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Mönchengladbach
Urs Meier - ein Schiedsrichter mit Tempo und Witz

Mönchengladbach. Der Puls steht auf 160, in 90 Minuten wurden etwa zwölf Kilometer zurückgelegt, und nun steht schon wieder eine Entscheidung in Sekundenschnelle an. Der ehemalige FIFA-Schiedsrichter und ZDF-Fußballexperte Urs Meier nannte diese Vorgaben als Gedankenspiel, ehe er seine Zuhörer im Forum MH2 nach einer Filmsequenz über Tor oder Nicht-Tor entscheiden ließ. Auch ohne körperliche Anstrengung im Vorfeld tröpfelten die Antworten zaghaft daher. "Nach drei Sekunden glaubt mir nicht einmal mehr eine Frau zuhause", kommentierte Meier die Verzögerung. Von Angela Wilms-Adrians

Der Schweizer kennt den Druck, rasch entscheiden zu müssen und sich mit klarer Ansage durchzusetzen. Offenbar kann er damit gut umgehen. Denn im Franziskushaus bewies er Tempo, Witz und Leidenschaft - für den Sport, für die Menschen und die Bereitschaft, für Entscheidungen und mögliche Fehler einzustehen.

Jürgen Hellermann, Geschäftsführer der Kliniken, begrüßte den Referenten als einen Mann, der unter enormem Druck komplexe Situationen analysieren kann. Der "Schiri" mit dem typischen Tonfall des Alpenlandes dokumentierte sein Thema an Fußball-Szenen und schlug den Bogen zu Unternehmensführung und privater Lebenshaltung. An Filmausschnitten von 1966 und 2010 zeigte er beispielhaft, wie der Sport an Tempo gewonnen hat und damit die Anzahl der zu entscheidenden Situationen gestiegen ist. Die WM 2006 in Deutschland nannte er die schönste "ever". Das habe nicht an den modernen Stadien und am Wetter gelegen, sondern an der Begeisterung der Menschen. Die machten den Sport erst schön. Von da war die Verbindung zum fairen Miteinander logisch. Meier definierte Fairplay mit den Worten "Vom anderen herdenken" und betonte entschieden: "Menschen, Unternehmen und Vereine, die vom anderen herdenken, haben langfristig Erfolg".

Der Vortrag war ein Plädoyer für den Mut, getroffene Entscheidungen durchzusetzen und dafür auch einzustehen. "Entscheidungen treffen, hießt auch Risiken einzugehen und damit zu leben, dass sich die Optik ändert". Für alle Lebensbereiche betonte Meier: "Keine Entscheidung ist auch eine Art von Entscheidung". Für Entscheidungen werde man häufig nicht unbedingt gefeiert, räumte Meier ein und untermauerte eine solche Erfahrung am Beispiel einer Kampagne gegen ihn. Entscheidend sollte da aber das Gefühl sein, seinen Job gut gemacht zu haben. In der Fragerunde wollte ein junger Mann im Trikot wissen, wie es sich anfühle, im Nachhinein eine Fehlentscheidung zu erkennen. "Nicht gut", sagte der Schweizer und gestand, deswegen schon schlaflose Nächte gehabt zu haben.

Quelle: RP
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