus dem Leben von Bernd Schäferhenrich
Impressionen aus dem Leben von Bernd Schäferhenrich FOTO: KN
Mönchengladbach. Bernd Schäferhenrich stand ein Vierteljahrhundert an der Spitze der Gesamtschule Hardt. Er leistete Pionierarbeit und kämpfte gegen ein Vorurteil - beides erfolgreich. Die Schule bekam viele Auszeichnungen. Sie ist zum Beispiel "Eliteschule des Fußballs". Von O. E. Schütz

"Bei Ihnen gibt es doch nur Abi light" - sprich Abitur mit weniger Anspruch an die Leistungen der Schüler: Dieses Vorurteil hat Bernd Schäferhenrich immer auf die Palme getrieben. Tatsächlich hatte diese Schulform es lange schwer, die rechte Anerkennung ihres Abschlusses zu finden. Ob an Universitäten, in der Wirtschaft oder bei Eltern: Das Vorurteil war nicht so einfach aus den Köpfen zu bekommen. Bernd Schäferhenrich hat 20 Jahre für die gerechte Anerkennung gekämpft. Und ist froh, dass es mittlerweile auch in NRW das Zentralabitur mit gleichen Vorgaben für Gymnasien und Gesamtschulen gibt: "Damit hat sich das Vorurteil Gott sei Dank erledigt. Dabei hat es Abi light bei uns nie gegeben."

Bernd Schäferhenrich, 63 Jahre, war von 1990 bis Mai 2014 Leiter einer Mönchengladbacher Parade-Gesamtschule: der in Hardt. Er hat damals ihre Gründung als "provisorischer Schulleiter" unter nicht einfachen Umständen vorbereitet. Und darf heute stolz darauf sein, dass sie hohe Attraktivität genießt und sich ihre Schüler unter zahlreichen Bewerbungen aussuchen kann - unabhängig vom generell weiter wachsenden Zug zu dieser Schulform: "Immer mehr Eltern sehen, dass eine Gesamtschule über Jahre herausfinden kann, welcher Abschluss für ein Kind richtig ist, und es hier auch nicht so unter Versetzungsdruck steht wie an den Gymnasien", sagt Schäferhenrich.

In Hardt wird aber auch vom Kollegium intensiv gearbeitet für dieses Ansehen. Da ist nicht nur die publikumswirksame Nähe zu Borussia mit dem Gütesiegel "Eliteschule des Fußballs", das die Gesamtschule gemeinsam mit dem Verein, dem Gymnasium Rheindahlen und dem Berufskolleg Volksgarten trägt.

"Die Zusammenarbeit mit Borussia begann vor etwa 15 Jahren, als der damalige Sportdirektor Christian Hochstätter kam und fragte, ob wir Schüler des Vereins aufnehmen könnten", sagt Schäferhenrich. Die Schule wollte, und es entwickelte sich über Jahre eine immer engere Zusammenarbeit bis hin zur heutigen Eliteschule. "Es geht dabei nicht nur darum, den Schülern optimale Voraussetzungen für Sport neben und mit der Schule zu bieten, sonder ihnen zu vermitteln, dass auch das Leben außerhalb des Fußballs wichtig ist", betont Schäferhenrich: Nur etwa drei Prozent der geförderten Junioren Borussias schaffen es tatsächlich in den Profibereich.

Hardt wurde zudem unter Bernd Schäferhenrichs Leitung zertifizierte "Europaschule". Es werden fünf Fremdsprachen unterrichtet: Englisch, Französisch, Latein, Spanisch, und es gibt sogar eine Chinesisch-Arbeitsgemeinschaft. Ergänzt wird dies durch zweisprachige (bilingual, sagt man gerne) Inhalte: Dabei werden für einen Teil der Schüler die Fächer Erdkunde, Geschichte und Politik mehr und mehr auf Englisch unterrichtet. Und es gibt einen regelmäßigen Austausch mit Partnerschulen nicht nur quer durch Europa: in Warschau, Eindhoven, London, Lyon, Madrid - und in Peking!

"Und dies als Stadtteilschule, deren Schüler zu zwei Dritteln Fahrschüler sind", sagt Bernd Schäferhenrich. "Da muss man schon einiges bieten, was die Schule heraushebt." Zertifizierte Sportschule NRW, Europaschule und nun noch NRW-Sportschule sind dabei nicht alles. Weitere Beispiele sind die Renovierung eines heruntergekommenen Gebäudes auf dem Gelände der damaligen Hardterwaldklinik, weitgehend in Eigenleistung, zur "Hardter Waldschule" oder auch die vielfach bundesweit ausgezeichnete Schülerzeitung "Standpunkt".

Der Anfang in Hardt war ein Stück Pionierarbeit gewesen. Es war 1990 die dritte Gesamtschule der Stadt. Schäferhenrich hatte zwei Jahre an der Rheydter Espenstraße unterrichtet, ehe er als zunächst kommissarischer Leiter nach Hardt geschickt wurde. "Dort gab es anfangs nur ein Provisorium. Wir mussten uns das Gebäude mit der auslaufenden Hauptschule Hardt teilen und hatten so anfangs zwei Schulformen mit unseren kleinen Fünftklässlern der Gesamtschule und wesentlich älteren Hauptschülern unter einem Dach. Und es gab keine Mensa für den Ganztagsunterricht", erzählt Bernd Schäferhenrich. "Da war sehr viel Abstimmung mit den beiden anderen Schulleitern, Margret Wulf und Rolf Deckers, nötig. Ich kam gewissermaßen als Verdränger. Doch wir haben uns sehr gut arrangiert und prima zusammengearbeitet."

Und dann bekam die Gesamtschule Stück für Stück ihr passendes Zuhause. In drei Abschnitten wurde neu gebaut, als Letztes 2006 die Sporthalle - nach 16 Jahren mit zeit- und nervenzehrenden Busfahrten zum Sportunterricht in anderen Hallen, quer durch die Stadt. "Wir haben unablässig gedrängt. Und die Politik hat mitgezogen, im Rahmen ihrer engen Möglichkeiten", sagt Schäferhenrich. Als von den Kollegen gewählter Sprecher der heute sechs Mönchengladbacher Gesamtschulen saß er viele Jahre im Schulausschuss des Stadtrats, weiß also um die finanziellen Probleme.

Umso stolzer ist er auf seine ehemalige Schule, die auch nach Anregungen und Wünschen des Kollegiums und der Eltern entstand: "Sie ist ein echtes Schmuckstück, heute noch. Was nicht zuletzt daran liegt, dass die Schüler um diesen Wert wissen und pfleglich damit umgehen. Wobei man ihnen auch dies beibringen kann."

Quelle: RP
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