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Mönchengladbach
Demonstranten seilen sich auf A61 ab

Fotos: #EndeGelaende: Demonstranten in Garzweiler
Fotos: #EndeGelaende: Demonstranten in Garzweiler FOTO: dpa, mb cul
Mönchengladbach. Die Garzweiler-Demonstration am Samstag hatte auch Folgen für die Gladbacher Autofahrer. Die Autobahn musste gesperrt werden. Die Staatsanwaltschaft hat nun 800 Strafanzeigen abzuarbeiten. Die Gladbacher Polizei half mit. Von Anke Backhaus, Sabine Kricke, Andreas Speen und Carsten Sommerfeld

Etliche Gladbacher Autofahrer wurden am Samstag von den Folgen der Großdemonstration gegen den Tagebau Garzweiler überrascht. Die Polizei musste zeitweilig die Ausfahrt Jackerath der A 61 sperren. Einige der Aktivisten hatten sich von einer Autobahnbrücke abgeseilt. Der Verkehr staute sich rasch auf mehrere Kilometer Länge. Auch Polizisten aus Mönchengladbach halfen mit - und hatten jede Menge zu tun. Rund 700 Demonstranten hatten sich illegalerweise Zutritt zum Gelände verschafft und zeitweilig den Bagger 261 besetzt. Fast 800 Strafanzeigen unter anderem wegen Hausfriedensbruchs, Landfriedensbruchs, Verstoß gegen das Waffengesetz und Störung öffentlicher Betriebe wurden laut Polizei gestellt.

Die Demonstranten wollten mit den Aktionen gegen den Ausstoß von klimaschädlichen Gasen durch Kohlekraftwerke protestieren. Die Tagebaue seien die größten CO2-Verursacher Europas, kritisierte das Bündnis "Ende Gelände". Im Internet und auf Flugblättern hatten die Umweltaktivisten zuvor dazu aufgerufen, sich für den Kohleausstieg zu engagieren. Letztlich gelang es den Aktivisten, in vier Gruppen in die Grube zu gehen oder klettern. Die Polizei setzte Reizgas und Schlagstöcke ein. Erst nachmittags kehrte langsam Ruhe ein. Laut wurde es zwischendurch lediglich, als drei angeforderte Hubschrauber der Bundespolizei zwischenlandeten, um Einsatzkräfte zu verlagern.

Einige der Demonstranten seilten sich von einer Autobahnbrücke ab. Deshalb ging auf der A 61 am Samstag zeitweilig gar nichts mehr. Die Polizei hatte viel Mühe, die Situation in den Griff zu bekommen. Erst am Nachmittag beruhigte sich die Lage langsam wieder. FOTO: Theo Titz (2), Stefan Schellhammer (1)

300 RWE-Mitarbeiter hatten sich am Tagebau Garzweiler versammelt, um in einer Art Gegen-Kundgebung ein Zeichen für eine "sichere, bezahlbare Energieversorgung und gute Arbeitsplätze" zu setzen. Da sich der Weg der Aktivisten und der Kundgebungsteilnehmer gekreuzt hätten, "haben wir auf die Versammlung verzichtet. Wir wollten eine Konfrontation vermeiden", so Jürgen Linges, Mitglied des Betriebsrates.

Ein Tag im Tagebau Garzweiler FOTO: Christian Kandzorra

Ruhig, sachlich und vor allem friedlich verlief am Samstagnachmittag dann die Kundgebung der Teilnehmer des Klimacamps in Immerath (alt). Sie läutete einen Demonstrationszug zur Grube des Braunkohlentagebaus Garzweiler II ein. Rund 800 Menschen waren laut Organisatoren nach Immerath (alt) gekommen, die Polizei sprach von etwa 300. Die Demonstranten hatten den Immerather Markt an der längst entwidmeten Kirche St. Lambertus ganz bewusst gewählt. "Orte wie diese, die demnächst ausradiert sein werden, darf es nicht mehr geben", hieß es bei der Kundgebung. Es gehe darum, weltweit für eine regenerative Energieversorgung zu kämpfen.

"Energiewende jetzt", "Wir lassen uns nicht verkohlen", "Kohlekraft stoppen" und "Braunkohle-Irrsinn - das können wir uns nicht mehr leisten" war unter anderem auf den Plakaten zu lesen.

Größte Menschenkette gegen Tagebau im Rheinland FOTO: Jürgen Laaser
Quelle: RP
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