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Mönchengladbach
Tanzende Geister über den Wassern

Mönchengladbach: Tanzende Geister über den Wassern
Der Maler Roger Wardin aus Berlin in der Ausstellung der Galerie Börgmann. Seine Bilder widmen sich besonders dem Themenkreis Meer und Wasser. Die Ausstellung ist bis zum 4. Juli an der Wallstraße 7 zu sehen. FOTO: Jörg Knappe
Mönchengladbach. Roger Wardin zeigt bis zum 4. Juli rätselhafte Meeresbilder in der Galerie Jochen Börgmann an der Wallstraße. Von Dirk Richerdt

Geboren ist Roger Wardin in West-Berlin, sein Kunststudium führte ihn als jungen Mann nach Frankfurt am Main und nach Düsseldorf. An beiden Kunst-Akademien besuchte der angehende Maler die Klasse von Professor Jörg Immendorff. "Es war ein freundschaftliches Verhältnis auf Augenhöhe, das Immendorff pflegte", erinnert sich der 44-jährige Künstler gern daran zurück.

Seit dem vergangenen Wochenende zeigt die Galerie Börgmann an der Wallstraße 7 unter dem Titel "Lac magnetique" (Magnetischer See) eine Auswahl von knapp 30 Arbeiten aus jüngster Schaffenszeit. Bei Börgmann ist es nun schon die zweite Einzelausstellung des Berliners seit der Eröffnung der Galerie vor gut zwei Jahren.

Der Titel gibt eine zentrale Empfindung Wardins in Bezug auf Wasser wieder. "Wasser hat für mich eine magnetische Anziehungskraft", sagt er. Was sich in der als roter Faden eingesetzten Alllpräsenz von Wasser - allerdings vorwiegend in Gestalt von Meeresszenen - kundtut. Da gibt es das Bild "Summer Ending", das sechs junge Leute zeigt, die in hüfttiefem Wasser stehen, das in rätselhaftem Violett schimmert. Dezente Melancholie kündigt von Müßiggang und der Frage danach, was die Gruppe "an diesem Abend noch anstellen wird", so deutet der Künstler die Atmosphäre seines Bildes. Lila als Farbe für Meerwasser, durchbrochen mit weißer Gischt und grauschwarzen Flecken, begegnet beim Rundgang durch die auf drei Geschosse verteilte Schau mehrfach wieder.

Goethes Gedicht "Gesang der Geister über den Wassern" inspirierte Roger Wardin zu einer kleinen Serie großer Bildformate. Die wichtigste Arbeit schmückt die Stirnwand des Hauptschauraums im Untergeschoss: Über dem Horizont der See steigen merkwürdige, vorwiegend in Rosa gehaltene Formationen in den Himmel. Diesen Eindruck erzeugt Wardin, indem er auf der Acrylbildfläche Silikon, Salzlösung und Saccharose montiert. Die "Geister" wirken wie vertikale Gegenstücke zu der horizontalen, welligen Wasserfläche. Das Bikini-Atoll wählte Wardin sich hierfür als motivische Vorlage. Mit entsprechenden Assoziationen an die dort in den 1950er-Jahren vorgenommenen Atombombenversuche. Das Bild zieht in Bann, irritiert zugleich mit gewisser Distanzierung. Ein Bild ganz ähnlicher Motivik, überwiegend in Grau, hingegen lädt dazu ein, in die Bildfläche hineinzuschreiten, Richtung Horizont.

In dem Bild "Tahoe" erblickt man drei Jungen oder junge Männer, die von einem felsigen Gestade ins Wasser springen. Hier werden die "Geister" konkret menschlich. Dagegen ist "Pondikonisi", jene griechische Insel, die vielleicht Arnold Böcklin zu seinem berühmten Bild "Toteninsel" inspirierte, menschenleer.

Die Ausstellung von Roger Wardin ist bis zum 4. Juli in der Galerie Börgmann, Wallstraße 7, zu sehen. Mehr Informationen unter www.galerie-boergmann.com

Quelle: RP
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