| 18.49 Uhr

Prozess gegen Sven Lau
Tumulte, Geschrei und Ordnungshaft

Fotos: Sven Lau beim Prozessauftakt in Düsseldorf
Fotos: Sven Lau beim Prozessauftakt in Düsseldorf FOTO: dpa, fg pil
Mönchengladbach. Im Terrorprozess gegen den Islamisten Sven Lau hat erneut dessen langjähriger Weggefährte Pierre Vogel als Zeuge ausgesagt. Dabei kamen abgehörte Telefonate zwischen den beiden zur Sprache. Auch einen Tumult gab es. Von Ingrid Krüger

Nach der Mittagspause begann der Prozess gegen den Salafisten Sven Lau Mittwoch erst einmal mit einem kleinen Tumult: Auf der letzten Bank im Zuschauerraum saßen drei Anhänger Laus, die sich weigerten, aufzustehen, als der Vorsitzende Richter und die zwei beisitzenden Richterinnen den Saal betraten. Als die drei mehrfach aufgefordert wurden sich zu erheben, rief einer von ihnen "Nein, der Verbrecher!" und blieb sitzen, ebenso wie die beiden anderen. Wen er mit der Beschimpfung meinte, blieb ungeklärt.

Der Vorsitzende Richter des Strafsenats reagierte gelassen. Er ließ die drei "Sitzenbleiber" durch Wachtmeister in den Saal bringen und verkündete die Strafe sofort. "Wir haben nichts verbrochen", schrie das Trio. Das bewahrte sie nicht vor der Ordnungsverfügung des Vorsitzenden. Wegen ungebührlichen Verhaltens und Nichtbeachtung der Anordnung des Vorsitzenden wurden die "Sitzenbleiber" zu drei Tagen Ordnungshaft verurteilt. Einige Zuschauer waren bereits zu Prozessbeginn am Vormittag aufgefallen, als sie sich zu mehreren auf die Presseplätze gestürzt hatten und sie diese ungerührt belegten.

Das ist der Salafist Pierre Vogel FOTO: dpa, Marius Becker

Seit Ende Oktober 2016 muss sich der ehemalige Feuerwehrmann Lau aus Mönchengladbach vor dem Düsseldorfer Oberlandesgericht verantworten. Laut Anklage soll der 35-Jährige 2013 in vier Fällen eine terroristische Vereinigung im Ausland unterstützt haben. Als Zeuge erschien gestern ein zweites Mal im Prozessgebäude des Oberlandesgerichts der Salafistenprediger Pierre Vogel (38) aus Bergheim. Der Angeklagte selbst verfolgt den Prozess schweigend. Pierre Vogel hatte bereits in der vergangenen Woche ausgesagt und dabei beteuert: "Ich hatte Kontakte zu Sven Lau, und wir hatten gemeinsame religiöse Überzeugungen."

Mittwoch wurden hauptsächlich Telefonate zwischen dem Angeklagten Lau und dem Zeugen Vogel verlesen. Diese Gespräche waren seinerzeit überwacht worden. Einige Gesprächsfetzen zeigten deutlich, dass die beiden Männer 2013 und auch 2014 offenbar mehr als nur durch ein paar Kontakte verbunden waren. An einzelne Namen von wahrscheinlichen Mitkämpfern in Syrien erinnerte sich der Zeuge nicht. "Es ist ja schon lange her", sagte er sinngemäß.

Spezialkräfte nehmen Sven Lau in Mönchengladbach fest FOTO: Rene Anhuth/ ANC-NEWS

An ein Telefonat erinnerte sich der Bergheimer allerdings genau. In einem Focus-Artikel sei Sven Lau 2013 mit einer Waffe in der Hand auf einem Panzer zu sehen gewesen. Da sei von Lau als "Staatsfeind Nr. 1" die Rede gewesen. "Bruder, das war eine große Ehre, so etwas zu hören", so die Stimmen der Männer aus dem abgehörten Gespräch. "Das sind Freiheitskämpfer, weißt du, wie die das in Syrien feiern werden?", wurde lachend erklärt.

Nach der Mittagpause saß Vogel wieder auf dem Zeugenstuhl, neben sich seinen Zeugenbeistand. Er musste sich erneut den Fragen des Vorsitzenden, des Bundesanwalts und des Verteidigers stellen. Eindringlich erkundigte sich der Vorsitzende, ob für den Zeugen die Bemerkung "aus dem Urlaub gekommen" in Wahrheit bedeute "aus dem Dschihad gekommen". Das bestritt der 38-Jährige; nein, bei Urlaub denke er an Mallorca.

Porträt: Das ist Sven Lau FOTO: Raupold

Als ihm der Name Konrad S. genannt wurde, der in Syrien eine Kampfeinheit angeführt haben soll, meinte Pierre Vogel: "Das weiß ich nur aus der aus der Zeitung." Am Ende seiner Aussage versuchte Vogel, den Freund zu entlasten: "Wir gehen nur von Moschee zu Moschee und schicken niemanden nach Syrien". Der Prozess wird fortgesetzt.

Quelle: RP
 
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