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Serie Was Macht Eigentlich?
Unermüdlicher Kämpfer gegen die Armut

Serie Was Macht Eigentlich?: Unermüdlicher Kämpfer gegen die Armut
Bündnis-Mitglieder an der Klagemauer 2009 (v. l.): Alex Micha, Robert Manstetten, Hartmut Wellssow, Edmund Erlemann und Helmut Schaper. FOTO: Raupold a
Mönchengladbach. Robert Manstetten, einst Chef der Arbeitsagentur Mönchengladbach, führt auch als Ruheständler das fort, was sein Leben geprägt hat. Er setzt sich für Menschen ein, nun als Ehrenamtler im "Bündnis für Menschenwürde und Arbeit". Von O. E. Schütz

Mönchengladbach sollte nur eine Episode in seinem Berufsleben sein: Sechs Jahre, von 1984 bis 1990, war Robert Manstetten Direktor der Arbeitsagentur Mönchengladbach. Dann gab es eine höhere Berufung für den damals 59-Jährigen: Köln, die drittgrößte Agentur Deutschlands hinter Hamburg und München. Wie alles in seinem Leben hat Robert Manstetten auch dies mit voller Energie angepackt, bis zu seiner Pensionierung 1996, mit der Aachen wieder zu seinem alleinigen Lebensmittelpunkt wurde. Mönchengladbach war Vergangenheit mit schönen Erinnerungen.

Doch dann gab es 2000 in Aachen ein zufälliges Wiedersehen mit Edmund Erlemann. Der Mönchengladbacher Regionaldekan und Münster-Propst hatte 1983 den 50 Jahre zuvor von den Nazis verbotenen Volksverein wiedergegründet. Erlemann und Manstetten hatten schon immer mit ihrer Einstellung zu sozialer Gerechtigkeit auf einer Wellenlänge gelegen und fanden schnell wieder zusammen. "Ich hatte gemerkt, dass meine Kontakte und vor allem die Nähe zu den Menschen mit der Zeit verloren gingen. Der Volksverein bot die Möglichkeit, sie wiederzufinden", sagt Manstetten. Er engagierte sich in beratender Funktion im Volksverein gegen Arbeitslosigkeit.

Olaf Sund, Präsident des Landesarbeitsgerichts (rechts), überreicht 1984 das Ernennungsschreiben an den neuen Mönchengladbacher Direktor. FOTO: Ude Dewies

So war Manstetten auch dabei, als 2005 in der Vitusstadt mit Edmund Erlemann das "Bündnis für Menschwürde und Arbeit" gegründet wurde. Seither fährt er ein- bis zweimal die Woche von Aachen nach Mönchengladbach, arbeitet hier im Bündnisrat. "Ich bringe Zeit, zwölf bis 15 Stunden die Woche, und Geld mit. Aber es macht unheimlich viel Spaß, hier mitzuarbeiten. Auch, weil die Leute nicht verbohrt sind. Wir können über alles diskutieren, weil das Bündnis zwar vom Thema her links orientiert, aber nicht parteipolitisch gebunden ist", sagt Manstetten. Er selbst ist seit 1979 in der SPD, blieb auch nach Kanzler Schröders Agenda 2010, die so etwas wie ein Stich in sein soziales Herz war.

Robert Manstetten ist im und nach dem Zweiten Weltkrieg auf Pacht-Landwirtschaftsbetrieben seiner Eltern groß geworden. Die Familie mit sechs Kindern kam über die Runden, aber viel mehr nicht. "Wir waren nicht arm, aber wir hatten nie Geld", sagt Robert Manstetten. Er musste früh mit anpacken auf dem Hof, für die Familie und seine eigene Zukunft: "Ich wollte studieren, das Geld dafür musste ich mir auf unserem Hof selbst verdienen, das war harte Arbeit. Aber ich wollte unbedingt zur Uni. Ich hatte gesehen, wie es unseren Landarbeitern erging. Sie wurden gut behandelt, saßen mit an unserem Tisch. Aber sie hatten keine Perspektive. Eine eigene Familie zu gründen, das ging nicht."

Bergwandern war Robert Manstettens Leidenschaft. Mit 84 Jahren ist es aber "leider" nur noch Erinnerung. FOTO: RM

"Wiso", wie es damals hieß, Wirtschafts- und Sozialwissenschaften, hat er in Köln und Bonn studiert. Dann arbeitete er in einem großen Getränkevertrieb als Vertriebsleiter für Nordrhein-Westfalen. Und hatte ein "Schlüsselerlebnis", das seinem Weg eine andere Richtung gab: "Ich musste die Mitarbeiter, die in sechs Monaten ihren vom Unternehmen vorgegebenen Umsatz nicht erreicht hatten, freisetzen und effektivere Leute verpflichten, um den Gewinn der Firma zu steigern. Ich wollte aber nicht gegen die Menschen, sondern für sie arbeiten."

Und dann kam er durch den Tipp eines Berufsberaters zum Arbeitsamt, der heutigen Agentur für Arbeit. Wo er schnell Karriere machte. Über die Arbeitsagenturen Aachen und Gelsenkirchen ("Diese Stadt war damals durch die strukturbedingten Probleme im Ruhrgebiet die Hölle"), nach sechs Jahren im Bundesministerium für Arbeit und Soziales und anschließend die Arbeitsagentur Mönchengladbach landete er bei seiner letzten Station, in Köln.

Hier ist er aufgewachsen: der Donselner Hof bei Aachen. FOTO: RM
Quelle: RP
 
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