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Durchsuchung in Düsseldorf
Einzug von Sven Lau sorgte bei Nachbarn für Wirbel

Spezialkräfte nehmen Sven Lau in Mönchengladbach fest
Spezialkräfte nehmen Sven Lau in Mönchengladbach fest FOTO: Rene Anhuth/ ANC-NEWS
Mönchengladbach/ Düsseldorf. Der Salafistenprediger Sven Lau ist am Dienstag in Mönchengladbach festgenommen worden. Zuvor wurde nach Informationen unserer Redaktion seine Wohnung in Düsseldorf durchsucht. Der 35-Jährige wird verdächtigt, in vier Fällen eine ausländische Terror-Vereinigung unterstützt zu haben. 

Das NRW-Innenministerium bestätigte die Festnahme in Mönchengladbach. Der Bundesgerichtshof hatte am 11. Dezember einen Haftbefehl gegen den 35-Jährigen erlassen. Der Vorwurf: Lau, der zuletzt in Düsseldorf-Holthausen gewohnt haben soll, soll 2013 von Deutschland aus als verlängerter Arm der in Syrien aktiven Terrororganisation "Jaish al-muhajirin wa-l-ansar" (Armee der Auswanderer und Helfer, kurz: Jamwa) aktiv gewesen sein. "Er ist daher dringend verdächtig, in vier Fällen eine ausländische terroristische Vereinigung unterstützt zu haben", teilte der Generalbundesanwalt mit. Bilder von der Festnahme sehen Sie hier. 

Porträt: Das ist Sven Lau FOTO: Raupold

Jamwa wurde im März 2013 gegründet und ist eng an die Terrororganisation "Islamischer Staat" angebunden. Nach der Spaltung der Jamwa-Vereinigung Ende 2013 schloss sich der von Lau unterstützte Flügel dem IS an, heißt es. 

An seinem letzten Wohnsitz in Düsseldorf-Holthausen ist die Stimmung am Dienstag gemischt. Einige Anwohner sagen, sie hätten von der Durchsuchung nichts mitbekommen."Das wäre aber nichts Neues", sagt ein Anwohner, der anonym bleiben will. Er fühlt sich im Haus nicht wohl. "Je eher ich hier wegkomme, desto besser." Eine Frau, die gerade auf dem Weg zur Arbeit ist, beschreibt den Festgenommenen als unauffällig. "Wir hatten nie Kontakt. Ich habe ihn manchmal draußen gesehen, mir fiel auf, dass er sich auf der Straße oft umdrehte." Als Lau eingezogen sei, habe es einigen Wirbel gegeben, bestätigt eine weitere Nachbarin. "Viele Leute hatten Angst." Ihnen sei der Mann dann aber nicht aufgefallen.

Der gebürtige Gladbacher Sven Lau (35) gehört zu den bekanntesten Salafistenpredigern in Deutschland. FOTO: dpa, mks htf cul

Nach dem Ergebnis der bisherigen Ermittlungen war Lau, der als Gründer der "Scharia-Polizei" in NRW gilt, eine Anlaufstelle für Kampf- und Ausreisewillige insbesondere aus der salafistischen Szene im Großraum Düsseldorf. Der gebürtige Gladbacher soll als Bindeglied zu der in Syrien agierenden Jamwa fungiert und hierzu mit einem dort aufhältigen deutschen Konvertiten in engem Kontakt gestanden haben. Konkret vermittelte der Salafist laut Bundesanwaltschaft den bisherigen Erkenntnissen zufolge im Spätsommer 2013 den verurteilten Ismail I. sowie eine weitere Person an eine in Syrien stationierte Kampfeinheit der Jamwa.

Drei Nachtsichtgeräte in Deutschland gekauft

Ende September 2013 reiste Sven Lau, so die Ermittlungen, dann selbst nach Syrien und gab Ismail I., der im März zu einer Haftstrafe von vier Jahren und sechs Monaten verurteilt worden war, Bargeld in Höhe von 250 Euro. Bei dieser Gelegenheit soll Lau den Auftrag erhalten haben, Nachtsichtgeräte für die Jamwa zu beschaffen. Zurück in Deutschland kaufte der 35-Jährige nach dem gegenwärtigen Erkenntnisstand daraufhin über eine Kontaktperson drei Nachtsichtgeräte im Gesamtwert von 1.440 Euro und brachte sie Ende Oktober 2013 entweder selbst oder über eine islamistische Hilfsorganisation in das Basislager der Jamwa nach Syrien.

Lau soll noch am heutigen Dienstag dem Ermittlungsrichter des Bundesgerichtshofs vorgeführt werden, der ihm den Haftbefehl eröffnen und über den Vollzug der Untersuchungshaft entscheiden wird. 

Das ist der Salafist Pierre Vogel FOTO: dpa, Marius Becker

Jäger: "Lau lockte viele junge Leute in den Extremismus"

Der 35-Jährige ist seit Jahren im Visier der Sicherheitsbehörden. "Lau gilt als einer der führenden Köpfe der salafistischen Szene in Nordrhein-Westfalen, der mutmaßlich viele junge Leute in den Extremismus gelockt hat", erklärte Innenminister Ralf Jäger (SPD). Bis ins Jahr 2011 provozierte der Gladbacher mit seinem Netzwerk "Einladung zum Paradies", das junge Menschen in Mönchengladbach für den extremistischen Salafismus anwarb. 2014 sorgte er mit der Gründung einer "Scharia-Polizei" in Wuppertal bundesweit für Schlagzeilen. Auf Internet-Videos ist er immer wieder zusammen mit dem bekannten Prediger Pierre Vogel, gebürtiger Bergheimer, zu sehen. Die Stadt Mönchengladbach hatte Lau im Januar dieses Jahres den Reisepass entzogen und den Geltungsbereich seines Personalausweises auf das Gebiet der Bundesrepublik beschränkt. Für den Salafisten steht die Scharia über dem Grundgesetz. Seine nach Syrien zum Kämpfen ausgereisten Freunde bezeichnete er als "Märtyrer im Glauben".

 

(lsa/ met/vpa)
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