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Silbermond
Unsere Omas sind unsere größten Fans

Silbermond: Unsere Omas sind unsere größten Fans
Andreas Nowak und Stefanie Kloß im Gespräch mit Klas Libuda. FOTO: Isabella Raupold
Mönchengladbach. Sängerin Stefanie Kloß und Schlagzeuger Andreas Nowak sprechen über die Geschichte ihrer Band und Open-Air-Auftritte.

Sie haben schon als Schüler gemeinsam Musik gemacht und sich später zu Silbermond umbenannt. Sind Sie selbst überrascht, dass Sie solange durchgehalten haben?

Stefanie Kloß Wir sind nicht überrascht, dass wir so lange durchgehalten haben, sondern darüber, wie schnell die Zeit vergeht. Nachdem die erste Platte 2004 rauskam, ging alles Knall auf Fall. Durch "Durch die Nacht" haben die ersten Leute etwas von uns mitbekommen, "Symphonie" war dann auch sehr erfolgreich. Von Konzerten mit 200 Zuschauern ging es dann zwei oder drei Monate später in Clubs mit 800 Zuschauern. Wir hatten gar nicht die Zeit, das zu realisieren und so ging das zehn Jahre lang weiter. Seitdem gibt es eigentlich nur die Band. Ich glaube, wir haben uns seitdem nie länger als vier Wochen nicht gesehen.

Haben Sie an irgendeinem Punkt mal bereut, nichts Vernünftiges gelernt zu haben?

Kloß Ich bin immer noch sehr dankbar, dass ich mich nie der Herausforderung stellen musste, mir nach dem Abi überlegen zu müssen, was ich werden möchte. Das wäre ein richtiger Krampf geworden. Nachdem ich 2003 Abitur gemacht habe, sind wir nach Berlin gegangen und haben gesagt: Wir gucken mal, wie es mit der Band klappt. Heute wüsste ich wirklich nicht, was ich anderes machen sollte.

Und Ihre Eltern haben auch nicht gesagt: Kind, studier' doch International Business.

Kloß In Bautzen studiert man relativ selten International Business. Wir machen gemeinsam Musik, seit ich 13 Jahre alt bin und unsere Eltern haben gesehen, dass wir das ernst nehmen. Bandproben gab es zwei Mal pro Woche, immer mittwochs und freitags. Ich hatte einen klaren Deal mit meinen Eltern: Solange du in der Schule nicht einpennst und alles hinbekommst, kannst du das machen. ANDREAS NOWAK Wir haben ziemlich lässige Eltern.

Jetzt sind Sie gerade mal Anfang 30 und haben zuletzt ein Best-of-Album veröffentlicht. Fühlen Sie sich da nicht furchtbar alt?

Kloß Andere Musiker, die später ein "Best-of" herausbringen, haben sich bestimmt auch nicht mit 13 kennengelernt und hatten mit 18 Jahren ihren ersten Plattenvertrag. Es ist schön, das, was wir bislang erlebt haben, einmal zusammenzufassen. Wir haben das für uns gemacht.

Warum denn für sich? Sie kennen die Songs doch. Wofür brauchen Sie noch ein Best-of-Album?

Kloß Das Album ist für uns wie ein Buch, in dem wir nun vor- und zurückblättern und sehen können, was wir erreicht haben. Natürlich haben wir das auch für die Fans gemacht. Teilweise sind die mit uns erwachsen geworden, jetzt Anfang 30, haben einen Job, eine Familie und stehen voll im Leben. Das ist schon krass.

Gibt es eigentlich Songs, die Sie selber schon gar nicht mehr hören können, weil Sie sie in- und auswendig kennen?

Kloß Während der Song "Das Beste" erfolgreich war, habe ich das Radio ein- oder zweimal abgeschaltet, weil es einfach zu viel wurde. Da habe ich mich sogar geärgert, weil es die Leute so genervt hat, dass der Song immer und überall lief. Als wir den Song dann zum allerersten Mal wieder live gespielt haben, war das aber ein magischer Moment: Wir spielen "Das Beste" nur mit Klavier und Gesang. Das berührt die Leute - und das wiederum berührt mich.

Ist das nicht ein irrsinniges Gefühl, sich im Radio zu hören?

Nowak Ich finde das immer völlig absurd. Ich werde dann ganz ehrfurchtsvoll und mache automatisch ein bisschen lauter. Nicht, weil ich es so geil finde, sondern weil man als Musiker auch hinhört, was man heute anders machen würde.

Stört Sie Kritik heute noch?

Nowak Ich lasse mich lieber von den Richtigen kritisieren als von den Falschen loben.

Wer sind die Richtigen?

Nowak Menschen, die wir schon lange kennen und die uns nahestehen. Mir ist es wichtiger, wenn meine Oma sagt, dass sie eine Platte nicht gut findet, als wenn irgendwer in einem Internet-Forum etwas darüber schreibt. Man muss das ein bisschen filtern.

Spielen Sie Ihrer Oma wirklich eine neue Platte vor?

Nowak Die kauft sich die sogar! KLOSS Unsere Omas sind unsere größten Fans! Von Leuten, die uns nahestehen, erwarten wir ja auch, dass sie ehrlich sind. Sonst kommen wir ja auch nicht weiter.

Sie spielen dieses Jahr ja nur in Leipzig und in Mönchengladbach.

Kloß Wir spielen nur diese zwei Konzerte, darum haben wir dafür Orte ausgewählt, an denen wir uns wohlfühlen. Als wir zuletzt 2010 in Gladbach gespielt haben, fanden wir die Location einfach total gemütlich. Und jetzt sind auch schon wieder viele Tickets verkauft und auf dem Parkplatz wird sogar eine Zusatz-Tribüne aufgebaut. Das wird ein Riesenkonzert.

Aber so ein Open Air ist brandgefährlich. Bei strahlendem Sonnenschein bekommen Sie hier eine tolle Bühne und ein Publikum, das gut drauf ist. Aber was ist, wenn es regnet? Dann geht die Stimmung den Bach runter.

Nowak Das stimmt nicht. Wir haben mal in Karlsruhe gespielt und es hat wahnsinnig geregnet. Aber die Leute hat das überhaupt nicht interessiert. Die haben da eine Feier draus gemacht. KLOSS Es sitzen alle im selben Boot. Irgendwann sind alle nass und dann ist es auch egal. Sobald du den Leuten vermittelst, dass du Bock hast, funktioniert es.

Im vergangenen Jahr hat sich Elton John mit dem Hubschrauber zum Hockeypark fliegen lassen.

Nowak Echt? Das ist nicht schlecht. Dann kommen wir mit dem Privatjet.

Haben Sie Macken?

Nowak Eigentlich nicht. Wir kommen über Nacht mit unserem Tourbus, da passt die ganze Crew rein.

Spielen Sie sich in Gladbach einmal durchs Best-of?

Nowak Wir spielen uns einmal quer durch die Dekade. Unser letztes Konzert haben wir im November 2013 gespielt, das war eine Kneipen-Tour in Bautzen vor durchschnittlich 40 Leuten. Wir sind jetzt richtig heiß drauf, wieder auf die Bühne zu kommen.

KLAS LIBUDA FÜHRTE DAS INTERVIEW.

Quelle: RP
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