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Mönchengladbach
Stell Dir vor, es ist Länderspiel . . .

Mönchengladbach. Mit Ach und Krach bekommt der DFB für das heutige Länderspiel im Borussia-Park 20.000 Tickets verkauft. Zu sehen gibt es wohl vor allem Nachwuchskräfte. Trotzdem nützt das Spiel der Stadt. Von Ralf Jüngermann und Ludwig Krause

Sollten Sie kurzfristig Lust verspüren, Bastian Schweinsteiger heute bei seiner letzten Ehrenrunde im Nationaltrikot zuzujubeln - Sie könnten noch Ihren ganzen Stadtteil mitnehmen. Für das sportlich bedeutungslose Spiel gegen Finnland gibt es nämlich noch ganze Blöcke, für die bisher keine einzige Karte verkauft wurde. Gerade einmal 18.000 Tickets hatte der DFB bis zum Sonntag abgesetzt.

Deswegen nutzte Team-Manager Oliver Bierhoff jüngst die Auslosung der nächsten DFB-Pokal-Runde in der ARD, an die Mönchengladbacher zu appellieren, zum Länderspiel zu kommen. Trotz Schlussspurts und allerlei kurzfristiger Marketingaktionen, werden heute wohl nicht viel mehr als 20.000 Zuschauer im Stadion dabei sein. Wer jetzt noch eine Karte im Oberrang haben will, wird in den Unterrang gesetzt, damit das Stadion wenigstens bei der TV-Live-Übertragung nicht ganz so leer wirkt, wie es tatsächlich ist.

Bislang war der Borussia-Park für den DFB eine Bank. Bei den bisherigen fünf Länderspielen war es - obwohl die Gegner nicht zur allerersten Riege zählten - vier Mal mit über 40.000 Besuchern richtig voll. Allein beim Spiel gegen Australien 2011, für das Bundestrainer Jogi Löw viele seiner Stammspieler schonte, kamen nur 30.000 Fans. Das Spiel heute wird also der absolute Negativ-Rekord in der Gladbacher Länderspielgeschichte.

Völlig überraschend kommt das indes nicht. Der wenig attraktive Gegner wurde vergleichsweise spät bekannt gegeben. Der Bundestrainer hat zuletzt bei Freundschaftsspielen oft nicht die erste Garde aufs Feld geschickt. Und auch diesmal hat er nicht gerade den Eindruck erweckt, als habe dieses Spiel eine messbare Bedeutung. Kein Borusse steht im Kader. "Nach einem Turnier haben wir häufig mal festgestellt, dass die Nationalmannschaft nicht so im Vordergrund steht. Ich hoffe, dass am Mittwoch noch einige Zuschauer mehr da sein werden. Sie bekommen eine junge Mannschaft mit Perspektive zu sehen, das ist doch auch spannend", sagte Löw. Innenverteidiger Niklas Süle von 1899 Hoffenheim soll zum 83. Debütanten unter ihm werden. Auch seine Kollegen aus dem Olympia-Team von Rio, Julian Brandt und Max Meyer, sollen spielen.

Die Tickets kosten zwischen 25 und 75 Euro. Die Gladbacher Fans, für die Zeit und Geld endliche Faktoren sind, haben eine relativ leichte Wahl: Innerhalb weniger Wochen stehen drei Champions-League-Heimspiele, darunter gegen Barcelona an; außerdem gibt es ein DFB-Pokal-Heimspiel und Bundesliga-Partien unter anderem gegen Leverkusen und Köln.

Nicht mal Schüler kann man für das Länderspiel einfliegen. Dazu ist die Anstoßzeit unter der Woche zu spät. Kurz und gut: Wohl ein Gegner, bei dem der DFB mit einem Wochenendspiel mit früherer Anstoßzeit in einem deutlich kleineren Stadion besser beraten gewesen wäre. Borussia-Geschäftsführer Stephan Schippers betont gleichwohl: "Ein Länderspiel im Borussia-Park zu haben, ist eine tolle Sache, über die wir uns als Verein freuen." Ganz besonders würde er sich wohl über den Zuschlag für einige Länderspiele in acht Jahren freuen. Dann ist Fußball-Europameisterschaft.

Deutschland hat gute Chancen, Ausrichter zu werden. Und der Borussia-Park würde sich dann auf jeden Fall als Austragungsort bewerben. "Wir werden bereit sein. Die letzten offenen Punkte im Verkehrskonzept werden gerade von der Stadt angegangen", sagt Schippers. 2006 bei der Fußball-Weltmeisterschaft war Gladbach leer ausgegangen und bewies fünf Jahre später bei der Frauen-Fußball-Weltmeisterschaft, wie gut die Stadt Sport-Großereignisse gewuppt bekommt. Dass Gladbach regelmäßig Länderspiele zugeteilt bekommt, kann auf dem Weg zur EM gewiss nicht schaden - selbst wenn die Umstände wie dieses Mal suboptimal sind.

Quelle: RP
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