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Mönchengladbach
Viel Russisches im Sinfoniekonzert

Mönchengladbach. Nikolay Alexeev dirigierte, Norbert Anger brillierte als Solocellist.

Richtig russisch ging es im fünften Sinfoniekonzert zu. Auf dem Programm standen Rimski-Korsakow, Schostakowitsch und Tschaikowsky. Dazu wurde für die Leitung ein russischer Dirigent verpflichtet. Nicht irgendeiner, sondern Nikolay Alexeev, der stellvertretende künstlerische Direktor der Philharmonie St. Petersburg.

Schostakowitschs erstes Violoncellokonzert mag weniger publikumswirksam sein als die romantischen Konzerte, etwa von Schumann oder Dvoøák. Aber es steckt voller virtuoser Schwierigkeiten und expressiver Dramatik. Ein hervorragender Interpret stellte sich mit Norbert Anger vor. Der Solocellist der Sächsischen Staatskapelle Dresden beeindruckte durch technische und musikalische Souveränität. Flageoletts bereiteten ihm ebenso wenig Probleme wie das gleichzeitige Zupfen und Streichen in der Kadenz. Seine sonore Tonbildung lässt sich bis zu einem gewissen Grade, aber nicht nur mit der Qualität seines Gagliano-Instruments erklären. Da machen sich auch spielerische Qualitäten bemerkbar, wie es spätestens im Moderato deutlich wurde. Obwohl, wie er anmerkte, nach einem so anstrengenden Vortrag eine Zugabe "physisch kaum noch möglich" ist, durften die Zuhörer noch Bachs Sarabande aus der dritten Suite hören.

Wer sich unter einem russischen Dirigenten so etwas wie eine Mischung von Rasputin und Iwan dem Schrecklichen vorgestellt hatte, musste bei Nikolay Alexeev sein Vorurteil revidieren. Sein Dirigierstil zeichnete sich durch Sachlichkeit und Zweckmäßigkeit aus. Seine klare, rationale Zeichengebung ließ erkennen, dass Präzision Priorität besitzt. Darüber versäumte er aber nicht im Geringsten, Intensität und Vitalität zu fördern.

So glückte gleich der Start mit Rimski-Korsakows Ouvertüre "Russische Ostern", in der der Komponist an die heidnischen und christlichen Traditionen dieses Festes erinnert. Die Niederrheinischen Sinfoniker waren glänzend aufgelegt, tadellos gelangen die Solostellen der Bläser sowie der Konzertmeisterin und des Solocellisten (Chisato Yamamoto und Raffaele Franchini).

Eine musikalisch stimmige und intensive Wiedergabe der fünften Sinfonie Tschaikowskys rundete den mitreißenden Abend im Konzertsaal des Theaters ab. Stellvertretend für die hervorragenden solistischen Leistungen der Orchestermitglieder sei das Solo des ersten Hornisten (Kristiaan Slootmaekers) hervorgehoben.

(-tr)
 
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