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Mensch Gladbach
Stellenbörse: Müll-Detektive, Grill-Scouts, Politiker

Mönchengladbach. Mönchengladbachs Stellenbörse floriert: Ein Dezernent kommt und wird gleich mal von den Etablierten ausgebremst. Müll- Detektive suchen nach Spuren von Sperrmüllsündern, Grill-Scouts nach denen, die abgenagte Rippchen ins Gebüsch werfen. Und die Parteien finden Kandidaten für künftige Karrieren im Land. Es ist ganz schön bunt bei uns.

Seit gestern hat die Stadtverwaltung einen Mitarbeiter mehr. Vielleicht auch mehr als einen, weil ein gerade eingestellter Müll-Detektiv am gestrigen Freitag die Spurensuche aufgenommen hat. Oder auch ein Grill-Scout, der heute Abend auf öffentlichen Plätzen Rippchen und Marinaden begutachtet, wenn sich Deutschlands Kicker treu bleiben und gegen Italien verlieren. Müll-Detektiv und Grill-Scout sind eigentlich eine Erfindung der Anstalt des öffentlichen Rechts, früher als Kompetenzzentrum Sauberkeit bekannt und jetzt mit dem Namen "mags" um Aufmerksamkeit heischend.

Aber Müll-Detektiv und Grill-Scout sind in diesem Sinne keine Stadt-Mitarbeiter mehr, weil sie bei einem Tochterunternehmen der Stadt angestellt werden. So wie die Grundstücksverkäufer, die bei der städtischen EWMG arbeiten. Ganz schön kompliziert das Ganze, wenn man noch ergründen will, wer von wem sein Geld bekommt. Wobei die Antwort am langen Ende schlicht ist: natürlich von uns, weil wir mit Steuern und anderen Abgaben den ganzen Betrieb finanzieren.

Doch kehren wir zu dem eigentlich gemeinten einzelnen neuen Mitarbeiter zurück, der am gestrigen Freitag mit einem "Grüß Gott" sein städtisches Arbeitsareal betrat und dann viele Hände von Kollegen schütteln musste: den neuen Beigeordneten Matthias Engel, den Dezernenten für Personal, Organisation und IT, Ordnungsamt, Feuerwehr - und Bürgerservice. Ja, auch Bürgerservice. Merken Sie etwas?

Nur einen Tag zuvor, am Donnerstag, haben große Teile der Verwaltungsspitze den noch nicht ganz fertigen neuen Bürgerservice im Vitus-Center vorgestellt: Oberbürgermeister Hans Willi Reiners, CDU; Gregor Bonin, CDU; Gert Fischer, CDU. Und sowohl der Leiter des Bürgerservice als auch der EWMG-Geschäftsführer werden ebenfalls den Christdemokraten zugerechnet. Ist im Prinzip nicht schlimm. War aus terminlichen Gründen vielleicht auch nicht anders machbar. Nur es fällt schon auf: Denn der eigentlich Verantwortliche für den Service ist der SPD-Mann Engel. Und der trat sein Amt wenige Stunden später an. Wie heißt es so schön: Ein Schelm und so weiter.

Bleiben wir bei den Christdemokraten. Sie haben diese Woche ihre Landtagskandidaten gewählt. So, wie es vorher SPD, Grüne und FDP gemacht haben. Und wie zuvor bei anderen Parteien tauchte bei der CDU der Satz auf: "Wir sind froh, dass wir so gute Kandidaten haben." Ist ja klar, wer würde sagen: "Es haben sich leider nur Graupen gemeldet." Doch die CDU, die noch vor einigen Jahren erstarrt schien, hat sich erneuert: Alle fünf Kandidaten machten eine gute Figur. Kann man schicken, würde der Gladbacher sagen. Und im Saal saßen einige, die auch hätten antreten können.

Zum Schluss kehren wir zu den Mitarbeitern zurück, die stolz sagen sollen: "Ich bin ein mags!" Das heißt, sie gehören zur Organisation, die Müll einsammelt, Straßen saniert, Plätze aufhübscht, Grün schneidet. Als Name und Konzepte vorgestellt wurden, umgingen Politiker und mags-Chefs eine Frage wie der Teufel das Weihwasser: Wie lange kann es Gladbachs Mini-Abfalltonnen geben, wenn alles umgestellt wird? Das ist dann Anlass für die Neugründung der FWG. Nur schon mal prophylaktisch: Hallo, Herr Oberem!

Quelle: RP
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