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Mönchengladbach
Viel Gegenwind für die Fahrradstraße

Mönchengladbach: Viel Gegenwind für die Fahrradstraße
Die Blaue Route, Mönchengladbachs erste und einzige Fahrradstraße, sorgt weiterhin für hitzige Diskussionen. FOTO: Jana Bauch
Mönchengladbach. Bei einer Bürgerversammlung zur "Blauen Route" diskutieren Anhänger und Gegner der Trasse. Eine Mehrheit fordert Verbesserungen. Von Dominik Lauter

Das Pilotprojekt "Blaue Route" auf Brucknerallee und Richard-Wagner-Straße wird seit seinem Start kontrovers diskutiert. Für die Stadt ist die Fahrradstraße ein Erfolg, ein Durchbruch für Integration und Sicherheit der Fahrradfahrer in der Stadt. Anwohner und Radfahrer kritisieren dagegen häufig die Umsetzung. Nun stellten sich Bürgermeister und SPD-Ratsherr Ulrich Elsen, Vertreter der Stadtverwaltung und des ADFC bei einem Infoabend, zu dem die SPD Rheydt/Odenkirchen eingeladen hatte, im voll besetzten Turnerheim am Grenzlandstadion der Kritik der Bürger. Und da kochten die Emotionen hoch.

Etwa bei einer Frau mittleren Alters: Sie geigte dem Referenten Carsten Knoch in einem scharfen Ton zunächst ihre Meinung und verließ danach fluchend den Saal. Das war der negative Höhepunkt der Veranstaltung. Der Großteil der versammelten Bürger - meist direkte Anwohner - bemühte sich, ruhig, sachlich und angemessen miteinander umzugehen. Nur manchmal gelang es nicht, das Temperament in Schach zu halten.

Das machte den Job der Referenten - Carsten Knoch, Mobilitätsbeauftragter der Stadt und ADFC-Vorstandsmitglied Thomas M. Claßen - phasenweise nicht leicht. "Die Blaue Route ist als eine attraktive Alternative zu den umliegenden Hauptverkehrsstraßen gedacht", erklärte Knoch. Denn "der "generationsübergreifende Mega-Trend Fahrradfahren verzeichnet in den vergangenen Jahren einen massiven Zuwachs, auch bedingt durch die modernen E-Bikes", sagte er. Dementsprechend sollen Fahrradfahrer in der auf Autoverkehr ausgelegten Stadt mehr Raum bekommen, damit sie sich sicher und zügig in der Stadt fortbewegen können. In diesen Bereichen sollen Autos lediglich zu Gast sein.

Das ist die Theorie. Die Erfahrungsberichte vieler Zuhörer zeichneten ein anderes Bild. Viele Anwohner berichteten davon, dass sich der Durchgangsverkehr in keiner Weise geändert habe. Einer von ihnen war Marcel Klotz, der in der Nähe des Hugo-Junkers-Parks wohnt. Wegen mehrerer Schulen, Arztpraxen und dem Markt, der zweimal in der Woche stattfindet, sei das Verkehrsaufkommen viel zu hoch, um dort eine Fahrradstraße einzurichten, so seine Meinung. Außerdem halte sich nach seiner Beobachtung kaum einer an das auf einer Fahrradtstraße vorgegeben Limit von 30 Stundenkilometern.

Ein anderer Bürger sah im Busverkehr auf der Blauen Route ein Problem. "Die Busse haben kein Anliegen und daher auch kein Recht, dort zu fahren und die Radfahrer zu gefährden", so seine Auffassung, der sich Zuhörer anschlossen. Mehrere Besucher der Versammlung beschwerten sich beim Mobilitätsbeauftragten Knoch über mangelnde Beschilderung - vor allem in den Nebenstraßen. Es sei dem Autofahrer überhaupt nicht klar, dass er gleich auf eine Fahrradstraße komme. Auch über die Regeln sei nicht genügend aufgeklärt worden.

Schlechte Erfahrung hat auch Angela Runkel gemacht. "Ich habe mich sehr über die Idee der Blauen Route gefreut. Aber seitdem ich diese einige Male befahren habe und mehrmals von Autofahrern bedrängt und sogar beleidigt wurde, meide ich diese Route", erklärte sie. Sie bekam für diese Aussage viel Applaus. Die Zahlen und Beobachtungen der Stadtverwaltung entsprechen nicht den Erfahrungen der Bürger. "Es wurde über 14 Tage hinweg die Geschwindigkeit der Autofahrer gemessen. Die meisten halten sich der Messung nach an die vorgeschriebenen 30 Stundenkilometer", betonte Knoch. Auch die Zahl der wenigen gemeldeten Unfälle (drei) sei ein Beleg für den Erfolg der Route. Fraglich war für viele der Anwesenden allerdings, wie viele Beinahe- oder nicht gemeldete Unfälle täglich passieren.

Unter den versammelten Bürger befanden sich aber auch Befürworter, die trotz der zeitweise aufgeheizten Stimmung eine Lanze für die Blaue Route brachen und sich dankbar zeigten. Einer von ihnen ist der Pendler Rudolf Brügge: "Ich fahre diese Straße mehrmals am Tag und freue mich jedes Mal über dieses Projekt." Eine egoistische Sichtweise sei das eigentliche Problem. Persönlich habe er noch nie schlechte Erfahrungen gemacht oder berichtet bekommen.

Am Ende schien man sich bei einigen Punkten ein Stück weit einig zu sein. Dazu gehörte, die Beschilderung zu verbessern, häufigere Kontrollen durchzuführen und die Autofahrer aufzuklären. Der Appell an die Bürger: Die Radpumpe nicht zu früh ins Korn zu werfen. In anderen Städten habe sich eine solche Route auch etablieren können.

Quelle: RP
 
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