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Serie Meine Ausbildung (9)
Trotz Handicap einen Beruf erlernen

Serie Meine Ausbildung (9): Trotz Handicap einen Beruf erlernen
Stephanie Schlippes nimmt an einer Berufsbildungsmaßnahme im Gartenshop der evangelischen Stiftung Hephata teil. FOTO: Isabella Raupold
Mönchengladbach. Stephanie Schlippes nimmt an einer Berufsbildungsmaßnahme der evangelischen Stiftung Hephata teil. Gefördert von der Arbeitsagentur finden dort Menschen mit Behinderung den Weg in die Berufswelt. Die Politik arbeitet an Verbesserungen. Von Christian Lingen

Einen Ausbildungsplatz zu finden, ist eine Aufgabe, die so manchen vor ein Problem stellt. Längst nicht jeder findet eine Stelle. Ungleich schwerer haben es die jungen Menschen, die an einer Behinderung leiden. Sie haben auf dem regulären Ausbildungsmarkt kaum eine Chance. Das bedeutet aber nicht, dass sie keinen Beruf erlernen können. Die evangelische Stiftung Hephata ermöglicht es Menschen mit Behinderung, an Berufsbildungsmaßnahmen in 18 verschiedenen Bereichen teilzunehmen. Stephanie Schlippes ist eine solche Auszubildende. Sie nimmt an der Bildungsmaßnahme im Bereich Grün teil und möchte später im Garten- und Landschaftsbau arbeiten.

Der Betrieb Die evangelische Stiftung Hephata gibt es seit 1859 in Mönchengladbach. Seit 1974 betreibt die Stiftung eine Werkstatt. Der Berufsbildungsbereich gehörte schon immer mit dazu. Das aktuelle Konzept stammt aus dem Jahr 2010. Rund 1700 Menschen mit Behinderung werden in Mönchengladbach und Mettmann von rund 400 Mitarbeitern begleitet.

Die Bewerbung Eine richtige Bewerbung wie bei anerkannten Ausbildungsberufen gibt es nicht. "Wir arbeiten mit der Bundesagentur für Arbeit zusammen. Von dort werden uns die Teilnehmer zugewiesen", erklärt Berufsbildungsleiter Tobias Jarvers. In der Regel kommen die jungen Menschen von Förderschulen. Abgewiesen wird niemand. Die Suche nach Qualifikationen wird bei der Stiftung Hephata umgedreht. "Bei uns muss man keine Qualifikation mitbringen. Zusammen mit den Teilnehmern finden wir heraus, für welche Berufsbildungsmaßnahme sie am besten geeignet sind", erklärt Jarvers. Natürlich werden die Wünsche der Teilnehmer berücksichtigt. So auch bei Stephanie Schlippes. "Für mich stand sofort fest, dass ich in den Bereich Grün gehen möchte. Ich mag Gartenarbeit und Blumen gerne", sagt Schlippes.

Die Ausbildung Am Beginn der Maßnahme steht ein dreimonatiges Eingangsverfahren. "In dieser Zeit schauen wir zusammen mit den Teilnehmern, wo ihre Stärken liegen und welcher Bereich sich am besten für sie eignet", erklärt Berufsbildnerin Jutta Wollny. Im Anschluss beginnt die zweijährige Berufsbildungsmaßnahme. Der Bereich Grün, für den sich Stephanie Schlippes entschieden hat, unterteilt sich in mehrere Teilbereiche. Dazu gehören der Hephata-Gartenshop, die Friedhofsgärtnerei, der Garten- und Landschaftsbau, die Baumschule und der Zierpflanzenbau. Während der Maßnahme haben die Teilnehmer die Möglichkeit, alle Bereiche kennenzulernen. So können sie herausfinden, wo sie später einmal arbeiten möchten. "Wir wollen die Potenziale bestmöglich fördern", sagt Jutta Wollny. Stephanie Schlippes fand so heraus, dass ihr der Garten- und Landschaftsbau am meisten Spaß macht. Nicht immer bleiben die Teilnehmer dabei im Betrieb. Wenn sie möchten, dürfen sie auch mit zu Kunden fahren.

Die Berufsschule Unterricht in einer Berufsschule findet im klassischen Sinne nicht statt. "Wir haben morgens theoretischen Unterricht", erzählt Schlippes. Dort lernen die Azubis unter anderem das Verhalten auf Baustellen, bekommen Infos zu Werkzeugen und dem Umgang damit, wie sie ihre Arbeit sicher gestalten und welche Pflanze sie vor sich haben. Da die Menschen mit Behinderung oft Probleme beim Lernen haben, wird auf jeden individuell eingegangen.

Die Zukunft Nach der Maßnahme können die Teilnehmer in den Arbeitsbereich gehen, einen betriebsintegrierten Arbeitsplatz bei Unternehmen bekommen und im Anschluss daran sogar einen festen Arbeitsplatz bekommen. Nach der Maßnahme wechselt die Kostenübernahme von der Bundesagentur auf den Landschaftsverband Rheinland. Die Politik arbeitet derzeit daran, integrierte Arbeitsplätze zu fördern und vereinfachte Ausbildungen zu konzipieren.

Quelle: RP
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