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Mönchengladbach
Studenten planen Hotel am Abteiberg

Mönchengladbach. 20 angehende Architekten der Düsseldorfer Fachhochschule haben erarbeitet, was in der Stadt bisher nicht klappen wollte: konkrete Pläne für ein Abteiberg-Hotel. Eine Signalwirkung für die weiteren städtischen Planungen ist nicht ausgeschlossen. Von Jan Schnettler

Im Oktober steht ein fragwürdiges Jubiläum an: Das alte Haus Zoar am Fliescherberg liegt dann genau zehn Jahre brach. Und seitdem gammelt der Backsteinbau aus dem Jahr 1874 langsam, aber stetig vor sich hin. Deutlich jünger, nämlich drei Jahre, sind die ersten Pläne, das Gebäude in einen neu zu konzipierenden Hotelkomplex und somit in ein Kulturhügel-Ensemble zu integrieren. Doch verschiedenste Ideen – vom Design-Hotel bis zum Ibis Styles – scheiterten oder wurden nicht verfolgt. Zuletzt warfen Peter Jost (Elisenhof) und Ben Lambers (Ex-Dorint-Direktor) ihre Hüte in den Ring, während die Politik eine Denkpause ausrief: Man wolle sich erst einmal auf eine grundsätzliche städtebauliche Ausrichtung einigen.

Denkpause? Das Gegenteil davon war jetzt in der Düsseldorfer Fachhochschule für Architektur, der Peter Behrens School of Architecture (PBSA), der Fall. 22 Studierende des sechsten Fachsemesters haben sich dort im Rahmen ihrer Bachelor-Abschlussarbeiten mit der Aufgabenstellung beschäftigt, Pläne für einen Hotel-Neubau auf dem Mönchengladbacher Abteiberg zu entwerfen. "Auf das Thema hatte mich die Stadt Mönchengladbach aufmerksam gemacht", sagt Prof. Peter Pütz, Fachmann für Baukonstruktion und Entwerfen an der PBSA. "Das Stadtplanungsamt hat das Projekt vorbereitet und auch durch die Mitwirkung an einem Zwischenkolloquium unterstützt."

Pütz, der neben seiner Professur ein Architekturbüro in Berlin betreibt, bezeichnet sich als "ehemaligen" Mönchengladbacher, er ging einst selbst am Abteiberg zur Schule. "Die städtebauliche Situation und die Bedeutung des Abteibergs für die Entwicklung der Stadt waren mir also bekannt", sagt er. Folglich hat er auch eine dezidierte Meinung zu dem Projekt. "Die Stadt sollte einen offenen Architektenwettbewerb für den Hotelneubau ausloben und nicht, wie das leider sehr häufig passiert, das Grundstück einem Investor mit beliebiger Architektur überlassen."

Die Studenten erarbeiteten Grundrisse, Schnitte und Ansichten im Maßstab 1:200, Fassadenstudien mit Materialangaben im Maßstab 1:50 sowie ein städtebauliches Modell. "Dies entspricht der Planungstiefe eines Architektenwettbewerbs, der vor einigen Jahren an dieser Stelle in Vorbereitung war, jedoch bekanntlich nicht stattfand", sagt Pütz. Eines der Bewertungskriterien war auch die technische Machbarkeit der Entwürfe.

Besonderes Augenmerk wurde auf die Topographie des Abteibergs und auf die "hochwertige, jedoch sehr heterogene Nachbarbebauung" gelegt, wie Pütz sagt. Die Anbindung zur Stadt auf der Rückseite des Hauses Erholung sei zwar nicht unproblematisch, aber lösbar. Entscheidend sei auch das Bauvolumen, das wiederum sehr von der geforderten Zimmerzahl abhängig ist. Bei den studentischen Arbeiten zugrunde gelegt wurde ein Drei-Sterne-Hotel mit rund 50 Zimmern und 90 Betten, einem Seminarbereich sowie Gastronomie – die Gesamtnutzfläche beträgt 1880 Quadratmeter. "Diese Nutzung kann sehr gut auf dem Grundstück untergebracht werden", sagt Pütz.

Examensarbeiten an der PBSA sollen einen realistischen Bezug zu möglichen Bauvorhaben haben, weil das Studium praxisnah ausgelegt ist. Bauherren nutzen folglich die Gelegenheit, sich dadurch Anregungen für ihre Projekte zu holen, regelmäßig. Das Filetgrundstück auf dem Abteiberg sei exponiert und sollte "nicht unter Wert bebaut werden", sagt Prof. Peter Pütz. Und: "Wenn die studentischen Entwürfe die Planungsgedanken in Mönchengladbach in diese Richtung lenken, wäre das eine erfreuliche Reaktion."

Quelle: RP
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