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Krimis aus Mönchengladbach
Tatort Mönchengladbach

Krimis aus Mönchengladbach: Tatort Mönchengladbach
FOTO: YekoPhotoStudio
Mönchengladbach. Jutta Profijt, Thomas Hoeps und Arnold Küsters zählen zu den Autoren, die bei der Tatortsuche in der Vitusstadt fündig wurden. In ihren Krimis ziehen sie blutige Spuren zu Abteiberg Museum, Münster und Bökelberg. Von Angela Wilms-Adrians

ARNOLD KÜSTERS: GRAUSIGER FUND AM BÖKELBERG

Arnold Küsters ließ sich den Krimi "MK Bökelberg" ließ er sich vom Abriss des früheren Borussen-Stadions inspirieren. FOTO: Detlef Ilgner

Arnold Küsters sieht beim Spaziergang durch Mönchengladbach nicht zwingend nur potenzielle Tatorte. Doch der Schriftsteller könnte sich den Skulpturenpark beim Abteiberg oder das Parkdeck im Minto als "illustre" Schauplätze für Verbrechen vorstellen. Für den Krimi "MK Bökelberg" ließ er sich vom Abriss des früheren Borussen-Stadions inspirieren. "Da fängt es in der Fantasie an zu brodeln", verrät Küsters mit Blick auf die Handlung: Beim Abbruch am Bökelberg wird ein Skelett gefunden, und Hauptkommissar Frank Borsch sowie Kollege Michael Eckers ermitteln in einem Fall, in dem es um mehr geht als Mord und Fußball. In "Totenstimmung" wird das Ermittlerduo nach einem grausigen Fund in einem Waldstück bei Mönchengladbach aktiv.

Küsters ist in Breyell geboren und siedelte seinen Erstling "Lambertimord" mit Borsch und Eckers dort an. "Ich mag den Niederrhein und die Menschen hier. Daraus entwickeln sich oft die Charaktere", sagt der Autor und Journalist, der sich zur Region bekennt. Da die Gladbacher Polizei im realen Leben bei Gewaltverbrechen im Kreis Viersen ermittelt, ergab sich eine Fortsetzung am Tatort Mönchengladbach von selbst, zumal Küsters inzwischen dort wohnt und als Gerichtsreporter Einblicke in Täterprofile gewann.

Für Kommissar Eckers schließlich steht ein realer Beamter des Mönchengladbacher Dezernats Pate. "Ich habe erfahren, wie ein Mensch zum Täter werden kann. Das interessiert mich mehr als die Ausführung des Verbrechens", erzählt Küsters, der Pädagogik und Psychologie auf Lehramt studierte. Zurzeit schreibt er an einem Roman und immer wieder Kurzgeschichten, die ihm in der komprimierten Form auch experimentelle Möglichkeiten bieten.

Die Mönchengladbacher dürfen auf eine mörderische Fortsetzung vor Ort hoffen: "Borsch/Eckers arbeiten bei mir im Hinterkopf. Es wird sicher noch einmal einen Mönchengladbach-Krimi geben", mutmaßt Küsters, betont jedoch: "Die Geschichte muss funktionieren. Die Region ist schönes Beiwerk."

JUTTA PROFIJT: MÖRDERISCHE IDEEN UND GRÜNER DAUMEN

Jutta Profijt im Gladbacher Münster, das nicht ganz unerheblich für ihre Schriftstellerkarriere gewesen ist. FOTO: Detlef Ilgner

Ein RP-Artikel entfesselte bei Jutta Profijt ungeahnte Talente. Die Übersetzerin las in der Zeitung über den Stand der Sanierungsarbeiten am Münster und war fasziniert. "Bei Fugenarbeiten wurden Hohlräume entdeckt. Da habe ich mir spontan gedacht, das wäre eine Idee für einen Krimi. Bis dahin hatte ich noch nie geschrieben und Null-Ambitionen zur Schriftstellerin", erinnert sich Profijt. Sie verriet nur ihrem Mann vom Vorhaben, den Krimi "Motiv: Münsterschatz" zu schreiben, und bat um dessen Urteil. Markus Profijt war begeistert und schlug vor, mit einem ortsansässigen Verlag einen "richtigen Gladbach-Krimi" zu machen.

