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Mönchengladbach
Studie zum digitalen Wandel vorgestellt

Mönchengladbach. Die Veranstaltung ist selbstverständlich angemessen digitalisiert: Die rund 150 Gäste finden auf ihren Plätzen im Hugo-Junkers-Hangar iPads vor, mit deren Hilfe sie im Laufe des Abends Fragen an die Referenten auf der Bühne stellen können. Vorbei die Zeit, als jemand einfach aufstand und seine Frage formulierte. Aber schließlich dreht sich auch alles um die Digitalisierung und ihre Auswirkungen auf mittelständische Unternehmen. Von Angela Rietdorf

Die Commerzbank hatte geladen, um ihre Studie "Management im Wandel: Digitaler, effizienter, flexibler" ihren mittelständischen Kunden vorzustellen. 4000 Führungskräfte mittelständischer Unternehmen waren befragt worden, davon 149 aus dem Gladbacher Raum. Das Fazit: 91 Prozent der Unternehmen in der Region sehen in der zunehmenden Digitalisierung eine große Chance für den Standort Deutschland. Aber nur 15 Prozent sind im Bereich Digitalisierung besonders innovativ unterwegs. 63 Prozent der mittelständischen Firmen warten eher ab und beobachten, 25 Prozent sehen eine Gefährdung ihres Geschäftsmodells durch die Digitalisierung. Die digitalen Vorreiter sind übrigens in Branchen mit hohem Wettbewerbsdruck zu finden. "Erfolg in der Gegenwart scheint dagegen die Innovationsfreude eher zu bremsen", stellt Kai Uwe Schmidt, der Niederlassungsleiter Firmenkunden der Commerzbank Mönchengladbach, fest.

Wie schnell ein erfolgreiches Unternehmen den Anschluss an die Entwicklung verlieren und abstürzen kann, zeigte Jan Hofer, Tagesschau-Chefsprecher und Moderator des Abends, am Beispiel Nokia: erst Weltmarktführer, dann die Entwicklung des Smartphones verpasst und in die Ecke gedrängt. WFMG-Chef Ulrich Schückhaus stellte vor, wie die Stadt mit dem Thema Digitalisierung umgeht. "Die Kommune muss sich dem Thema stellen, denn durch den Onlinehandel besteht die Gefahr, dass die Innenstädte veröden" - Gladbachs Antwort darauf ist der gemeinsame Auftritt von lokalen Einzelhändlern bei Ebay. Beim Start waren es 50 Einzelhändler mit etwa 200.000 Produkten, jetzt sind es schon 65 Teilnehmer. Es sei noch viel zu früh, eine Zwischenbilanz zu ziehen, sagte Schückhaus, aber es gebe schon etliche Teilnehmer, die sehr gute Geschäfte über die Seite abwickelten. Zweierlei betont er mit Blick auf die Digitalisierung: Zuerst müsse investiert werden, Geldverdienen komme vielleicht später. Und: Es ist ein Sprung ins Ungewisse, aber nicht zu springen sei die schlechtere Lösung. In der anschließenden Podiumsdiskussion stellte Dr. Peter Bartels von PricewaterhouseCoopers an den Mittelstand gerichtet fest: "Noch haben Sie die Kunden. Finden Sie heraus, was den Kunden am meisten nervt. Dann muss man überlegen, wie Digitalisierung dagegen helfen kann." Schückhaus empfahl, beim Nachdenken über die Zukunft ruhig auch das Unmögliche mit in den Blick zu nehmen. Und André Carls von der Commerzbank bot seine Bank als Sparringspartner der Unternehmen an. Zum Schluss wurde noch mittels iPad in Teams Fußball gespielt. Das macht auch denen Spaß, die Cloud Computing, Crowdfunding und Big Data noch skeptisch gegenüberstehen.

Quelle: RP
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