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Mönchengladbach
Viel Beifall für Johannes-Passion

Mönchengladbach: Viel Beifall für Johannes-Passion
Die Aufführung der Johannes-Passion in der Evangelischen Hauptkirche Rheydt war ausverkauft. Die Besucher hörten eine ausgezeichnete Wiedergabe, die mit lang anhaltendem Applaus belohnt wurde. FOTO: Detlef Ilgner
Mönchengladbach. Einen lebendigen, dramatischen Vortrag der Christus-Partie garantierte der in der Evangelischen Hauptkirche Rheydt immer wieder gern gehörte Bass Thomas Peter. Auch der erfreulich groß besetzte Chor war leistungsstark. Von Gert Holtmeyer

Bachs Passionen sind immer ein Publikumsmagnet. Und dass in der Evangelischen Hauptkirche Rheydt seit Jahren anspruchsvolle Oratorienaufführungen zu erleben sind, hat sich inzwischen herumgesprochen. So nimmt es auch nicht weiter wunder, dass die Aufführung der Johannes-Passion im traditionellen Karfreitagskonzert ausverkauft war. Auch diesmal brauchte kein Zuhörer sein Kommen bedauern, zu hören war eine ausgezeichnete Wiedergabe. Verglichen mit Bachs Matthäus-Passion ist die nach dem Evangelisten Johannes die dramatischere. Da war es gut, dass mit Stephan Scherpe ein Tenor verpflichtet wurde, der die Rezitative des Evangelisten spannend aufbaute, ohne andererseits eine übertriebene Theatralik an den Tag zu legen. Darüber hinaus erwies sich Scherpe nicht nur als sicherer, sondern auch als beachtlich konditionsstarker Sänger.

Erfahrungsgemäß entscheidet die Arie Nr. 20 ("Erwäge, wie sein blutgefärbter Rücken") darüber, ob ein oder zwei Tenöre verpflichtet werden. Lässt man sie weg, reicht ein Tenor. Kürzt man sie nicht, braucht man zwei. Nicht so in der Hauptkirche. Scherpe übernahm als einziger Tenor auch noch die von zwei Violen d'amore oder Geigen (Johanna Brinkmann und Tanja Cherepashchuk) begleitete Arie.

Einen lebendigen, dramatischen Vortrag der Christus-Partie garantierte der in der Hauptkirche immer wieder gern gehörte Bass Thomas Peter. Ebenfalls über eine durchsetzungsfähige Bass-Stimme verfügt der junge Sebastian Seitz. Gut besetzt waren auch die beiden Frauen-Partien mit Christin-Marie Hill (Alt) und Taryn Knerr mit ihrem strahlenden Sopran ("Zerfließe, mein Herze").

Der erfreulich groß besetzte Chor, die Kantorei der Evangelischen Hauptkirche Rheydt, erwies sich auch diesmal als leistungsstark und von Udo Witt gut vorbereitet. Temperamentvoll ging es zur Sache, wenn Volkszorn hasserfüllt sich entlud ("kreuzige, kreuzige"). Für die Choräle vermied Witt ein "zu" in beide Richtungen, sie klangen weder zu hastig noch zu romantisch. Gute instrumentale Leistungen bot das Orchester der Hauptkirchenkonzerte, sowohl als Ensemble wie mit den solistischen Beiträgen. Udo Witt war der gewohnt konzentrierte Gesamtleiter.

Natürlich gibt es immer etwas, was man beim nächsten Mal noch besser machen kann. Dabei ist weniger an die Musik als ans Programmheft zu denken. Auf grauem, dunklen Untergrund eignete sich die kleine Schriftgröße zwar vorzüglich für einen Sehtest beim Optiker. Das Lesen unter den Bedingungen einer Kirchenbeleuchtung allerdings war zwar grundsätzlich möglich, aber letztlich doch mühsam.

Mit der Qualität der Aufführung hat diese Feststellung natürlich nichts zu tun. Die war großartig und wurde mit lang anhaltendem Beifall gefeiert.

Quelle: RP
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