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Mönchengladbach
Tanz mit der Unendlichkeit

Mönchengladbach. In Markus Lüpertz' Stadt seiner Kind- und Jugendjahre ist eines seiner größten Werke zuhause. Zum 75. Geburtstag des Schöpfers vom Rheydter "Totentanz" hat Pfarrer Klaus Hurtz eine Hommage an den Künstler herausgegeben. Von Angela Wilms-Adrians

Von der Orgelempore aus ist der Blick auf Markus Lüpertz' Bilderzyklus vom Totentanz gigantisch. Diesen Ort hat Pfarrer Klaus Hurtz mit Bedacht für die Präsentation des Buches "Tanz mit der Unendlichkeit von und für Markus Lüpertz" ausgewählt. Am Montag reist der Geistliche eigens nach Berlin, um dem Künstler zu dessen 75. Geburtstag die opulente Festschrift zu überreichen. Im Vorwort verrät Herausgeber Hurtz, dass sich Lüpertz mit Sporen an den Füßen in den Reigen der Tanzenden hineingemalt habe. Dabei seien die Sporen eines Reiters ein symbolischer Verweis auf dessen Heimatstadt der Kindheit und Jugendzeit.

Im Gespräch scheint es, als sei der Seelsorger immer noch im Banne des 33 Meter langen Bildwerkes, das 2002 ursprünglich zur vorübergehenden Präsentation nach Rheydt kam, dann aber vom Künstler der Gemeinde und dem kunstsinnigen Pfarrer großzügig geschenkt wurde.

In der reich bebilderten Hommage nun lässt Hurtz Freunde und Weggefährten des Künstlers zu Wort kommen. "Totentanz bedeutet, dass der Tod allen Menschen begegnet. Daraus entstand die Idee, dass von Begegnungen mit dem Künstler berichtet werden sollte", erklärt Hurtz das Konzept, das ergänzend zu Lüpertz' Selbstporträt in der Kirche unterschiedliche Sichtweisen und Facetten sammelt. Diese beginnen mit Margot Magdanz' Erinnerungen an den 15- bis 16-jährigen Markus Lüpertz, damals noch ein "großer, schlaksiger Jüngling mit wilden schwarzen Locken".

Alt-Bundeskanzler Gerhard Schröder ist mit einem amüsanten Geburtstagsbrief an den Freund vertreten. Der 102 Jahre alte frühere Akademieprofessor Karl Otto Götz, Lehrer von Polke und Richter, bescheinigt dem Geburtstagskind "Lieber Markus" im Brief rückblickend: "Die Jahre an der Akademie mit dir waren gute Jahre".

Das Buch-Cover zeigt im Ausschnitt den Tanz des Künstlers mit der Figur des Todes, während auf der Rückseite der Tod gerade noch am Rand lauernd zu sehen ist. Hurtz hat Recht, wenn er in der vorderen Darstellung eine "wunderbare Heiterkeit" erkennt. Mit Blick auf die Rückseite zitiert der Pfarrer den marokkanischen Schriftsteller Abdellatif Laabi mit den Worten: "Der Tod lauert, aber das Leben auch." Quintessenz eines Totentanzes sei die Absicht, zur "ars vivendi, Kunst des Lebens" zu verführen, sagt Hurtz. Er ist überzeugt: "Der Totentanz fühlt sich hier wohl, und er erfreut alle." Ebenso dürfte sich der Lüpertz-Anhänger sicher sein, dass der Künstler dieses Geschenk wertschätzen wird. "Es hat Freude gemacht", sagt denn auch Norbert Neuenhofer, Geschäftsführender Gesellschafter vom B. Kühlen Verlag, bei dem das Buch erschienen ist. Vom Verlag kam die Idee, den Totentanz in Gänze und mit Blick auf den Altarraum in aufklappbarer Altarfalz zu zeigen.

Quelle: RP
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