Profijt wandte sich an den Verlag Fritz Altgott und trug für die Kalkulation ihr Anliegen vor: Der Krimi sollte 9,99 Euro kosten, pro verkauftes Exemplar einen Euro Spende für den Münsterbauverein abwerfen und der Autorin einen Gewinn von 50 Cent einbringen. "Ich hatte Angst, ich müsste alle Bücher selbst kaufen und verschenken, aber die waren schnell weg und die Buchhändler erfreut über einen lokalen Krimi", erzählt sie vergnügt. Für das zweite Buch wurde Profijt bereits von einem Verlag angesprochen. "Der Erfolg war so euphorisierend, dass ich entschied weiterzumachen", erzählt sie. Profijt gab sich drei Jahre, um zu sehen, ob sie vom Schreiben leben könne oder sich dieses als "Hobby mit Aufwandsentschädigung" entpuppen würde.

Es folgten drei weitere Krimis mit lokalen Bezügen, die sich gut verkauften. Der deutschlandweite Durchbruch und internationale Anerkennung kamen mit Pascha, dem politisch inkorrekten Toten aus der Kühlfach-Serie, die in verschiedene Sprachen übersetzt wurde. Aktuell schreibt Profijt am dritten Band über eine Hausbesetzer-WG.

Sie genießt das Schreiben und die Freiheit, die Zeit selbst einteilen zu können, solange der Abgabetermin eingehalten wird. So kann sie die Gartenarbeit optimal planen, um den Eigenbedarf an Obst durch Anbau, Ernte und Konservierung selbst zu decken.

THOMAS HOEPS: TATWAFFE KUNST

Thomas Hoeps (re.) und seiner niederländischer Co-Autor Jacques Toes im Museum Abteiberg, wo ihre Trilogie um einen Restaurator angesiedelt ist. FOTO: Detlef Ilgner

Es mag verwundern, doch die Staatskanzlei Nordrhein-Westfalen gab einen grenzübergreifenden Krimi mit Handlungsstrang entlang der deutsch-niederländischen Crossart Route moderner Kunst in Auftrag. Thomas Hoeps gefiel die Idee, und er holte sich mit Jacques Toes einen niederländischen Co-Autor mit ins Boot.

"Mir war schnell klar, dass meine Hauptfigur ein Kunstrestaurator sein sollte, und den wollte ich in meinem Lieblingsmuseum Abteiberg haben", erzählt Hoeps zum Krimi "Nach allen Regeln der Kunst". Toes entwickelte die niederländische Hauptfigur. Aus einem Band wurde eine Trilogie. Das Autorenduo feiert aktuell mit einer Lese-Tour sein zehnjähriges Krimi-Jubiläum.

"Für mich war eine wichtige Frage, wie ich interessante Werke des Museums anders vorstellen kann als mit der klassischen Museumspädagogik", erzählt Hoeps, der Kunstobjekte erzählerisch einbindet. Das Museum wird bei ihm zum Tatort: In einer Kunstinstallation taucht eine Frauenleiche auf. Das ist der Auftakt zu einer Mordserie mit immer grausamer werdenden Taten. "Alles muss sich aus dem Charakter und der Struktur des Täters ergeben. Wenn man sich in ihn hineindenkt, ist es nicht schwierig, über grausame Details zu schreiben, aber es ist nicht der schönste Teil der Arbeit. Hier geht es um die Logik des Täters", erklärt der Autor zu Szenen mit Einblicken in seelische Abgründe.

Thomas Hoeps hat es gefallen, lokale Bezüge literarisch einzubauen, doch in seinen Augen sollten diese niemals zum Selbstzweck werden. "So schön es ist, einen Roman in der eigenen Heimat anzusiedeln, so muss es dafür doch einen Grund geben, der über das Ziel hinausgeht, bekannte Straßen zu nennen", betont er daher.

Als Triebkraft für das literarische Schreiben nennt er sein Interesse an Geschichten, Menschen und gesellschaftlichen Themen. Vor kurzem haben Hoeps und Toes mit der Arbeit an einem politischen Roman begonnen, der in Berlin und Amsterdam spielen soll.

Quelle: RP
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