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Vergewaltigungsfall in Mönchengladbach
Verdächtiger sah sein Fahndungsfoto auf Facebook

Nach Vergewaltigung: Mehr Überwachung am HBF?
Mönchengladbach. Nach dem Vergewaltigungsfall einer 15-Jährigen auf dem Platz der Republik und der Veröffentlichung von Fahndungsfotos stellte sich ein 20-jähriger Schüler, gebürtiger Inder. Er sagt, er habe nichts gegen den Willen des Mädchens getan. Von Gabi Peters

Der Mann hatte das Foto von sich auf Facebook gesehen und ging sofort zur Wache der Bundespolizei am Gladbacher Hauptbahnhof, um sich zu melden. Nach der Vergewaltigung einer 15-Jährigen auf dem Platz der Republik hatte die Polizei Dienstagmorgen ein Fahndungsfoto veröffentlicht. Das Bild aus der Überwachungskamera eines Busses, in dem der mutmaßliche Täter und das Mädchen am 12. Januar in Richtung Bahnhof fuhren, war auf Facebook in Windeseile hundertfach geteilt worden. Denn der Vergewaltigungsfall hatte viele entsetzt. Die Geschehnisse in der Silvesternacht am Kölner Bahnhof mögen die Empörung noch verstärkt haben. Denn gesucht wurde ein Mann mit dunklen Haaren und ausländischem Akzent. Kurz nach Bekanntwerden des Vergewaltigungsfalls entschlossen sich auch in Gladbach Bürgerwehren zu nächtlichen Patrouillen. Die Polizei stoppte einige, darunter auch eine Gruppe von Hooligans.

Der junge Mann bestreitet jedoch die Vorwürfe. Bei der Polizei gab er an, alles sei einvernehmlich geschehen. Er habe nichts gegen den Willen des Mädchens getan. Es handelt sich um einen 20-Jährigen aus Gladbach. Er ist gebürtiger Inder, lebt seit Jahren in Deutschland. Er ist Schüler und möchte im nächsten Jahr sein Abitur machen. Nach eigenen Angaben könnte er im nächsten Jahr die deutsche Staatsbürgerschaft bekommen. Bei der Polizei ist er noch nie aufgefallen. Wie Polizeisprecher Jürgen Lützen am Dienstag sagte, wurde der Mann nach seiner Vernehmung und nach Rücksprache mit der Staatsanwaltschaft wieder entlassen. Die Ermittlungen gegen ihn werden jedoch fortgesetzt. 

Auch am Mittwoch wurde der Beschuldigte noch einmal vernommen, auch das Opfer sagte noch einmal bei der Polizei aus. "Wenn der Fall ausermittelt ist, wird er an die Staatsanwaltschaft übergeben, die dann entscheidet, ob Klage erhoben wird oder nicht", sagte Polizeisprecher Jürgen Lützen. Wann das sein wird, ist noch nicht klar.

Das Mädchen hatte bei der Polizei geschildert, dass der 20-Jährige in Lürrip mit ihr in den Bus Richtung Gladbacher Hauptbahnhof gestiegen sei. Er habe sich neben sie gesetzt und bedrängt. Die Gespräche, die er ihr aufzwängen wollte, habe sie abgeblockt. Doch er habe nicht aufgegeben. Als sie am Europaplatz ausstieg, sei er ihr gefolgt - durch den Bahnhof, auf den Platz der Republik, wo sie einkaufen wollte, weil sie ihren Anschlussbus verpasst hatte. Als sie im Geschäft war, habe er draußen auf sie gewartet und nach ihrer Rückkehr die Verfolgung wieder aufgenommen. Dann sei er zudringlich geworden, habe sie unsittlich berührt und versucht zu küssen. Schließlich sei es zu der Vergewaltigung gekommen.

Nach dem ersten Fahndungsaufruf ohne Foto gab es keinen einzigen verwertbaren Hinweis. Offenbar war niemandem etwas aufgefallen, obwohl um 19.10 Uhr, der Tatzeit, der Platz der Republik noch ziemlich belebt ist. Das Mädchen selbst hatte bei der Polizei berichtet, aus dem Augenwinkel eine Gruppe junger Menschen gesehen zu haben, die laute Musik hörte. Aber auch von diesen jungen Leuten meldete sich keiner bei der Polizei.

Der Platz galt Mitte 2015 als Brennpunkt für Kriminalität. Schwarzafrikaner verkauften dort offen und zum Teil mit aggressiven Methoden Haschisch - auch an Minderjährige. Doch mittlerweile sitzen 17 Männer in Untersuchungshaft, die Polizei leitete über 200 Strafverfahren ein und nahm im November den Betreiber einer Skaterhalle fest, der offenbar auch die Dealerbande am Platz der Republik mit Drogen versorgt hatte.

Quelle: RP
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