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Mönchengladbach
Unternehmer tasten sich ins Internet vor

Mönchengladbach: Unternehmer tasten sich ins Internet vor
FOTO: RED
Mönchengladbach. Eine Geschäftskundenstudie der Commerzbank zeigt: Gewerbetreibende, Freiberufler und Handwerker in Gladbach hinken digital noch hinterher. Doch sie holen auf - und bieten etwa schon recht häufig Online-Bezahlverfahren an. Von Jan Schnettler

So weit, so erwartbar. Die Mönchengladbacher Gewerbetreibenden, Freiberufler und Handwerker nutzen das Internet prinzipiell zurückhaltend - in erster Linie für den Versand von Informationsmaterial. Die Hälfte ist kaum im Netz aktiv, nur rund ein Viertel präsentiert sich in sozialen Netzwerken, und ein Fünftel beklagt sogar negative Erfahrungen damit. "Es besteht großer Nachholbedarf bei Digitalisierung und Internethandel", sagt Marcel Krug, Niederlassungsleiter der Commerzbank Region Mönchengladbach, denn auch. Das geht einher mit dem gängigen Klischee von den soliden, aber manchmal auch etwas schwerfälligen und arg traditionsbewussten Mönchengladbacher Familienunternehmen.

Florian Thomas (li.) und Marcel Krug von der Commerzbank. FOTO: COBA

Aber: Der Wandel ist bereits in vollem Gange. Die Werte verbessern sich - und sind zum Teil bereits erheblich besser als der Bundesdurchschnitt. Das zeigt die neue Geschäftskundenstudie, die die Bank jetzt für das Jahr 2015 vorgelegt hat. So geben bereits 22 Prozent der Geschäftskunden an, "überwiegend" per Internet aktiv zu sein - im Bundesschnitt sind es nur 17 Prozent. Bemerkenswert ist dabei auch, dass vor Jahresfrist noch lediglich zehn Prozent der Gladbacher Geschäftskunden diese Antwort gaben. "Es gibt mittlerweile viele junge, innovative Firmen in der Region", sagt Florian Thomas, Geschäftskundenleiter der Commerzbank Mönchengladbach. "Dabei ist zum Beispiel auch das Ebay-Projekt der Wirtschaftsförderung gar nicht hoch genug einzuschätzen."

Auch sind 41 Prozent der Gladbacher Geschäftskunden für Smartphone-Nutzer über mobile Seiten oder Apps erreichbar - eine Handvoll mehr als im Bundesschnitt. 40 Prozent bieten Online-Bezahlverfahren an, deutschlandweit betrachtet sind es nur 27; Verfahren wie Paypal (von acht Prozent der Geschäftskunden angeboten) sind dabei bereits doppelt so beliebt wie im Bundesschnitt.

Als Geschäftskunden werden Freiberufler, Handwerker mit Jahresumsätzen bis 2,5 Millionen Euro definiert. Rund 8000 betreut die Bank in der Region Mönchengladbach, die seit diesem Sommer bis nach Krefeld und Wesel erweitert wurde. Für die Studie, die zum zweiten Mal nach 2014 erstellt wurde und für die zwischen Juli und August 3000 Unternehmer, davon 100 in der Region, befragt wurden, liegt allerdings noch der frühere, viel kleinere regionale Zuschnitt zugrunde. Unter den Befragten sind auch Nicht-Kunden der Bank.

Das Megathema Digitalisierung war dabei nur einer der telefonisch abgefragten Aspekte. So bewerteten drei Viertel der Befragten ihre wirtschaftliche Entwicklung - und damit deutlich mehr als 2014 - als sehr gut oder stabil. Ihre Auftragsbücher sind 2015 noch besser gefüllt als im Vorjahr, und was die Erwartungen an das kommende Jahr angeht, so hat sich die Zahl der Optimisten gegenüber 2014 nahezu verdreifacht. Nur noch ein Viertel - zwölf Prozent weniger als im Vorjahr - erwartet eine rückläufige wirtschaftliche Entwicklung für 2016.

Interessant ist der Blick auf die unternehmerischen Risiken: Befürchteten die Geschäftskunden 2014 noch in erster Linie eine Auftragsflaute, haben 2015 die Sorgen in Sachen Arbeitsunfähigkeit, einer Steigerung der Lohnkosten und nicht zahlender Kunden spürbar zugenommen. Ebenfalls markant: Lediglich 14 Prozent der für 2015 geplanten Investitionen wurden vollständig umgesetzt (2014: 32, Bundesschnitt: 28), 55 Prozent aber immerhin zum Teil. Und nur ein Viertel der Befragten hat dieses Jahr überhaupt nicht investiert.

47 Prozent der Befragten bieten eine betriebliche Altersvorsorge an - deutschlandweit sind es nur 36. "Die Wertschätzung gegenüber den Mitarbeitern ist in den Familienunternehmen der Region noch verhältnismäßig groß", sagt Florian Thomas. Dieser Sicherheitsgedanke kommt übrigens auch im Internet zum Tragen. 58 Prozent der Geschäftskunden fühlen sich durch digitale Angriffe bedroht; 88 Prozent benutzen daher eine Firewall, 82 Prozent ein Virenschutzprogramm, 53 Prozent ändern regelmüßig ihre Passwörter. Das sind deutlich höhere Werte als im Bundesdurchschnitt.

Konservativ - und hier wird es für die Bank als Auftraggeber der Studie wieder interessant - sind die Mönchengladbacher auch bei der Finanzierung ihrer Investitionen. Lediglich 17 Prozent werden über Kredite und Leasing finanziert, der überwiegende Teil aus dem laufenden Geschäftsbetrieb oder Rücklagen. Oder, anders ausgedrückt: "Die Mönchengladbacher Geschäftskunden sind sehr, sehr gesund unterwegs", sagt Marcel Krug.

Quelle: RP
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