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Mensch Gladbach
The King of Sandkasten im Möchtegern-Konzern

Mönchengladbach. Eine Stadt als Konzern. Hübsche Idee. Sie scheitert aber genau an denen, die sie sich ausgedacht haben und propagieren. Das Selbstverständnis der Politiker ist ein ganz anderes. Leider.

Eine Stadt tickt anders als ein Unternehmen. Muss sie auch. Denn sie hat andere Aufgaben. Und bei vielen davon geht es ausdrücklich nicht darum, Profit zu erzielen. Trotzdem ginge es vielen Städten besser, wenn sie mit unternehmerischem Geist geführt würden. Wenn sie eine Strategie hätten; Ziele, die priorisiert sind und die sich operationalisieren lassen. Und den Spirit, einzigartig sein zu wollen. Dann wäre beispielsweise in Rheydt nicht das Pahlkebad für Millionen saniert worden. Gäbe es in Holt keine Totenhalle. Würde der kommunale Ordnungsdienst in der Altstadt für Frieden sorgen. Und die Niederrheinkaserne würde nicht vor sich hin vermodern. Vor allem aber würden alle gemeinsam, vom Sachbearbeiter bis zum Geschäftsführer der Tochtergesellschaft, am selben Ziel arbeiten: die Stadt voranzubringen.

Konzerne haben Aufsichtsräte. Die treffen die wesentlichen Entscheidungen. Gemeinsam. So, dass das Unternehmen bestmöglich aufgestellt und für seinen Markt gerüstet ist. Städte haben einen Rat. Der arbeitet nach einem ganz anderen Prinzip: "Der kleine Karl möchte aus dem Kinderparadies abgeholt werden, weil ihm Hans Peter seine Schippe auf den Kopf gehauen hat." Beispiel RY. Sowohl Grüne als auch Linke hielten ursprünglich nix von dem Rheydter Kennzeichen. Dann positionierte sich die CDU gegen das Stadtteil-Nummernschild. Das eröffnete theoretisch die Möglichkeit, eine Mehrheit jenseits der CDU zu organisieren. Und schon waren sie für RY. Natürlich mit geheimer Abstimmung. Damit vermutete CDU-Umfaller sich unerkannt der Opposition hätten anschließen können. Das soll Taktik sein? Na ja, für die Niederungen des Polit-Sandkastens reicht es. Für mehr nicht.

Andersherum haben CDU und SPD folgende drei Reaktionsmuster auf Initiativen der kleineren Parteien: 1. Interessiert uns nicht die Bohne, wir genügen uns selbst. 2. Lehnen wir deswegen auch ab, und zwar, ohne drüber zu diskutieren. 3. Ist gar nicht so doof, wird aber erst intelligent, wenn wir es höchstpersönlich umgeschrieben und zu unserem eigenen gemacht haben. Zusammenarbeiten? Nada. Andere Sichtweisen als Bereicherung wertschätzen? Rien. Die unterschiedlichen Begabungen in so einem Rat erkennen und sich überlegen, wer was beisteuern kann, damit die Sache gut wird? Forget it. Die besten Führungskräfte aussuchen ohne Ansicht des Parteibuchs? Auf gar keinen Fall.

Stattdessen: Schippe auf den Kopf. Wer kann weiter pinkeln. Wer kann dem anderen das politische Leben noch schwerer machen. Meine Herren, meine Damen jedweder Couleur, da sind Sie sich alle ähnlich. In einem richtigen Konzern haben alle ihre Eitelkeiten so weit im Griff, dass es um mehr geht, als der King of Sandkasten zu werden.

Quelle: RP
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